Menschenmassen und Polizeisperren prägten Israels Hauptstadt während der Osterfeierlichkeiten - Korrespondentenbericht von Gabi Fröhlich (KNA)
Jerusalem, 04.04.2010 (KAP) Pater Anton rauft sich den Bart unter der bestickten Kapuze. In einer Stunde wird das heilige Feuer im Grab Jesu aufflammen, und er - einer der Fackelläufer - steckt an einer Polizeisperre fest. Eingekeilt zwischen einem Dutzend wütender Pilger, die es bis in diese vorletzte Gasse vor der Jerusalemer Grabeskirche geschafft haben. Weder Schimpfen noch Betteln hilft - die Polizisten reagieren nicht einmal. Der koptische Mönch telefoniert alle einflussreichen Nummern durch, die ihm einfallen. Schließlich kommt ein Polizeikapitän von der nächsten Sperre vorgelaufen und nimmt ihn mit. Zurück bleiben die enttäuschten Pilger mit ihren dicken Kerzenbündeln - 33 schlanke Kerzen für die Zahl der Lebensjahre Jesu. Die Liturgie des "Heiligen Feuers" gilt für orthodoxe Christen als Höhepunkt des Osterfestes in Jerusalem. Die israelischen Sicherheitsmaßnahmen für die orthodoxen Osterfeiern am Karsamstag sind von Jahr zu Jahr strenger geworden - und rufen immer empörtere Proteste unter einheimischen Christen und Kirchenführern hervor. Wegen des gemeinsamen Ostertermins von Ost- und Westkirchen und des gleichzeitigen jüdischen Paschafestes sind dieses Jahr die Absperrungen und Kontrollen schärfer denn je. Tatsächlich sind die Gassen des christlichen Viertels weitgehend menschenleer. Viele Gläubige scheitern bereits an den Altstadttoren, Christen aus dem Westjordanland schon an den Checkpoints vor der Stadt. Mit Hinweis auf die prekäre Sicherheitslage in der überfüllten Kirche und auf den massenhaften Andrang hat die Polizei 2.500 Mann im Einsatz, alle 30 Meter stößt man auf eine Absperrung. Nach welchem System einzelne Gläubige durchgelassen werden und bis wohin, ist schwer zu überblicken. Das Tourismusministerium hat an einzelnen Stellen der Altstadt Bildschirme aufstellen lassen, wo das Geschehen in der Kirche live nach draußen übertragen wird. Eine riesige Leinwand steht in der evangelischen Erlöserkirche neben der Grabeskirche - aber nur eine Handvoll russischer Pilger ist bis hierhin durchgelassen worden. Und die stehen lieber vor dem kleinen Bildschirm an der Sperre, als eine protestantische Kirche zu betreten. So verfolgt Propst Uwe Gräbe das brodelnde Geschehen um das Grab Christi mit einigen Mitgliedern der deutschen Gemeinde auf Logenplätzen: Der griechische Patriarch Theophilos trägt die wundertätige Feuerflamme in triumphierender Geste aus der Grabeskapelle, in Sekundenschnelle flackern überall Kerzenbündel auf. Die Glocken der Kirche läuten, die Altstadt vibriert. Die Pilger draußen beugen sich erwartungsvoll über die Sperren. Auf einmal erscheint Pater Anton auf dem Platz, rennt - mehrere Kerzenbündel mit dem heiligen Feuer in der Hand - mit fliegenden Gewändern in Richtung koptische Kirche davon. Vorbei an den enttäuschten Russen, die schließlich von einer griechischen Nonne erlöst werden, die eine Minute später mit der begehrten Feuerflamme aus der Kirche gelaufen kommt. Innerhalb von Minuten brennt das heilige Feuer an zehntausenden Kerzen in der ganzen Altstadt, wird von den Menschen andächtig am Körper vorbeigeführt - die Flamme gilt als heilend. Die israelischen Polizisten verfolgen das Geschehen mit sichtlicher Erleichterung, die Stimmung hat sich auf einen Schlag entspannt. Die Sperren werden nach und nach geräumt, trommelnde Pfadfindergruppen ziehen durch die Gassen, Jugendliche tanzen klatschend und skandieren auf Arabisch "Wir sind die Christen". Jetzt ist doch Ostern.






