Eine Erfahrung
"Die Bibel war für mich kein unbekanntes Buch. Ab und zu las ich darin, manchmal versuchte ich sogar, blind irgendeine Seite aufzuschlagen und auf eine Stelle zu zeigen, um ein besonderes Wort, eine für mich geschriebene Botschaft Gottes zu finden. Das war eine Art Spiel und ziemlich umsonst. Eines Tages fand ich jedoch mein Wort. Ich war unglücklich verliebt und hatte gerade erfahren, dass sie sich mit einem guten Freund von mir verlobt hatte. Am selben Tag erhielt ich die Nachricht, dass ich doch nicht jene Arbeitsstelle bekommen würde, die ich so erstrebt hatte. Ich saß also tief traurig auf dem Rücksitz eines Autos, das mich an meinen Studienort zurückbringen sollte. Da schlug ich die Bibel auf und fand jenes Wort, das mich in einem Augenblick die Welt wieder zuversichtlich sehen ließ: 'Von Ewigkeit zu Ewigkeit blickt er hernieder. Gibt es eine Grenze für seine Hilfe? Nichts ist klein und gering bei ihm, nichts ist für ihn zu unbegreiflich und zu schwer. Man sage nicht: Wozu dies, wozu das? Denn alles ist für seinen besonderen Zweck bestimmt. Man sage nicht: Dies ist schlechter als das. Denn alles ist zu seiner Zeit von Wert. (Sir 39,20-21)'"
Worte des Lebens
Es ist eine besondere Erfahrung, wenn ein Mensch ein solches Wort "für sich" entdeckt, das sein Leben betrifft und ihn - allmählich - zu einem "neuen Menschen" macht. Tatsächlich können die Worte der Bibel so konkret die Existenz des Menschen berühren, dass sie zutiefst das weitere Leben verändern. Die Folgen einer solchen existenziellen Begegnung mit der Botschaft der Heiligen Schrift sind nicht absehbar. Denn es geht um das ganze Leben und um das, was plötzlich eine unbeschreibliche Zuversicht schenkt. Und man weiß: Das passt! Das hat Sinn! Darum geht es! Es gibt keine Garantie, dass jemand eine solche überwältigende Erfahrung macht. Zumeist wirkt das Wort Gottes eher bescheiden und unauffällig. Manchmal braucht es eine lange Zeit der Vorbereitung, bis man Wesentliches und persönlich Berührendes entdeckt. Deshalb kann auch eine sehr vertraute Bibelstelle mit einem Mal "neu" sein und etwas mitteilen, das bisher übersehen wurde. Die Frohe Botschaft der Heiligen Schrift, die Erzählungen von Befreiung und dem Mitsein Gottes können aber jederzeit als starke Ermutigung für das eigene Leben Gestalt gewinnen.
... auch in dunklen Zeiten
Die Bibel stellt sich auch den dunklen Seiten des Lebens und der Geschichte: Leid, Schuld, Tod, Verzweiflung, Trauer, Böses usw... Sie berichtet sehr realistisch und zeigt - dennoch - wie Gott in solchen Situationen bei den Menschen ist. Die persönliche Schuld einzelner wird weder verharmlost noch dramatisiert. Das Dunkle, das Negative ist oft Teil der eigenen Persönlichkeit. Aber die Heilige Schrift zeigt einen Weg, auf dem es Schritt für Schritt gelingen kann, das Böse mit all dem Guten in jedem selbst und von seiten der Mitmenschen zu überwinden. Dann gelingt Versöhnung - mit den Menschen und mit Gott.
"Buch der Bücher"
Die Bibel ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Sie ist eigentlich eine kleine Bibliothek, eine Sammlung von 73 Büchern in zwei großen Teilen (Altes bzw. Erstes und Neues bzw. Zweites Testament). Entstanden sind diese Schriften im Zeitraum von etwa 1000 vor bis 100 nach Christus. Die meisten Schriften werden von allen christlichen Konfessionen als Wort Gottes anerkannt. Einige zählen auch zu den Heiligen Schriften des jüdischen Glaubens und manches wird sogar im Islam geschätzt. Heute gibt es die Bibelübersetzungen in über 300, Teile von ihr in über 2000 Sprachen.






