Wien-Port-au-Prince (KAP) Die ersten Helfer im vom Erdbeben zerstörten Haiti berichten von einem unfassbaren Ausmaß der Katastrophe. "Die Situation ist unhaltbar. Die Toten liegen auf der Straße und ein Verwesungsgeruch hängt über der Stadt. Es gibt kein Trinkwasser und keine Lebensmittel in Port-au-Prince, die Menschen müssen auf der Straße schlafen und stehen unter Schock", gab Christoph Petrik-Schweifer, Caritas-Auslandshilfechef und Vorstandsvorsitzender von "Nachbar in Not", am Sonntag in einer Aussendung Augenzeugenberichte aus Haiti weiter. Die Helfer arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen, so Petrik-Schweifer, der betonte, dass trotz extremer logistischer Probleme und chaotischer Zustände die Hilfe in Haiti ankomme. "Jedes Lebensmittelpaket, das wir unter die Menschen bringen, rettet Leben", so der Caritas-Auslandshilfechef. Aus drei bereits vor dem Erdbeben bestehenden Katastrophenvorsorge-Lagern konnte die Caritas in Port-au-Prince schon kurz nach der Naturkatastrophe Decken, Zelte, Werkzeuge, Wasser und Lebensmittel an die Opfer verteilen. Weitere Lebensmittelpakete für 50.000 Menschen sind nach Angaben der Hilfsorganisation aus der benachbarten Dominikanischen Republik auf dem Weg nach Haiti. In Kürze werden 1.300 Tonnen Weizen sowie Wassercontainer und Chlortabletten für 2.000 Familien erwartet. Die Caritas hat bereits 25 Verteilstellen für Nahrungsmittel in Port-au-Prince und zwei in der Stadt Jacmel definiert. Am Montag fliegen die deutsche und die Schweizer Caritas weitere Hilfsgüter nach Haiti. An Bord der Maschine befinden sich neben Decken, Großraumzelten und Plastikplanen für großflächige Abdeckungen, 20.000 Wasserkanister und vier Millionen Chlortabletten zur Reinigung von 40 Millionen Litern Wasser. Das Flugzeug bringt auch acht sogenannte "Health Kits", die nach Caritas-Angaben eine medizinische Grundversorgung für 80.000 Menschen über drei Monate gewährleisten werden. Ebenfalls ab Montag sollen die drei österreichischen Katastrophenhelfer Sabine Wartha, Thomas Preindl und Ruth Schöffl das internationale Caritas-Team vor Ort verstärken. Sie sind bereits auf dem Weg nach Haiti. Salesianer berichten von Plünderungen Die Hilfsmaßnahmen seien noch bei weitem nicht ausreichend, berichtet der Salesianerpater Pierre Lephene aus Port-au-Prince. "Die Menschen irren durch die Straßen und suchen ständig nach Wasser und Lebensmitteln", so P. Lephene in einer Nachricht an das salesianische Hilfswerk "Jugend Eine Welt" Der Ordensmann bestätigt darin erneut die völlige Zerstörung aller Straßenkinderzentren und Schulen der Salesianer in Haiti. Nach neuesten Angaben dürften bis zu 500 Kinder und Jugendliche unter den Trümmern der Einrichtungen ums Leben gekommen sein. Zwei Straßenkinderzentren, eine große Berufsschule und zahlreiche Kleinstschulen hatten in Port-au-Prince tausenden Straßenkindern und Jugendlichen in den Slums neue Chancen gegeben. "Wir wissen nicht, wie wir hier weiter machen sollen. Wir müssen komplett von vorne anfangen, denn es ist wirklich alles kaputt", so der Salesianer. Gemeinsam mit den überlebenden Kindern und Jugendlichen der Einrichtungen halten sich die Salesianer nun in den Straßen und Ruinen ihrer Einrichtungen ohne Wasser und Strom auf. "In Sicherheit sind wir hier noch lange nicht. Das wenige, was wir in den Trümmern unserer Einrichtungen noch haben, versucht man uns wegzunehmen", berichtet P. Lephene von Plünderungen. Erste Hilfslieferungen des weltweiten Netzwerks der Salesianer mit Medikamenten, Wasser, Lebensmitteln und Benzin sind unterdessen in der Dominikanische Republik gestartet. Das Hilfswerk "Jugend eine Welt" betont aber auch, dass man sich in Haiti nicht nur auf die Nothilfe konzentrieren dürfe. "Wir müssen uns auch um den Wiederaufbau kümmern, damit die Menschen in dem Land eine wirkliche Zukunft haben", erklärt Geschäfstführer Reinhard Heiserer. "Jeder Euro wird gebraucht" Auch die Leiterin des Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti, Astrid Nissen, bezeichnete die dringend benötigte Nothilfe zuletzt als "ersten Schritt". Ebenso wichtig sei die Wiederaufbauphase als zweiter Schritt, so Nissen in einer Pressemitteilung. Noch gehe es aber darum, jene Hilfsgüter, die ins Land kommen, schnellstmöglich und professionell zu verteilen, betonte die Diakonie-Katastrophenhelferin. "Es gibt weder genügend Medikamente noch ausreichend Ärzte. Läden und Supermärkte, die nicht zerstört wurden, bleiben aus Angst vor Plünderungen geschlossen." Diakonie-Direktor Michael Chalupka rief wie die anderen Hilfsorganisationen angesichts der dramatischen Situation zu weiterer Hilfe auf. Man sei dankbar für die "riesige Welle" der Hilfsbereitschaft der Österreicher in den ersten Stunden nach dem Erdbeben. "Wir sind aber dringend auf weitere Hilfe angewiesen. Jeder Euro wird gebraucht", appellierte Chalupka. Spendenkonten für die Erdbebenhilfe Caritas: PSK 7,700.004 (Bankleitzahl 60.000), Kennwort: "Erdbeben Haiti". Online spenden: www.caritas.at Spenden per sms: 0664-660 3333 (einfach Spendenbetrag eingeben und abschicken, wird von der Telefonrechnung abgebucht). "Missio" - Päpstliche Missionswerke: PSK 7,015.500 (Bankleitzahl 60.000), Kennwort "Haiti"; Online-Spenden sind auf www.missio.at möglich. "Jugend Eine Welt": PSK 92,083.767 (Bankleitzahl 60.000), Kennwort: "Erdbeben Haiti". "Nachbar in Not": PSK 90.150.300 (Bankleitzahl 60.000), Kennwort "Erdbeben Haiti" Diakonie Katastrophenhilfe: PSK 23.13.300 (Bankleitzahl 60.000), Kennwort: "Erdbeben Haiti"






