Leitl: Märkte sind "Lernplätze für soziale und ökonomische Entwicklung" - Enzyklika enthält Fundament für "Globalkonsens" und "globale Sozialpartnerschaft"
In besonderer Weise würdigte Leitl die Forderung des Papstes nach einer Weltautorität zur Steuerung der Globalisierungsprozesse unter den Prämissen der Solidarität und der Subsidiarität. Diese Prinzipien könnten laut Leitl einen "Globalkonsens" für die Bildung einer "G25"-Gruppe bilden, in der nicht nur die wichtigsten Wirtschaftsnationen sondern auch jene Kontinente vertreten sein könnten, "die in den derzeit existierenden Formationen noch nicht entsprechend repräsentiert sind".
Auch könne auf der Basis dieser Prinzipien eine "globale Sozialpartnerschaft" entstehen, "in der sich Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite aller Nationen freiwillig zur Einhaltung humaner und ethischer Grundwerte und Verhaltensmaßstäbe verpflichten", so Leitl.
"Neue Enzyklika gehört unter Kopfkissen der Manager"
Die neue Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. gehört nach Worten des früheren "Thyssen"-Chefs Dieter H. Vogel "unters Kopfkissen eines jeden Managers". Der Papst habe völlig recht, wenn er ein nachhaltiges, am Menschen orientiertes Wirtschaften fordere, sagte Vogel der "Neuen Ruhr Zeitung". Bei manchen Vertretern der Wirtschaftselite seien "die Grenzen dessen verschwommen, was man machen darf und was nicht". Dies sei der Grund für die derzeitige weltweite Wirtschaftskrise.
Als Beispiel für überschrittene Grenzen nannte Vogel Einkommensforderungen von Vorständen, die in den vergangene Jahren immer weiter in die Höhe geschraubt worden seien. "Es wäre an jedem Aufsichtsratchef in dieser Republik gewesen zu sagen: Da mach ich nicht mit". Er sehe jetzt allerdings eine gute Entwicklung hin zu mehr Verantwortungsbewusstsein der Elite für die Gesellschaft. Ein solches Bewusstsein könne aber nicht durch gesetzliche Verordnungen zu Managergehältern erzwungen werden. "Ein vernünftiger Staat funktioniert nicht, wenn die gesellschaftliche Elite die Moral nicht vorlebt", so Vogel. Er habe die Hoffnung, dass dieser Ansatz zu einer "Lösung der Krise auf Dauer" beitrage, so der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Stahl-Konzerns.
Wirtschatftsminister für Weltautorität-Idee des Papstes
Nach Einschätzung des deutschen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg lädt die Enzyklika zu einer Debatte über die Weltwirtschaft und ihre Ziele ein. In dieser Hinsicht sei auch der Ruf des Papstes nach einer "Weltautorität" zu verstehen, schreibt zu Guttenberg in einem Gastkommentar für die August-Ausgabe des Politikmagazins "Cicero". Dem Papst gehe es nicht darum, eine neue Weltbürokratie zu schaffen, betont der Minister. Gemeint sei vielmehr "eine weltweite Verständigung über einen Grundkanon an gemeinsamen Werten und Zielen, um globale Herausforderungen angehen zu können".
Die Enzyklika "Caritas in veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) war Anfang Juli im Vatikan vorgestellt worden. Darin fordert Benedikt XVI. unter anderem eine Steuerungsinstanz, um die Weltwirtschaft zu lenken und die Folgen der aktuellen Krise zu bewältigen. Ausdrücklich verurteilt der Papst Profitgier und Egoismus, warnt jedoch vor Fatalismus oder einem blinden Widerstand gegen die Globalisierung.
Der Text reihe sich ein in die große Tradition katholischer Sozialenzykliken, so Guttenberg weiter. Diese habe 1891 mit dem von Papst Leo XIII. vorgelegten Schreiben "Rerum novarum" begonnen. Besonders beeindruckend sei dabei, dass sich die katholische Soziallehre durch eine "bemerkenswerte Kontinuität bei ihren Grundüberzeugungen" auszeichne. Dagegen müssten Politik und Ökonomie in regelmäßigen Abständen Auffassungen und Lehrmeinungen korrigieren, so der CSU-Politiker.






