Friday 1. July 2016
Familiensynode

Auf den ersten Blick fällt die Bilanz der zweiten Weltbischofssynode zum Thema Ehe und Familie bescheiden aus. Ein "Schlussbericht", der in 94 Paragrafen dem Papst relativ allgemein gehaltene Anregungen gibt. Keine direkten Aussagen über die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, kaum etwas über den Respekt vor der sexuellen Orientierung gleichgeschlechtlich Liebender - und das alles, obwohl Sexualität, Bindungen, Ehe und Familienstrukturen in den letzten 50 Jahren enorme Veränderungen durchgemacht haben.

Die Bilanz fällt noch bescheidener aus, wenn man den Aufwand bedenkt: Zwei weltweite Umfragen unter vielen Hunderttausend Katholiken, eine weltweite Kardinalsversammlung und zwei weltweite Bischofssynoden mit insgesamt rund 700 Teilnehmern. Allein bei der jetzt zu Ende gegangenen Synodenversammlung absolvierten die Teilnehmer 90 offizielle und Dutzende inoffizielle Sitzungsstunden, die der Kommissionen nicht mitgerechnet. Rund 800 Änderungsanträge wurden eingebracht, die Sprachzirkel verfassten 39 Zwischenberichte, 378 Reden wurden von den Synodenvätern im Plenum gehalten.

Trotz der scheinbar mageren Ernte äußerten sich viele Teilnehmer zufrieden über Verlauf und Resultate der Synode. Das mag damit zusammenhängen, dass es die Versammlung immerhin dreimal schaffte, akute äußere und innere Krisen oder Skandale durchzustehen. Weder das spektakuläre Homo-Outing eines Vatikan-Monsignores zu Beginn, noch die merkwürdigen Mediengerüchte über eine angebliche Tumorerkrankung von Papst Franziskus brachten die Versammlung aus dem Tritt.

Lediglich der Protestbrief einer Gruppe konservativer Kardinäle wegen angeblicher Manipulationen der Synodenführung am Verlauf der Versammlung und der Textredaktion hinterließ anhaltende Bitterkeit. Diese war später auch in scharfen Polemiken zwischen dem australischen Kardinal George Pell und Mitgliedern der deutschsprachigen Synodengruppe zu spüren.

Deutschsprachige überwanden Blockade
Dennoch war es am Ende diese von Kardinal Christoph Schönborn geleitete deutsche Sprachgruppe, der es gelang, in der Geschiedenenfrage die Blockade zu überwinden. Die mit hochkarätigen Theologen unterschiedlicher Couleur besetzte Gruppe entwickelte unter Rückgriff auf Thomas von Aquin und Johannes Paul II. die Methode der fallweisen Unterscheidung verschiedener Situationen bei geschiedenen Wiederverheirateten fort. Ein winziger Spalt ist seither geöffnet, und die zentralen Ideen der Gruppe fanden sich auch im Abschlusspapier wieder. Wenn der Papst dies später übernimmt, würde es den Seelsorgern ermöglicht, den Betroffenen in bestimmten Härtefällen den Weg zu einer "wachsenden Integration" ins Leben der Gemeinde zu eröffnen. Und dazu werden manche Seelsorger auch die Zulassung zur Kommunion rechnen.

Dass es in der katholischen Kirche keine einfache "große" Lösung nach dem Vorbild der liberalen protestantischen Kirchen in Mittel- und Nordeuropa geben konnte, lag auf der Hand. Denn anders als diese hält die katholische Kirche daran fest, dass die Ehe ein Sakrament und folglich ein unauflöslicher Bund ist. Und anders als für Protestanten ist für Katholiken die Zulassung zur Kommunion ebenfalls eine Frage ganz anderen Kalibers - geht es doch für sie um die physische Vereinigung mit dem Leib Christi und nicht bloß um die Teilnahme an einem Abendmahl.

Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, konnte also bestenfalls eine vorsichtige Öffnung für Einzelfallentscheidungen im Beichtgespräch herauskommen. Entscheidend ist aber nicht nur diese für Nichtkatholiken schwer nachvollziehbare seelsorgerische Öffnung. Mindestens ebenso wichtig sind die Haltung und die Sprache, mit der die Synode an dieses Thema herangegangen ist. Papst Franziskus ist es gelungen, zumindest bei den Wiederverheirateten seine ansteckende Sprache der liebenden Zuwendung und der Barmherzigkeit auf seine Mitbrüder überspringen zu lassen. Die helfende Hand des Seelsorgers soll nun den mahnenden Zeigefinger des Moralisten ersetzen, ohne dabei die moralischen Prinzipien aufzugeben, denen die Kirche weiterhin verpflichtet ist.

Dezentrale Lösungen als Ausweg?
Bei einem anderen Thema ist der Durchbruch in die "franziskanische Ära" allerdings offenbar noch weit entfernt. Über homosexuelle Paarbeziehungen fielen in der Synodenaula harte, verurteilende Sätze, wie man sie in Westeuropa oder Nordamerika nur noch selten öffentlich hört. Hier spürt die katholische Weltkirche die Ungleichzeitigkeit der kulturellen Entwicklungen auf den Kontinenten. Der Weg zu einer Kultur des Respekts gegenüber sexuellen Minderheiten ist in weiten Teilen Afrikas, Osteuropas und Asiens noch lang. Es war daher naheliegend, dieses Thema bei den Abstimmungen der Synode weitgehend auszuklammern.

