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Liebe Leserinnen und Leser!
Wieder einmal melde ich mich mit einer Fülle an neuen Eindrücken, Berichten und Informationen aus Brasilien.
An den Beginn dieses Jahres möchte ich einen Text von einem mir unbekannten Autor stellen, der mich gerade in dieser Osterzeit herausfordert. Jesus Christus hat sich für Gerechtigkeit, Frieden, Wahrheit, Liebe etc. eingesetzt und dafür teuer bezahlt. Sind nicht auch wir zum gewaltlosen Einsatz für solche Werte aufgefordert?
"Wir werden vor Gott treten, um beurteilt zu werden, und Gott wird uns fragen: 'Wo sind eure Wunden?' Wir werden antworten: 'Wir haben keine Wunden'. Darauf wird Gott uns fragen: 'Gab es nichts, wofür es Wert gewesen wäre, sich einzusetzen?'
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Ostern in meiner Basisgemeinde Wie unsere Basisgemeinde die Karwoche und Ostern feiert, Brauchtum rund um den erhängten Judas und das große Laientheater im Viertel Anjo da Guarda
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Das bunte Nebeneinander von Religionen in Maranhão Von der Invasion evangelikaler Kirchen bis zur Welt der importierten afrikanischen Gottheiten, selbstgemachten Heiligen und anderen religiöser Richtungen
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Fastenkampagne und einige brennende Umweltfragen Vom Einsatz der brasilianischen Kirche gegen die Abholzung des Regenwaldes - und von konkreten Umweltproblemen in meinem Viertel
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| Die Gegenwart aus der Geschichte heraus verstehen
Ob Polizei oder Rechtssystem: Die Geschichte Brasiliens ist geprägt von Korruption. Folter wird gerechtfertigt, große Teile der Bevölkerung bleiben weitgehend unbeteiligt
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| Neues aus der Gefängnispastoral
Von den Schwierigkeiten beim Aufbau der Gefängnispastoral im Landesinneren, von der Angst der Priester und von der Sprengkraft des Evangeliums
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Am Grab von Dom Helder Câmara |
Persönliche Gedanken
Am Grab von Dom Helder Câmara
Als ich in Olinda war, habe ich das Grab von Dom Helder Câmara besucht, der in der Kirche bestattet ist. Er war lange Jahre Erzbischof von Recife und Olinda und hat sich sein ganzes Leben lang für die Armen und Unterdrückten des Nordosten Brasiliens eingesetzt. Ich möchte euch an dieser Stelle ein wenig teilhaben lassen an seinen Gedanken, die auch noch fast zehn Jahre nach seinem Tod herausfordern:
| "Sind wir so egoistisch, dass wir die Forderung des gerechten Gottes nicht hören, alles dafür zu tun, um zu verhindern, dass das Unrecht die Welt erdrückt und Kriege auslöst? Sind wir so entfremdet, dass wir Gott bequem anbeten können in luxuriösen Gotteshäusern, die trotz ihrer liturgischen Fülle so leer sind, und dass wir versäumen, Gott dort zu sehen, zu hören und zu dienen, wo er anwesend ist und wo er unsere Anwesenheit erwartet, unter den Menschen, unter den Armen, den Unterdrückten, den Opfern von Unrecht, in das wir selber oft verstrickt sind?"
(Dom Helder Câmara)
"Lebe um zu dienen" (Dom Helder Câmara)
"Wir dürfen uns keine Illusionen machen. Wir dürfen nicht naiv sein. Wenn wir auf die Stimme Gottes hören, treffen wir unsere Wahl, wir gehen über uns selbst hinaus und kämpfen gewaltfrei für eine bessere Welt. Wir dürfen nicht erwarten, dass es einfach wird. Wir werden nicht auf Rosen gehen. Die Leute werden nicht herbei strömen, um uns zu hören und zu applaudieren. Und wir werden Gottes Schutz nicht immer wahrnehmen. Als Pilger der Gerechtigkeit und des Friedens müssen wir die Wüste erwarten." (Dom Helder Câmara) |
Gott gibt uns die Kraft, unmenschlichen Strukturen zu widerstehen
In der letzten Zeit habe ich immer wieder gespürt, wie schwierig es ist, standhaft und dauerhaft unmenschlichen Strukturen zu widerstehen. Der Einsatz gegen Folter, für Gerechtigkeit und Menschenrechte braucht unheimlich viel Geduld, Durchhaltevermögen und Mut. Ich kann die Kraft zu all dem nur aus dem Glauben schöpfen. In manchen schwierigen Situationen bleibt mir nur das Zwiegespräch mit Gott. Ich kann dann nichts anderes als einfach zu sagen: "Das mache ich jetzt nur wegen dir. Bitte stehe uns bei." Manchmal kommt mir unsere Arbeit drei Schuhnummern zu groß für uns vor, doch wenn ich dann nachdenke, sehe ich, dass es sonst niemand machen würde. Und so geht es weiter, Schritt für Schritt, im Wissen, dass nicht wir diejenigen sind, die etwas verändern können, sondern allein Gottes Gnade. Es ist erstaunlich, aber nach solchen Momenten, in denen ich nicht weiterweiß, geht es doch immer weiter. Gott gibt uns die Kraft dann, wenn wir sie brauchen, so wie Dietrich Bonhoeffer im folgenden Gedicht schreibt:
| Vertrauen
Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste Angst vor der Zukunft überwunden werden. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet. (Dietrich Bonhoeffer) |
Das Evangelium von der Feindesliebe und seine Kraft
Besonders bei meinem Besuch in Pedreiras ist mir bewusst geworden, welcher Sprengstoff im Evangelium liegt. Leider wird diese Kraft sehr oft domestiziert und wir haben diese Stellen schon so oft gehört, dass wir gar nicht mehr merken, wie herausfordernd sie sind. Es war für mich eine starke Erfahrung, in dieser Situation des Hasses gegen die Gefangenen, auf das Evangelium von der Feindesliebe zurückzugreifen. Unsere Botschaft muss immer die Liebe sein. Niemals werden wir Gewalt durch Gewalt überwinden. Aber andererseits ist diese Liebe kein gezähmtes Zu-allem-ja-und-amen-Sagen, sondern vielmehr eine spirituelle Kraft, die uns hilft unserem Gewissen treu zu bleiben und gegen Ungerechtigkeiten die Stimme zu erheben. Diese Liebe bewirkt die Fähigkeit, Leiden auszuhalten und letztlich die Herzen der anderen für unsere Sache einzunehmen. Diesen Gedanken hat Martin Luther King einmal ganz schön formuliert:
| Wir werden eurer Fähigkeit, anderen Leiden zuzufügen, begegnen mit unserer Fähigkeit, Leiden auszuhalten. Wir werden eurer physischen Kraft unsere spirituelle Kraft entgegenhalten. Wir werden euch nicht hassen, aber wir können nicht mit gutem Gewissen eure ungerechten Gesetze achten. Aber wir werden euch bald klein kriegen mit unserer Fähigkeit zu leiden. Und in unserem Kampf für unsere Freiheit werden wir so sehr an eure Herzen und euer Gewissen appellieren, dass wir euch für uns einnehmen werden.
(Martin Luther King) |
Zu guter Letzt wünsche ich uns allen, dass wir uns immer wieder von dieser Kraft des Evangeliums herausfordern lassen und unser Leben am Auferstehungsereignis ausrichten.
Ihre Pia Schildmair
Den ersten Weblog vom Mai 2006 finden Sie hier,
das erste Update vom Sommer 2006 finden Sie hier,
das letzte Update vom Januar 2007 finden Sie hier.












