21.9.06 (KAP) Der Wiener Genetiker Markus Hengstschläger begibt sich in seinem neuen Buch "Die Macht der Gene" u.a. auf die Spur des so genannten "Gottes-Gens" und der DNA von Jesus Christus. Hengstschläger ist Professor an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde und seit 2004 Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben. Er verweist in seinem Buch u.a. auf die Zwillingsstudie des britischen Genetikers Tim Spector. Deren Ergebnis: Die Gottgläubigkeit sei kein reines Resultat aus Umwelt und Erziehung, sondern zu wenigstens 50 Prozent genetisch bedingt. "Ob man das nun leiden kann oder nicht, aber diese Zwillingsstudie wurde vollkommen korrekt durchgeführt", schreibt Hengstschläger dazu. Weiters berichtet er, dass der amerikanische Genetiker Dean Hammer das für Religiosität verantwortliche Gen bereits ausfindig gemacht haben will. Es heißt VMAT2 und reguliert die Aktivität von Nervenbotenstoffen im Gehirn, die Verhalten, Emotionen, sexuelle Begierde und vieles mehr steuern. Bestimmte Varianten dieses Gens dürften religiöse Menschen statistisch signifikant häufiger tragen als areligiöse, heißt es unter Hinweis auf die Forschungsergebnisse. Hengstschläger schränkt die Bedeutung dieser Entdeckung aber gleich wieder ein: "Solche Untersuchungen eröffnen vielleicht mehr Fragen als sie klären. Wenn Gene für Religiosität eine Rolle spielen, und das ist durch die erwähnte Zwillingsstudien irgendwie tatsächlich sehr wahrscheinlich, wie hoch ist dann der Anteil der Genetik gegenüber der auch unbestrittenen Bedeutung der Umwelt und Erziehung? (...) VMAT2 kann hier ja wirklich nur ein sehr kleiner Baustein eines riesigen Gebäudes sein, das vielleicht einfach grundsätzlich die Empfänglichkeit gegenüber Übernatürlichem durch eine bestimmte Regulation von Gehirnbotenstoffen beeinflusst." "Pietätloser Schwachsinn" Hengstschläger denkt diese Ergebnisse weiter und vermutet, "Christus müsste wohl ein Träger dieses Religiositätsgens gewesen sein". Das ließe sich möglicherweise sogar relativ leicht herausfinden, und zwar mit Hilfe des Turiner Grabtuches. Sollte tatsächlich Jesu Leichnam darin eingewickelt gewesen sein, fänden sich im Gewebe sein Blut, sein Schweiß und seine Hautzellen - genug für Genetiker, um die DNA zumindest teilweise zu rekonstruieren. Der Genetiker deutet selbst an, welche Spekulationen, Analysen und zweifelhaften Schlussfolgerungen ein solches Vorgehen nach ziehen würde, etwa diese: "Mit welchem heute noch lebenden Volk war Jesus näher verwandt? Stellen sie sich einmal kurz vor, wie das den Marktwert von Samen- oder Eizellenspenden weltweit beeinflussen würde: Verwandtschaft mit Jesus in Prozent." Weiter würde man sicher zu erforschen versuchen, zu welchen Erkrankungen oder zu welchen Eigenschaften Jesus genetisch geneigt hätte. Ein weitere Reliquie wäre bei Genetikern ebenfalls sehr begehrt: die in der römischen Basilika Santa Croce aufbewahrte Kreuzreliquie. Vieles spreche dafür, dass diese tatsächlich vom Kreuz Christi stammt, so Hengstschläger. Reste von Haut- oder Blutzellen Jesu müssten sich also finden lassen. "Was also, wenn genetische Übereinstimmung zwischen Grabtuchproben und Proben dieses Holzstückes eindeutig wissenschaftlich bewiesen werden könnten. Hier würde dann doch niemand mehr an einen Zufall glauben", schreibt der Genetiker im Blick auf die Tatsache, dass nach den neuesten Erkenntnissen das Turiner Grabtuch tatsächlich aus der Zeit Jesu stammen dürfte, aber kein eindeutiger Beweis vorliegt, dass darin Jesu Leichnam eingewickelt war. Hengstschläger macht auf ein weiteres Feld der Spekulationen aufmerksam, das der US-Autor Dan Brown mit seinem Bestseller "Sakrileg" angeheizt hat: die Behauptungen, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und habe mit ihr Nachkommen gezeugt, aus denen wiederum das Königsgeschlecht der Merowinger hervorgegangen sei, das von 450 bis 751 in Frankreich regierte und (heimlich) bis heute fortbesteht. Sterbliche Überreste von Merowingern kenne man, so Hengstschläger. Die Neugier, ob es eine genetische Verwandtschaft mit den Spuren auf dem Turiner Grabtuch gibt, wäre groß. Würde sich eine solchen herausstellen, würden wohl die wenigsten an einen bloßen Zufall glauben, so der Genetiker. Ob solche Analysen aus kirchlicher Sicht wünschenswert und sinnvoll seien, wollte Hengstschläger selbst nicht eindeutig beantworten. Zum einen meinte er gegenüber dem "Standard": "Ich weiß auch nicht, warum die Kirche eine so große Angst vor dieser Möglichkeit hat." Und im Buch stellt er die Frage: "Wäre es ein Sakrileg, dies anzudenken oder gar durchzuführen? Oder ist es ein Sakrileg, es nicht zu tun?" An anderer Stelle meinte der Genetiker, auf seinen persönlichen Glauben hätten die Ergebnisse solcher Analysen keinen Einfluss. Manche Spekulationen und genetische Neugierden bewertet Hengstschläger mit klaren Worten: "Pietätloser Schwachsinn". Und liefert damit selbst eine der Begründungen für die Einschätzung, dass die Kirche für solche Forschungen "das nötige Material wohl nie freigeben wird".
Wiener Genetiker Hengstschläger schildert in seinem neuen Buch "Die Macht der Gene" neue Forschungen über genetische Ursachen von Religiosität - Sie heizen den Wunsch nach einer Analyse der Spuren von Erbgut auf dem Turiner Grabtuch und auf Kreuzreliquien an
Das "Gottes-Gen" und die Sehnsucht nach dem Erbgut Jesu






