Benedikt XVI. feierte vor Besuch des Grabtuchs im Turiner Dom auf der Piazza San Carlo Messe mit 30.000 Gläubigen
Turin (KAP) Papst Benedikt XVI. hat am Sonntagvormittag in Turin die Solidarität der Kirche mit Arbeitslosen, Menschen in prekären Arbeitssituationen, Migranten, einsamen alten Menschen und Familien betont. Mehr als 30.000 Gläubigen nehmen trotz regnerischen Wetters an der Papstmesse auf der zentralen Piazza San Carlo teil. Anlass des Turin-Besuchs Benedikts XVI. war die Ausstellung des Grabtuchs (Sacra Sindone) im Turiner Dom am Sonntagnachmittag.
Benedikt XVI. ging in seiner Ansprache indirekt auf die aktuellen wirtschaftlichen Probleme in der Industriemetropole Turin ein, wo der Fiat-Konzern seinen Sitz hat. Der Papst erinnerte an die konkrete Not vieler Menschen durch Armut, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Der Glaube gebe jedoch auch in solchen schwierigen Situationen die Gewissheit, das Gott den Menschen nicht allein lasse.
Auf dem Flughafen der norditalienischen Stadt war der Papst vom Turiner Erzbischof, Kardinal Severino Poletto, empfangen worden. Auf dem rund einstündigen Flug von Rom-Ciampino zum Flughafen Turin-Caselle wurde Benedikt XVI. von Gianni Letta, dem Staatssekretär im Büro von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, begleitet.
Im Turiner Grabtuch war der Tradition nach der Leichnam Jesu eingehüllt. Noch bis zum 23. Mai ist es erstmals seit zehn Jahren wieder öffentlich zu sehen.
Das 437 Zentimeter lange und 111 Zentimeter breite Leinen weist das Abbild eines gekreuzigten Mannes auf. Herkunft und Alter des Tuches sind unter Wissenschaftlern strittig.
In den ersten zwei Wochen haben rund 450.000 Menschen das Grabtuch gesehen. Bis zum Ende der seit 11. April laufenden Präsentation rechnet die Erzdiözese Turin mit insgesamt mehr als zwei Millionen Besuchern.
Benedikt XVI. bezeichnete das Turiner Grabtuch in seiner Predigt auf der Piazza San Carlo als "Zeichen der Hoffnung". Das Tuch erinnere auf eindrückliche Weise daran, dass Christus das Leid der Menschen geteilt habe. Wer das Grabtuch betrachte, erkenne in den Schmerzen Christi das eigene Leid wider. Das heilige Leinen enthalte die Botschaft, dass Christus durch seinen Tod am Kreuz das Elend der Welt überwunden habe.
In seiner Predigt rief der Papst Priester und Diakone auf, in ihren Gemeinden eine wirkliche Gemeinschaft zu schaffen und brüderlich miteinander umzugehen. Der Dienst für die Kirche könne oft anstrengend sein. Zahlreiche Verpflichtungen, Anfragen und Probleme seien zu bewältigen. Um diese Herauforderungen zu meistern, bedürfe es des täglichen Gebets und einer lebendige Gemeinschaft in den Gemeinden und unter den Klerikern.
Benedikt XVI. forderte die Gläubigen auf, in den Familien und im politischen und kulturellen Leben für christliche Werte einzutreten - auch wenn dies "oft schwierig" sei. Insbesondere die Politiker müssten für das Gemeinwohl zusammenarbeiten.






