Kardinal Schönborn: "Es geht um die göttliche Barmherzigkeit"
Wien, 13.3.07 (KAP) "Das Evangelium fordert nicht einen utopischen Staat ohne Gerechtigkeit, nicht einen Verzicht auf jedes Maß zwischenmenschlichen Ausgleichs", vielmehr gehe es darum, dass über allen menschlichen Forderungen und ihrer relativen Berechtigung das "absolute Maß der göttlichen Barmherzigkeit steht. Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstagabend im Wiener Stephansdom beim Gedenkgottesdienst zum dritten Todestag von Kardinal Franz König. Kardinal Schönborn konzelebrierte mit den Mitgliedern der Österreichischen Bischofskonferenz, die eigens zu diesem Anlass aus Mönchhof von ihrer Frühjahrsvollversammlung nach Wien gekommen waren. Bei dem Gottesdienst waren auch das Oberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., und der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat anwesend.
Die Barmherzigkeit sei nach Auffassung der großen Repräsentanten der christlichen Tradition das "größte aller Attribute Gottes", betonte Kardinal Schönborn. Deshalb sei die Barmherzigkeit auch das Maß aller menschlichlichen Vollkommenheit und der "wahre Horizont, vor dem alles Zusammenleben der Menschen erst den Namen 'menschlich' verdient".
Die Aufforderung des Evangeliums zum "77-fachen Verzeihen sei eine Herausforderung, sagte Kardinal Schönborn: "Die Frage stellt sich auch für das Miteinander der Christen. Kann Ökumene so gelebt werden, wie es das heutige Evangelium ausspricht?" Im Gedenken an Kardinal König und in Dankbarkeit für den Einsatz des Ökumenischen Patriarchen sei es "gut und recht", sich der "ganzen Wucht der Frohen Botschaft auszusetzen". Kardinal Schönborn appellierte, an die "erschütternde" Vergebungsbitte Johannes Pauls II. am ersten Fastensonntag des Heiligen Jahres 2000 zu gedenken. Das "Tor des Evangeliums" sei die "Selbstanklage", die Reue und Zerknirschung, die erst in der Erkenntnis der eigenen Sünden erwachen.
Die Frage, ob das Evangelium lebbar sei, bezeichnete Kardinal Schönborn als falsch gestellt. Vielmehr sei die Frage zu stellen, on ein anderer Weg als das Evangelium lebbar sei. Der Anfang allen Lebens sei, dass den Menschen ein "unfassbares Ja" zugesagt sei, ein "Wohlwollen ohne Grenzen". (ende)






