Hunderttausende zum Papstbesuch in Frankreich erwartet
Papst besucht vom 12. bis 15. September Paris und Lourdes - Zusammentreffen auch mit Vertretern des Islam und des Judentums geplant
3.7.08 (KAP-ID) Große Gottesdienste in Paris und im Marienwallfahrtsort Lourdes werden die Höhepunkte des Papstbesuchs vom 12. bis 15. September in Frankreich darstellen. Zugleich erwarten die französischen Bischöfe ein großes öffentliches Interesse am Besuch Benedikts XVI. Allein zum Gottesdienst mit dem Papst vor dem Invalidendom in Paris werden rund 200.000 Teilnehmer erwartet, so der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, der Pariser Erzbischof Andre Vingt-Trois.
Nach Angaben von Vingt-Trois ist der Papstbesuch in Paris und in Lourdes für Frankreichs Katholiken die Gelegenheit, ihre Beziehung zu ihrer Kirche zu vertiefen und sich der weltumfassenden Dimension ihres Glaubens bewusst zu werden. Benedikt XVI. komme vor allem als Wallfahrer, um an den 150. Jahrestag der Marienerscheinungen in Lourdes zu erinnern. Während seines Aufenthaltes in Paris werde er aber auch mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy, mit Jugendlichen, Kulturschaffenden, Priestern und Ordensleuten sowie Vertretern anderer Religionen zusammentreffen.
Eckpunkte des Reiseprogramms
Es ist die zehnte Auslandsreise von Benedikt XVI. Der Papst wird am Freitag, 12. September, in Paris eintreffen. Nach einer Begrüßung durch die Repräsentanten des Staates wird er laut dem vorläufigen Programm Vertretern des kulturellen Lebens begegnen. Anschließend werde er eine Vesper in der Kathedrale Notre-Dame feiern. Auf dem Vorplatz der Kathedrale ist auch eine Begegnung mit Jugendlichen vorgesehen. Ein Zusammentreffen mit Vertretern des Islam und des Judentums ist als weiterer Programmpunkt angedacht.
Nach der Messfeier auf der Place des Invalides am 13. September reist Benedikt XVI. nach Lourdes weiter. Dort wird er sich nach der Prozession am Abend an die Pilger wenden.
Die Messfeier in Lourdes ist für Sonntag, 14. September, vorgesehen. Nach dem Gottesdienst trifft der Papst die Mitglieder der Französischen Bischofskonferenz. Am Montagmorgen will er Papst einen Teil des Jubiläumsweges in dem Marienwallfahrtsort zurücklegen und Pilgern die Krankensalbung erteilen. Der Rückflug nach Rom ist für Montagnachmittag vorgesehen.
Lourdes feiert in diesem Jahr den 150. Jahrestag der Marienerscheinungen, die 1858 der damals 14-jährigen Bernadette Soubirous zuteil wurden. Die erste von mehreren Visionen ereignete sich am 11. Februar 1858. Inzwischen pilgern jährlich rund sechs Millionen Menschen zu der Grotte von Massabielle.
Besuch im Land der "laicite"
Der Besuch Benedikts XVI. in Frankreich ist zugleich ein Besuch in einem Land einer mitunter aggressiv betonten "laicite", d.h. einer betont streng durchgehaltenen Trennung von Staat und Kirche. Religion genießt hier kaum öffentliche Geltung und gilt weithin als Privatsache. Jüngsten Schätzungen bzw. Angaben der Religionsgemeinschaften zufolge sind dennoch zwischen drei Viertel ("Fischer Weltalmanach 2008") und zwei Drittel der rund 60 Millionen Franzosen katholisch, eine Minderheit von ca. drei Prozent ist protestantisch, Muslime sind 7,5 Prozent, Juden ein Prozent.
Die Privatisierung der Religion hat im Vaterland der Aufklärung eine lange Tradition: So wurde vor mehr als einem Jahrhundert - im Advent 1905 - das so genannte "Loi Combes" verabschiedet, das die Trennung von Religion und Staat etablierte. Das Gesetz galt zwar vor allem der katholischen Kirche (und führte zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl), doch wurden aus Gründen der Neutralität in diese Regelung die anderen Konfessionen einbezogen. Seither gibt es keine staatliche Finanzierung der Kirche oder anderer Religionsgemeinschaften, alle sakralen Gebäude, insbesondere die Kirchen, gehören dem Staat und werden von ihm unterhalten, und an staatlichen Schulen darf kein Religionsunterricht erteilt werden.






