Linz (KAP) Die kirchlichen Ombudsstellen haben begonnen, die von der Bischofskonferenz beschlossene Rahmenordnung gegen Gewalt und Missbrauch umzusetzen. Die Eckpunkte der Implementierung wurden am Mittwoch in Linz beim Treffen der Verantwortlichen aller Ombudsstellen besprochen. Aus dem Bericht darüber, der an "Kathpress" übermittelt wurde, geht hervor, dass alle Ombudsstellen in den vergangenen Wochen im Vergleich zu den Monaten März und April einen deutlichen Rückgang der Erstkontakte verzeichneten. Allerdings werde die umfassende Aufarbeitung der in den vergangenen Monaten erfolgten Meldungen in vielen Fällen noch längere Zeit in Anspruch nehmen; eine detaillierte Auswertung werde gegen Ende September erfolgen.
Konkrete Fragen der Umsetzung, wie die Personalausstattung der Ombudsstellen oder die Klärung der Zuständigkeit in jenen Fällen, wo sich ein Opfer an die Ombudsstellen mehrerer Diözesen gewandt hatte, standen im Vordergrund des Arbeitstreffens. Um zu vermeiden, dass Opfer ihren Leidensweg wiederholt schildern müssen, werden bei Zustimmung der Betroffenen die relevanten Informationen zwischen den Ombudsstellen ausgetauscht, hält der Bericht fest.
Die Verantwortlichen der Ombudsstellen betonten, dass alle Informationen streng vertraulich gehandhabt werden und etwaige weitere Schritte nur mit Einverständnis der Opfer erfolgen. Weiters wurde hervorgehoben, dass die Ombudsstellen jenen Betroffenen, die selbst eine Anzeige erstatten möchten, alle erforderliche Unterstützung und psychologische Begleitung angeboten wird.
Zusammenarbeit mit Operschutzanwältin Klasnic
Der Bericht präzisiert die Zusammenarbeit zwischen den kirchlichen Ombudsstellen und der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft. Um möglichst rasch eine therapeutische Unterstützung anbieten zu können, führen die Mitarbeiter der diözesanen Ombudsstellen kurzfristig entlastende und stützende Gespräche. Die diözesanen Ombudsstellen wollen die Zusage der Kostenübernahme für eine Psychotherapie weiterhin rasch und unbürokratisch treffen. Dabei erfolgt die Zusage üblicherweise für einen befristeten Zeitraum, der je nach Bedarf des einzelnen Betroffenen auch wiederholt verlängert werden kann.
Jene Opfer, die über eine sofort nötige Psychotherapie hinausgehende finanzielle Hilfen wünschen, wird empfohlen, sich an die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft zu wenden. Um die Belastungen für die Betroffenen möglichst gering zu halten, leiten die diözesanen Ombudsstellen bei expliziter Zustimmung der Opfer die erforderlichen Informationen an die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft weiter.
Das Treffen der Verantwortlichen der kirchlichen Ombudsstellen fand einen Tag vor dem Inkrafttreten der von der Bischofskonferenz in der vergangenen Woche beschlossenen Rahmenordnung gegen Missbrauch und Gewalt statt. Sie tritt mit 1. Juli in Kraft und soll bis 31. März 2011 österreichweit im kirchlichen Bereich umgesetzt werden.
Diözese Eisenstadt organisiert Ombudsstelle neu
Diözesanbischof Paul Iby hat am Donnerstag eine Neuorganisation der diözesanen Ombudsstelle verfügt. Diese trägt ab sofort die Bezeichnung "Diözesane Ombudsstelle der Diözese Eisenstadt für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche". Zur Leiterin für die Dauer von fünf Jahren wurde die Psychologin Gabriele Kindshofer ernannt, die der evangelischen Kirche angehört. "Mit Frau Dr. Kindshofer ist es gelungen, die Leitung der Ombudsstelle einer kompetenten und von der katholischen Kirche völlig unabhängigen Frau zu übertragen", so der Bischof in einer Aussendung.
Gabriele Kindshofer ist ausgebildete Klinische und Gesundheitspsychologin und seit mehr als 20 Jahren in den verschiedensten Berufsfeldern der Psychologie tätig. Erste Erfahrungen mit Missbrauchsfällen konnte sie bereits zu Beginn ihrer Laufbahn im Julius-Tandler-Zentrum Wien sammeln. Seit zehn Jahren betreibt Kindshofer eine freie Praxis in Neusiedl am See. Ihr Schwerpunkt liegt dabei in der psychologischen Diagnostik. Daneben engagierte sie sich u.a. in der Frauen- und Familienberatung. In den Jahren 2000 bis 2005 war sie als Lehrerin an der Pädagogischen Hochschule Burgenland für das Fach Psychologie angestellt. Die Mutter zweier erwachsener Töchter ist verheiratet und lebt in Zurndorf.
Gabriele Kindshofer hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen. Sie ist in der Ombudsstelle der Diözese Eisenstadt für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch unter Tel. 0676/880 701 024 bzw. per Mail unter opfer@martinus.at erreichbar.