Freiburg-Port au Prince, 12.02.2010 (KAP) Der Wiederaufbau in Haiti wird nach Einschätzung der deutschen Caritas mindestens fünf Jahre dauern. Das volle Ausmaß der Zerstörung durch das Erbeben vom 12. Jänner werde erst langsam deutlich, sagte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, am Freitag in Freiburg vor dem Hintergrund der Pläne für einen EU-Militäreinsatz zur Schaffung von Notquartieren.
Auf engstem Raum seien in Haiti beinahe so viele Menschen ums Leben gekommen wie beim Tsunami 2004. Die internationalen Helfer stünden nun vor einer Herkulesaufgabe.
Bislang sind bei der deutschen Caritas in Deutschland zwölf Millionen Euro Spenden für Haiti eingegangen. Die Mittel werden für akute Nothilfe wie Nahrungsmittelversorgung und medizinische Betreuung sowie für den langfristigen Wiederaufbau, etwa von Schulen und Behinderteneinrichtungen, eingesetzt.
Derzeit engagiere sich die Caritas in Kooperation mit örtlichen Organisationen vor allem beim Bau von Notunterkünften und versorge rund 200.000 obdachlos gewordene Menschen mit Lebensmitteln, so Neher.
Die EU plant einen Militäreinsatz in Haiti, um Notunterkünfte für die Bevölkerung zu errichten. Wie viele Soldaten entsandt werden sollen, ist noch nicht bekannt.
Jetzt beginnt die Regenzeit
Über die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince war am Donnerstag der erste Tropenregen seit dem schweren Erdbeben niedergegangen. Tausende Menschen mussten aus ihren Zelten fliehen. Weitere Schauer sind zu erwarten, denn in der Region beginnt die Regenzeit.
Die haitianische Regierung hatte den Freitag zum nationalen Trauertag erklärt. In Port-au-Prince wurde eine Gedenkfeier abgehalten. Unterdessen warten noch immer zahlreiche Menschen auf Hilfe.
Die genaue Zahl der Erdbebenopfer ist noch unklar. Laut Präsident Rene Preval wurden mindestens 212.000 Menschen getötet. Eine Million Haitianer sind obdachlos und müssen in behelfsmäßigen Zelten leben, rund 250.000 Häuser wurden zerstört, vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince.
Um Hilfstransporten ein Vorankommen zu ermöglichen, versuchen Tausende Menschen, Schutt und Trümmer von den Straßen zu räumen. Bulldozer, die diese Arbeit schneller erledigen könnten, sind auch einen Monat nach dem Beben nicht überall vorbeigekommen.
Langsam kehrt dennoch so etwas wie Normalität zurück, hieß es. Rund um die Zeltlager gibt es Läden, Friseure und behelfsmäßige Banken, und an einigen Ständen finden sich von Autobatterien gespeiste Mehrfachsteckdosen, an denen man sein Mobiltelefon aufladen kann.






