Es geht um das Leben
"Wir können nur beten, wie wir leben, und wir können nur leben, wie wir beten." Wenn ein Mensch betet, geht es um die ganze Wirklichkeit seines Lebens. Hier hat alles Platz: Freude, Begeisterung, Verliebt-Sein, die Suche nach der richtigen Entscheidung, Fragen, Sorgen, Probleme, Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Trauer, Neubeginn, Bitten, Danken, einfach Dasein, Schreien, sogar Fluchen und Schweigen. Im Gebet kann der Mensch ganz er selbst sein. Er braucht, ja er kann niemandem etwas vormachen, nicht einmal sich selbst. Und Gott hat Zeit, er ist geduldig. Nichts ist zu groß oder zu klein für ihn. Alles können wir zu ihm bringen.
"Wahres Beten ist keine Spielerei.
Gebet ist ein Ringen.
Im Gebet wird der Mensch geübt,
die Probleme seines Lebens offen
anzuschauen und sie anzunehmen.
Denn der Mensch hat oft Angst,
sich selbst gegenüberzutreten.
Wahres Gebet ist Ehrlichkeit
gegenüber dem Anruf des Lebens."
(Carlo Martini)
Miteinander reden
Im Leben ist es normal, miteinander zu reden. Es ist kaum zu ertragen, wenn Menschen, die miteinander leben, sich nichts zu sagen haben. Andererseits müssen Menschen, die sich gern haben, nicht dauernd miteinander sprechen. Liebende können einander auch ohne Worte "verstehen". Es genügt manchmal, wenn sie sich einander nahe wissen. Doch ein Gespräch, ein Verstehen ist nicht immer einfach. Es gibt die Erfahrung von Missverständnissen, (scheinbarer) Gleichgültigkeit, Oberflächlichkeit oder dass jemand eigentlich nur an sich selbst interessiert ist. Solche Störungen in der Kommunikation können sich auch - zeitweise - im Gebet ereignen. Selbst "große Beter" kennen Leere, Zweifel, sogar Verzweiflung. Es wäre wichtig, dies zugeben zu können und mit einem erfahrenen geistlichen Gesprächspartner darüber zu sprechen.
Gebet ist Beziehung
Wichtiger als Worte ist das Interesse aneinander, die Aufmerksamkeit und Offenheit füreinander. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Worte sind nicht das Entscheidende. Manche sagen: "Ich kann nicht beten; ich weiß nicht, was ich sagen soll." Aber man kann mit Gott im Gebet verbunden sein, auch wenn man keine Worte findet, sogar wenn man "einfach da ist" vor Gott. Auch das ist Gebet.
Meditation
Meditation hilft, eine - letztlich befreiende - Wahrheit tiefer zu erkennen. In einer Haltung innerer Ruhe lässt man Worte, Bilder, Musik, Farben, Gegenstände usw. auf sich wirken, um in eine Art inneres Schweigen und einen offenen "Dialog" einzutreten. Eindrücke, die einen dabei berühren, sind für eine positive und realistische (Selbst-)Erkenntnis hilfreich. Eine christliche Meditation konzentriert sich dabei auf Gott. Ihm wird Raum gegeben, damit er sich im Inneren eines Menschen ausdrücken kann.






