Mittwoch 18. Januar 2017

"Causa Conchita"

Wer ist Conchita Wurst? - Und was ist die Botschaft hinter dieser Kunstfigur? Über diese Frage diskutieren derzeit nicht nur Medien sondern offenbar auch Christen untereinander. So interpretiert etwa der Pfarrer von Bad Mitterndorf, der Heimat des Sängers Tom Neuwirth, die Figur und den Auftritt als positives Signal. Auch Kardinal Christoph Schönborn und katholische Theologen in Österreich äußerm sich positiv.

 

So sieht die Wiener Moraltheologin Prof. Sigrid Müller in dem Phänomen Conchita Wurst etwa ein Zeichen dafür, "dass Menschen in Europa und weltweit zunehmend anderen Menschen das Recht zugestehen, dass sie 'anders' sein dürfen, als sie es selbst sind". Ähnlich die Einschätzungen durch die Grazer Religionswissenschaftlerin Theresia Heimerl, die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak und die Wiener Sozialethikerin Petra Steinmair-Pösel. Einig waren sich die Theologinnen darin, dass "jeder Mensch eine unbedingte und unverlierbare Würde besitzt", unabhängig von Lebensform, sexuellen Ausrichtung etc.

 

"Im bunten Garten Gottes gibt es immer auch Menschen, die sich als das jeweils andere Geschlecht fühlen - und die verdienen natürlich unseren vollen Respekt, unsere Hochachtung als Menschen" (Kardinal Christoph Schönborn)

 

Zuvor hatte bereits der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner unterstrichen, dass eine Diskriminierung, gegen welche Lebensform auch immer sie sich richte, abzulehnen sei. Nicht erst seit Papst Franziskus habe sich in der Kirche angesichts von Lebensgestaltungsmodellen, die vom christlichen Ehe-Ideal abweichen, gezeigt, dass "jegliche moralische Verwerfung keine Rolle mehr spielt" - und das sei gut so. Freilich offenbarten Toleranzappelle wie jene von der erfolgreichen österreichischen Drag Queen Conchita Wurst gerade auch, dass hier noch eine Lücke zwischen Wunsch und Realisierung klafft. Diskriminierung sei erst überwunden, wenn Antidiskriminierungsbotschaften nicht mehr erforderlich seien, sagte Zulehner.

 

Zuletzt äußerte sich auch Kardinal Christoph Schönborn zu "Conchita Wurst": "Im bunten Garten Gottes" gebe es immer auch Menschen, die sich als das jeweils andere Geschlecht fühlen, "und die verdienen natürlich unseren vollen Respekt, unsere Hochachtung als Menschen". Er habe sich gefreut, dass Tom Neuwirth einen so großen Erfolg feiern konnte, "und ich kann ihm nur wünschen, mit diesem Erfolg gut umzugehen, denn das ist nicht leicht". Und er fügte hinzu: "Ich bete für ihn um den Segen für sein Leben."

 


Kardinal Schönborn zu Conchita Wurst

 


 

Das Thema Toleranz, unter das Conchita Wurst ihre Performance gestellt habe, ist nach den Worten des Kardinals "ein reales, ein großes Thema". Menschen wie er müssten viel Spott, Gemeinheit und Intoleranz erfahren. Toleranz heiße jedoch letztlich, "jemand anderen zu respektieren, auch wenn man seine Überzeugungen nicht teilt - und in diesem Sinn brauchen wir alle Toleranz".

 

Schönborns Pressesprecher Michael Prüller hatte schon zuvor in seinem wöchentlichen Kommentar in der Tageszeitung "Die Presse" zum Thema Stellung bezogen. Unter dem Titel "Mann mit Bart" schrieb er am 11. Mai, dass er den Songcontest für eine "längst eine ziemlich lächerliche Sache" halte. "Der Mensch hinter Conchita sollte uns aber nicht spöttisch, sondern nachdenklich machen", betonte Prüller. Neuwirth sei nicht intersexuell, seine Kunstfigur Conchita "bloß ein Statement", erinnerte der Kommunikationschef der Wiener Erzdiözese: "Dass Herkunft oder Aussehen egal sind, ist freilich bloßes Wunschdenken. Und durch sein extra gestyltes Erscheinungsbild als Dame mit Bart dokumentiert Neuwirth ja selbst die entscheidende Rolle, die das Aussehen in der zwischenmenschlichen Kommunikation spielt."

zuletzt bearbeitet am 16. Mai 2014

von Henning Klingen

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