Wien-Port-au-Prince (KAP) Die Caritas versorgt in Haiti 200.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln. Tausende erhalten medizinische Hilfe in den mobilen Zelt-Kliniken. Vieles davon ist laut Caritas-Präsident Franz Küberl nur durch die Hilfe der österreichischen Bevölkerung möglich, mehr als 7,5 Millionen Euro wurden der Caritas bisher insgesamt für die Erdbebenhilfe gespendet. Küberl nannte dies am Freitag in einer Presseaussendung "ein enormes Zeichen der gemeinsamen Menschlichkeit, das den Menschen im Bebengebiet zeigt, dass sie nicht auf sich allein gestellt sind".
"Derzeit arbeiten unsere Leute vor allem daran, 200.000 Menschen mit Zelten und Notunterkünften zu versorgen, denn es gab bereits einen heftigen Regen. Und die Regenzeit steht vor der Tür", erläuterte Küberl die anstehenden Herausforderungen. Damit auch für die Kinder ein wenig Alltag und Normalität einkehrt, sei es wichtig, dass sie bald wieder in die Schule gehen können.
Gemeinsam mit den Salesianern arbeitet die Caritas daran, in Cite de Soleil, einem Slum der Hauptstadt Port-au-Prince, 150 provisorische "Nachbarschaftsschulen" für insgesamt 6.000 Schulkinder zu errichten.
Längerfristig würden auch feste Häuser und Waisenhäuser neu entstehen, kündigte Küberl an: "Unsere Hilfe in Haiti braucht einen langen Atem. Wir werden mehrere Jahre für die Opfer des Erdbebens tätig sein."
Die Caritas Österreich hilft im Erdbebengebiet in Haiti gemeinsam mit sieben anderen Hilfsorganisationen unter dem Dach von Nachbar in Not. (Spenden: Caritas Österreich PSK-Kto. 7.700.004, BLZ 60000)
"Nachbar in Not": 12 Millionen Euro Spenden
Auf die "überwältigende Hilfsbereitschaft" der Österreicher hat am Freitag auch das Hilfsnetzwerk "Nachbar in Not" hingewiesen. Vier Wochen nach dem Start der gemeinsam von Caritas, Rotem Kreuz, Hilfswerk, Volkshilfe, Diakonie, Malteser Hospitaldienst, Arbeiter-Samariter-Bund und Care getragenen Hilfsaktion konnten bereits 12 Millionen Euro an Spenden gesammelt werden.
Der Caritas-Auslandshilfe-Chef und Vorstandstandsvorsitzende von "Nachbar in Not", Christoph Petrik-Schweifer, sprach in einer Aussendung von einem "enormen rot-weiß-roten Signal der Hoffnung". Die größte Herausforderung für die Hilfsorganisationen sei nun die bevorstehende Regenzeit: "Hunderttausende Menschen brauchen jetzt dringend ein Dach über dem Kopf. Auch hier unterstützt 'Nachbar in Not' die Erdbebenopfer in Haiti", so Petrik-Schweifer.
Für die Caritas-Hilfseinsätze in Haiti wurden aus dem "Nachbar in Not"-Topf rund 688.000 Euro aufgewendet. Neben der Soforthilfe flossen die Mittel u.a. auch in 150 provisorische "Nachbarschaftsschulen" und in die medizinische Versorgung. Die Einsätze des Roten Kreuzes wurden mit insgesamt 675.000 Euro unterstützt. Dabei konzentriert sich das Rote Kreuz insbesondere auf die Sicherung der Sanitär- und Hygienestandards, die Trinkwasserversorgung, sowie die Verteilung von Erste Hilfe-Paketen, Krankentragen und diversen medizinischen Gütern.
Die Einsätze der Diakonie Katastrophenhilfe wurden mit rund 300.000 Euro unterstützt. In die Hilfseinsätze von CARE flossen rund 200.000 Euro, das Hilfswerk Austria International wurde bislang mit 250.000 Euro unterstützt, die Volkshilfe konnte Hilfsleistungen im Wert von 240.000 Euro umsetzen, der Malteser Hospitaldienst im Wert von 150.000 Euro und der Arbeiter-Samariter-Bund rund 86.000 Euro.
Nur vier Wochen nach dem Beben sind damit rund ein Viertel aller "Nachbar in Not"-Spenden für Haiti - mehr als 2,7 Millionen Euro - für Soforthilfemaßnahmen umgesetzt.
Diakonie: "Es ist wie in einem schrecklichen Alptraum"
Auch die Diakonie beteiligt sich weiterhin mit Lieferungen an der Soforthilfe. Bisher konnte die Diakonie u.a. medizinische Nothilfepakete zur Basisversorgung von rund 40.000 Menschen sowie Decken, Plastikplanen und Nahrungsmittel sowie Trinkwasser und Tabletten zur Wasserreinigung im Wert von insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Hinzu kommen rund 10 Tonnen Werkzeuge, die die Diakonie in das Katastrophengebiet rund um Jacmel lieferte.
Die Verteilung der Güter erfolgt mit Hilfe der Betroffenen selbst, die sich mittlerweile laut Diakonie in lokalen Basisgruppen mit jeweils rund 30 Familien bzw. insgesamt rund 150 Personen organisiert haben. So könne gewährleistet werden, dass die Hilfsgüterverteilung weitgehend konfliktfrei verlaufe, so die Diakonie.
In einem nächsten Schritt sollen nun in der Region 300 beschädigte Häuser und zwei Schulen wieder aufgebaut werden. Außerdem plant die Diakonie Katastrophenhilfe Toiletten und Duschen für Erdbebenopfer zu errichten.
Diakonie-Mitarbeiter Rainer Lang berichtete nach einem 14-tägigen Einsatz in Haiti: "Es ist wie in einem schrecklichen Alptraum. Noch immer liegen Leichen halb verschüttet unter den Trümmern, sie konnten bis jetzt nicht geborgen werden. Die Spitäler sind überfüllt von Menschen, deren Verletzungen - wenn überhaupt - nur notdürftig behandelt werden können, weil es weder Platz noch Medikamente für alle gibt."






