In diesem Jahr gibt es wieder einen gemeinsamen Ostertermin - Liturgiewissenschaftler Harnoncourt: Die unterschiedlichen Osterdaten sollen nicht als Ärgernis gesehen werden, sondern als "unterschiedliche Inkulturationen" Wien, 25.03.10 (KAP) Das Osterfest wird in diesem Jahr ausnahmsweise von West- und Ostkirchen am gleichen Datum - dem 4. April - gefeiert. Die vielfach erhoffte dauerhafte Harmonisierung des Osterdatums dürfte aber noch in weiter Ferne liegen. "Ostkirchen" und "Westkirchen" interpretieren nach wie vor die Festlegungen der frühchristlichen Konzilien unterschiedlich. Das unterschiedliche Osterdatum sollte jedoch nicht als Ärgernis angesehen werden, vielmehr gehe es hier um einen Ausdruck "unterschiedlicher Inkulturationen" des Christentums, so der Grazer Liturgiewissenschaftler em.Prof. Philipp Harnoncourt. Auch die sehr ausgewogenen und weiterhin "auf dem Tisch" befindlichen Harmonisierungsvorschläge hätten dennoch einige gravierende Schwachpunkte, sagte Harnoncourt in einem "Kathpress"-Gespräch. Weiters sei es praktisch unvermeidlich, dass eine Harmonisierung zu neuen Abspaltungen führen würde: neue "altkalendarische" Gemeinschaften würden entstehen. Im Bereich der orthodoxen Kirchen von Griechenland und Rumänien war es nach dem Übergang vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender in den 1920er Jahren zu solchen Abspaltungen gekommen, die bis heute wirksam sind. Pessach-Fest als Referenz-Datum Referenz-Datum im christlichen Festkalender ist das heuer am 29. März beginnende jüdische Pessach-Fest. Es ist das zweithöchste Fest der Juden nach dem Versöhnungstag "Yom Kippur". Pessach erinnert an den Auszug aus Ägypten, jener identitätsstiftenden Befreiung des jüdischen Volkes unter Mose vor mehr als 3.000 Jahren. Das Pessach-Datum - der 14. Tag des jüdischen Monats Nissan - wird nach dem Mondkalender ermittelt; es liegt immer nach dem ersten Frühlingsvollmond. Gemeinden, die Ostern am Pessach-Beginn feierten, hießen in der Urkirche daher "Quartodecimaner"; die Gemeinden, die den nachfolgenden Sonntag als Ostertermin wählten, wurden "Dominicales" genannt. Die Diskussion zwischen diesen beiden Richtungen zeigt dabei, dass es schon beim ersten großen Schisma der Christenheit, das als "Osterfeststreit" in die Kirchengeschichte eingegangen ist, um die Frage ging, wie groß die Nähe oder die Distanz des Christentums zum Judentum sein sollte. Papst Viktor I. wollte um 200 eine einheitliche Datierung für die gesamte Kirche durchsetzen. Er ordnete deshalb an, dass in den einzelnen Provinzen Synoden durchgeführt werden. Auf ihnen sprach sich die Mehrheit für die Praxis der "Dominicales", der Feier an einem Sonntag, aus. Entschiedener Widerstand kam indes aus dem Kerngebiet der "Quartodecimaner", die Ostern am Pessach-Beginn feierten. Für deren Gemeinden machte sich Bischof Polykrates von Ephesos zum Sprecher. Der Papst verlangte von ihnen jedoch unter Androhung des Ausschlusses aus der Kirchengemeinschaft, sich der Mehrheitsentscheidung zu beugen. In der Folge erntete Papst Viktor I. harsche Kritik - u.a. vom hoch geachteten Kirchenvater Irenäus von Lyon. Dessen Appell zur Toleranz hatte Erfolg und bewirkte, dass die "quartodecimanische" Minderheit noch das ganze 3. Jahrhundert hindurch ihrem Brauch treu bleiben durfte. Erst bei der Synode von Arles (314) wurde erneut der Termin "erster Sonntag nach Pessach-Beginn" eingeschärft. Das Konzil von Nicäa (325) schloss die "Quartodecimaner" schließlich aus der kirchlichen Gemeinschaft aus. Von da an ging ihre Zahl ständig zurück. "Ostertafel" beendete Streit Doch der Streit um den richtigen Ostertermin war noch nicht beendet. Denn wenn man sich auch auf den Sonntag geeinigt hatte, so war man sich über den "echten" Frühlingsvollmond nicht einig. Eine Eskalation des Streites brachte etwa die Frage nach der Bewertung eines "Sonntagsvollmondes" am 21. März des Jahres 387. Uneinig war man darüber, ob es sich dabei um einen Winter- oder einen Frühlingsvollmond handelte. So geht aus den Schriften des Kirchenvaters Ambrosius hervor, dass man in Rom entsprechend in diesem Jahr Ostern am 21. März feiert, in Alexandrien jedoch erst am 25. April. Es dauerte weitere 140 Jahre, bis sich Römer und Alexandriner über einen gemeinsamen Ostertermin einigen konnten. 