Paris, 12.9.08 (KAP) Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Frankreich wird nach Ansicht des Pariser Historikers Denis Pelletier erneut Debatten über die Rolle der Religion auslösen. Einerseits sei die französische Gesellschaft stark vom Katholizismus geprägt, andererseits sei die Trennung von Staat und Religion in Frankreich besonders strikt. Deswegen stoße jeder Papstbesuch zugleich auf Interesse und Kritik, sagte Pelletier in einem Journalistengespräch.
Der Papst besucht Frankreich von Freitag bis Montag. Wenn Benedikt XVI. im Pariser "College des Bernardins" - an sich schon ein superbes gotisches Ambiente, das mit der Papstrede wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben wird - vor 700 geladenen Gästen aus Kultur, Wissenschaft und Politik über Glaube und Vernunft spricht, kann er nach Pelletiers Einschätzung mit aufmerksamen Zuhörern rechnen. Die französischen Intellektuellen hätten großes Interesse an diesen Themen. Die Debatte des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger mit dem Philosophen Jürgen Habermas vor einigen Jahren sei in Frankreich genau verfolgt worden, "weil die Frage des Verhältnisses von Kultur, Religion und Politik die französische Geisteswelt intensiv beschäftigt", so Pelletier.
Die Tageszeitung "Le Monde" habe den Besuch des Papstes als "Lichtblick" für die französischen Katholiken bezeichnet. Pelletier erläuterte dazu, dass einige katholische, aber auch protestantische Vordenker in Frankreich seit rund 15 Jahren das Christentum an den Rand gedrängt sähen. Dies hänge mit dem Bekenntnis zur multireligiösen Gesellschaft und der gestiegenen Beachtung für die jüdische und muslimische Kultur in Frankreich zusammen. Manche Christen fänden die Bedeutung ihrer Religion in der Geschichte und Kultur Frankreichs unterschätzt.
Während Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. besonders beim Weltjugendtag 1997 in Paris unerwartet viele Menschen anzog, rechnet Pelletier damit, dass der Besuch des jetzigen Papstes eher eine intellektuelle Auseinandersetzung als eine Massenbegeisterung auslösen wird.
Das eigentliche Ziel ist Lourdes
Nach Paris ist Lourdes der zweite Schwerpunkt des Papstbesuchs. Das 150-Jahr-Gedenken der Marienerscheinungen in Lourdes ist ja auch der eigentliche Anlass des Papstbesuchs. Am Samstagvormittag feiert der Papst auf dem Vorplatz des Invalidendoms die Heilige Messe, am Nachmittag fliegt er nach Lourdes.
Außerhalb von Lourdes, am Fluss Gave in der Nähe der Grotte von Massabielle, war am 11. Februar 1858 dem damals 14-jährigen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous (1844-1879) beim Holzsammeln erstmals die Gottesmutter erschienen. Die 18. und letzte Erscheinung erfolgte am 18. Juli 1858.
Wie Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ sagt, will der Papst am Samstag die ersten drei Etappen des neuen Jubiläums-Pilgerwegs in Lourdes absolvieren, teils zu Fuß und teils mit dem Papamobil. Der Weg - der dem Leben der heilig gesprochenen Bernadette Soubirous gewidmet ist - besteht insgesamt aus vier Stationen: das Taufbecken in der Pfarrkirche, der "Cachot" (das ehemalige Stadtgefängnis, wo Bernadette mit ihrer Familie in großer Armut lebte), die Grotte von Massabielle und am Ende das "Oratoire de l'Hopital", in dem Bernadette die Erstkommunion empfing.
Wenn der Papst die Etappen dieses Pilgerwegs zurücklegt, sind keine Reden vorgesehen. "Er spricht aber die Gebete, die auch die Pilger an diesen Stationen sprechen", sagt P. Lombardi. Bei der Lichterprozession am Samstagabend hält Benedikt XVI. seine erste Ansprache in Lourdes.
Die große Sonntagsmesse in Lourdes steht liturgisch im Zeichen des Festes Kreuzerhöhung, das am 14. September gefeiert wird. "Das ist die Messe, die für Frankreich und die Welt intendiert ist. Die Fürbitten sind also in ganz unterschiedlichen Sprachen. Hunderte Bischöfe werden bei der Messe konzelebrieren", so P. Lombardi.
Am Nachmittag treffen die französischen Bischöfe mit dem Papst zusammen. In seiner Rede wird Benedikt XVI. wohl auf die Probleme der Kirche in Frankreich zu sprechen kommen: P. Lombardi nennt Pastoralkrise, Berufungskrise, aber auch den "missionarischen Neuaufbruch in der säkularen Gesellschaft".
Der Sonntag endet für den Papst mit dem Abschluss der eucharistischen Prozession, an der zahlreiche Kranke teilnehmen werden. Auch hier ist eine Ansprache vorgesehen.
Am Montagvormittag feiert der Papst auf dem Vorplatz der Basilika Notre-Dame-du-Rosaire die Heilige Messe für die Kranken. Im Lauf dieser Messe wird der Papst, gleich nach der Predigt,zehn Leidenden die Krankensalbung erteilen. Um 12.30 Uhr ist der Abflug vom Flughafen Tarbes-Lourdes vorgesehen.






