Wien, 13.04.2010 (KAP) Auf die besondere Leistung der Pfarrgemeinden bei der seelischen Bewältigung der Erdbebenkatastrophe im Jänner auf Haiti hat Caritas-Präsident Franz Küberl hingewiesen. Die seelsorgerische Unterstützung der Menschen sei ein "wesentlicher Aspekt der Katastrophenhilfe, der jedoch im Rahmen der Berichterstattung über die zweifellos wichtige materielle Erstversorgung oftmals ausgeblendet wird", so Küberl im Gespräch mit "Kathpress".
Aus der Erstversorgung bei anderen Katastrophen wisse man, dass Menschen sich "auch seelisch in einer Ausnahmesituationen" befinden und rund zwei bis drei Wochen nach dem Ereignis eine erste Reflexions- und Bewältigungsphase bei den Überlebenden einsetzt. Hier bedarf es professioneller Betreuung und Begleitung, "um den zerrissenen Lebensfaden wieder aufzunehmen und neu zu knüpfen", so Küberl.
Bewährt habe sich auch auf Haiti dazu u.a. das bestehende Netz der zahlreichen katholischen Pfarrgemeinden, so Küberl weiter. In der derzeitigen anhebenden zweiten Phase des Hilfseinsatzes werden diese zunehmend zu "Knotenpunkten der Trauerarbeit", an denen auch die Caritas mit ihrem Unterstützungsangebot anknüpft, so der Caritas-Präsident. Die Pfarren geben der in den Gesprächen aufbrechenden Trauer über den Verlust etwa von Angehörigen Raum, auch die gottesdienstlichen Riten können helfen, mit Erlebtem und Verlusten umzugehen. Küberl: "Für die Helfer ist in dieser Phase die Fähigkeit, zuzuhören, Trauer zur Sprache zu bringen und ein Gespür für die seelische Not der Menschen zu entwickeln von besonderer Bedeutung."
Neben der Caritas bieten auch die Diakonie und die Hilfsorganisation "Care" psychosoziale Dienste nach und bei Katastropheneinsätzen. Care Österreich hat etwa für sein Haiti-Engagement - ebenso wie die Caritas - einen Zeithorizont von fünf Jahren. Nach der Akuthilfe, an der sich auch Care mit der Verteilung von Wasser, Notunterkünften, Haushaltsgegenständen etc. beteiligt hat, stellt Care die psychosoziale Begleitung der Menschen am Ort in den Mittelpunkt. Ähnliches gilt für die Diakonie, die bereits seit 2005 in Haiti aktiv ist und ein eigenes Büro in Port-au-Prince mit 26 Mitarbeitern unterhält.
"Die Begleitung in der Trauerbewältigung gehört für unsere Helfer zum Alltag", so Diakonie-Direktor Michael Chalupka gegenüber "Kathpress". In der nächsten Phase der Hilfe sei es jedoch wichtig, "spezielle Programme und Schulungen anzubieten und so die Menschen dauerhaft aufzufangen".






