Wiener Weihbischof predigte beim Gemeinschaftsgottesdienst der österreichischen Bischöfe in der Pfarrkirche Reichenau - "Wir mengen uns zu wenig ein, wo Wüste geworden ist"
Wiener Neustadt, 5.3.08 (KAP) Die Kirche muss aus "den geheiligten Räumen heraustreten und in die Welt hinauswirken", betonte der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl am Dienstagabend beim Gemeinschaftsgottesdienst der österreichischen Bischöfe in der Pfarrkirche Reichenau (Niederösterreich). Wörtlich sagte Krätzl: "Kirchen haben die Aufgabe, aber auch die Möglichkeit, in den Wüsten wachsender Unmenschlichkeit ein neues Bild vom Menschen erstehen zu lassen, der Abbild Gottes ist und nicht nur nach seiner Nützlichkeit bewertet wird".
Christliche Gesinnung scheine das einzige Mittel zu sein, um die "vergifteten Gewässer unversöhnlichen Zusammenlebens" wieder zu reinigen und Leben zu ermöglichen, stellte der Bischof fest. Aber die Christen trauten sich selbst zuwenig zu. Die säkulare, ganz anders denkende Gesellschaft mache ihnen Angst statt sie herauszufordern. Krätzl: "Wir mengen uns zu wenig ein, wo Wüste geworden ist und lebensbedrohende Umgebung". Dabei würden gerade heute "ganz neue Wüsten" offenbar, "in denen Menschlichkeit, gar Liebe und Barmherzigkeit längst verdorrt sind".
Ein zweiter Grund für die geringe Wirksamkeit könne sein, dass die Christen sich in der eigenen Kirche und zusammen mit den anderen Kirchen "noch zu wenig einig sind über den Verlauf jenes fruchtbringenden Flusses, der Leben in Fülle gibt". Ein dritter Grund sei schließlich, dass die Christen in den eigenen Reihen "zu wenig Zuversicht" ausstrahlen. Krätzl: "Wir werden noch nicht gewahr, wo heute neue Quellen des Lebens fließen und unerwartet schon Früchte am Ufer zu reifen beginnen". Es gebe eher den Eindruck, dass viele Christen selbst noch in "mancher Wüste der Kränkung, der Enttäuschung, der Uneinigkeit, der Zaghaftigkeit" erst den Weg suchen und oft "müde, ausgedorrt, verwelkt" wirken.
Bischof Krätzl unterstrich zugleich, dass er die Kirche von früher Jugend an als jene "wunderbare Einrichtung" erlebt habe, die der Welt so viel zu geben hat. So habe er die Kirche im Widerstand in der NS-Zeit erlebt, in ihrem "stolzen Aufbruch danach" und schließlich in der "bewussten Zuwendung zur Welt" durch das Zweite Vatikanische Konzil. Aus dieser Begeisterung für die Kirche sei er vor 54 Jahren Priester geworden. Im Hinblick auf die Kirche habe er immer mit besonderer Freude den Psalm 87 gebetet: "Alle meine Quellen entspringen in dir".
In dieser Welt sei kein Paradies zu erwarten, sagte Bischof Krätzl. Es werde immer Wüsten geben, "aber wo Christen überzeugend leben, wachsen Oasen". Wo christlicher Geist durchdringt, werde das Leben über Todbringendes siegen und "wo menschliche Hilfe versagt, heilt Jesus selbst". Diese frohe Botschaft habe die Kirche zu verkünden. Aber die Welt werde dieser Botschaft nur glauben, wenn sie sieht, "dass die Kirche selbst davon innerlich freudig erfüllt ist und diese Botschaft Tag für Tag durch ihr Tun bezeugt".
Die österreichischen Bischöfe halten derzeit unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im Seminarzentrum des Bundesheeres in Schloß Reichenau ihre Frühjahrsvollversammlung ab. Kardinal Schönborn war auch der Hauptzelebrant des Gottesdienstes in der Pfarrkirche von Reichenau. Militärbischof Christian Werner konnte beim Gottesdienst u.a. auch den ranghöchsten Soldaten Österreichs, Generalstabschef Edmund Entacher, und den Kommandanten der Theresianischen Militärakademie (und Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Soldaten), Generalmajor Norbert Sinn, begrüßen. Nach dem Gottesdienst spielte die Militärmusik Niederösterreich auf dem Platz vor der spätklassizistischen Kirche zu Ehren der Bischöfe. (ende)