525 bat Papst Johannes I. den Mönch Dionysius Exiguus in der Sache um Rat. Dieser errechnete eine "Ostertafel" für einen Zyklus von 532 Jahren. Mit der Akzeptanz dieser "Ostertafel" im Westen wie im Osten war der eigentliche Osterfeststreit beendet. 1.000 Jahre lang - bis zur Kalenderreform von Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 - gab es jetzt ein gemeinsames Osterdatum für die gesamte Christenheit. Weil die Ostkirche aber die Kalenderreform des Papstes nicht mitvollzog, feiert sie ihr Osterfest seither nur von Zeit zu Zeit - so in diesem Jahr, zuletzt 2001 und wiederum 2007 - zeitgleich mit katholischen und evangelischen "Westchristen". Annäherungsversuche in der Neuzeit In der Neuzeit gab es mehrere Vorstöße, den Ostertag auf einen bestimmten Sonntag festzulegen. 1897 wandten sich Repräsentanten der astronomischen Wissenschaft diesbezüglich an den Papst, 1931 auch der Völkerbund. Ein gemeinsamer Termin der christlichen Kirchen für das Osterfest und die wechselseitige Anerkennung der Taufe gehören nach Ansicht von Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, aktuell zu den wichtigsten Themen der ökumenischen Bewegung. Bei der Vollversammlung des Weltkirchenrates (ÖRK) in Porto Alegre vor einem Jahr hatte der Kardinal die Übereinstimmung mit dem Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses, Katholikos Aram I., in dieser Einschätzung hervorgehoben: "Es wäre ein gewaltiger Schritt nach vorne, wenn wir bei diesen Themen vorankämen." 1997 fand dazu eine Konferenz auf Initiative des Weltkirchenrats in Aleppo statt, bei der auch der Vatikan vertreten war. Ein fester Ostertermin, wie ihn etwa auch die Tourismusbranche und die Geschäftswelt wünscht, wurde verworfen. Stattdessen wurde die hohe symbolische Bedeutung des Osterdatums betont. Mit dem Festtermin, der sich astronomisch aus dem Stand von Sonne und Mond errechnet, werde nicht zuletzt die kosmische Dimension der Auferstehung Christi dargestellt, hieß es im Kommunique von Aleppo. Der Weltkirchenrats-Entwurf sieht deshalb vor, den Ostertermin weiterhin auf den Sonntag zu legen, der dem ersten Frühlingsvollmond folgt. Die astronomischen Daten, das heißt die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche, sollen dabei nach "genauest möglichen wissenschaftlichen Methoden" und computergestützt bestimmt werden. Als Grundlage der Berechnungen soll nicht der Null-Meridian von Greenwich, sondern der Längengrad von Jerusalem, dem Ort von Jesu Tod und Auferstehung, benutzt werden. Gregorianischer Kalender als "Zumutung" Die größten Schwierigkeiten in der Ostertermin-Diskussion kommen zur Zeit aus der russischen Orthodoxie und vom Berg Athos. Harnoncourt sagt dazu: "In der emotionalen Beurteilung mancher Orthodoxer bleibt der Gregorianische Kalender eben 'der Kalender eines Papstes'. Das wird als Zumutung empfunden." In Russland komme erschwerend hinzu, dass dort der Gregorianische Kalender durch die Kommunistische Partei eingeführt wurde. "Damit gilt er nicht nur als päpstlicher, sondern auch als kommunistischer Kalender", so der Ökumeniker. Ein Votum des Heiligen Synods des Patriarchats für eine Reform des Ostertermins sei derzeit kaum zu erwarten. Da die Aleppo-Berechnungsart wesentlich stärker dem westlichen als dem östlichen Kalender ähnelt, könnte dies als weiteres Zugeständnis an den Westen verstanden werden und zu Abspaltungen führen. In mehreren nahöstlichen Ländern wurde in den letzten Jahren eine pragmatische Übereinkunft getroffen: Die katholische Kirche aller Riten (auch die des lateinischen Ritus) orientiert sich am orthodoxen Osterdatum, damit alle Christen vor den Muslimen gemeinsam Zeugnis für den Glauben an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu geben können.
Osterdatum: Harmonisierung zwischen Ost und West noch weit