Bevor der Papst sich diesem kulturell und politisch schwierigen Feld zuwendet, muss er zunächst entscheiden, welche "Früchte" der Familiensynode er für das päpstliche Lehramt übernimmt, und wie er sie weiterentwickelt. In seiner Abschlussrede am Ende der Synodenberatung betonte er, dass es künftig mehr dezentrale Lösungen in der Familienseelsorge geben müsse, die die Unterschiede zwischen den Kulturen stärker berücksichtigen.

 

 

Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Eröffnungsgottesdienst zur Familiensynode
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015
Familiensynode 2015

 


Quick-Infos

Zur Vorgeschichte

Ins Rollen gebracht hat die Synode Papst Franziskus vor knapp einem Jahr. Anfang Oktober 2013 hatte er mit seinen Berater-Kardinälen über eine künftige Aufwertung und bessere Struktur der Synode in Sinne von mehr Kollegialität in der Kirchenführung gesprochen. Überraschend traf er am 8. Oktober die Entscheidung, eine Sondersynode ("Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode") einzuberufen. Angesetzt wurde diese vom 5. bis 19. Oktober 2014, sowie eine weitere "ordentliche" Bischofssynode zum gleichen Thema für den Herbst 2015.

 

Erster Vorbereitungsschritt war die Aussendung von Fragebögen durch das Synoden-Generalsekretariat. Dessen Leiter Baldisseri, und Sekretär Erzbischof Bruno Forte als "Chef-Theologe", hatten den Fragenkatalog erstellt, der dann im November 2013 an die Bischofskonferenzen erging.

 

Neu war die klare Vorgabe an die Bischöfe, die Frage an die kirchliche Basis und Laienorganisationen weiterzugeben. Die Umsetzung dieser Vorgabe ließ je nach den ortskirchlichen Verhältnissen eine Bandbreite zu und reichte von der Befassung kirchlicher Gremien bis zur aktiven Nutzung via Internet. Im Endeffekt beteiligten sich somit Hunderttausende Menschen daran.

 

Die Antworten auf diese "Familienumfrage" - der Ausdruck ist allerdings nicht exakt, weil ja die Bischöfe die eigentlichen Adressaten waren - wurden in einem 85-seitigen Arbeitspapier, dem bei Bischofssynoden üblichen "Instrumentum laboris", zusammengefasst. Auch die österreichischen Ergebnisse von mehr als 30.000 Rückmeldungen, die im Jänner 2014 von den Bischöfen beim Ad-limina-Besuch im römischen Synoden-Sekretariat abgegeben wurden, flossen hier ein.

 

Inhaltlich bestätigte das Dokument, das für die Synode Diskussionsbasis und Leitfaden bilden soll, eine "Kluft zwischen Lehre und Leben". Die Kenntnis der kirchlichen Position zu Familie sei allgemein eher spärlich und es gelinge der Kirche heute vielerorts nicht mehr, ihre Haltung zu Familie, Ehe und Scheidung, Empfängnisverhütung oder In-vitro-Befruchtung verständlich zu machen.

Stichwort: Bischofssynode

Die katholische Bischofssynode soll die Weltkirche repräsentieren und die Kollegialität von Papst und Bischöfen unterstreichen. Als ständige Einrichtung wurde sie 1965 von Papst Paul VI. auf Anregung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) geschaffen. Sie hat keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur beratende Funktion. Einberufen wird sie vom Papst. Dieser nimmt in der Regel auch persönlich an den Sitzungen teil. In den vergangenen Jahrzehnten gaben Bischofssynoden wichtige Impulse für die Weltkirche, etwa die Anregung zum Katechismus der Katholischen Kirche.

 

Ordentliche Synoden finden alle drei bis vier Jahre statt. Zuletzt tagte 2012 die 13. Ordentliche Generalversammlung im Vatikan; Thema war die Neuevangelisierung. Seltener sind Außerordentliche Synoden. Die am Sonntag im Vatikan beginnende Bischofsversammlung zu Fragen der Familie ist das dritte Treffen dieser Art. Daneben gibt es Spezialversammlungen, die einzelne Weltregionen betreffen.

 

Im Unterschied zu einem Konzil nehmen an einer Bischofssynode nicht alle rund 5.000 Bischöfe der Weltkirche teil. Die Außerordentliche Versammlung umfasst Patriarchen und sonstige Oberhäupter der katholischen Ostkirchen, die Vorsitzenden der nationalen und überregionalen Bischofskonferenzen sowie Vertreter von Ordensgemeinschaften und Kurienkardinäle. Zudem hat Papst Franziskus weitere Mitglieder, Experten, Gasthörer und - mit Blick auf das Thema - 13 Ehepaare nominiert.

Erwartungen von Kardinal Schönborn

Kardinal Christoph Schönborn erwartet von der Familiensynode keine "generelle Bestimmungen" für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Eine Erlaubnis nach dem Schema "dreimal, viermal heiraten, alles wird abgesegnet" werde es bei der in einer Woche beginnenden Weltbischofssynode im Vatikan nicht geben, betonte der Wiener Erzbischof am Samstag (26.9.2015) in einem Ö1-Radiointerview. Primär gehe es um die Seelsorge, wobei die Synode dazu einladen dürfte, genauer hinzuschauen um zu sehen "wie ist die Situation von Wiederverheirateten?", so Schönborn.

Die Ehe sei "von ihrem innersten Wesen her auf Dauer und Treue angelegt", betonte der Kardinal. Weithin bekannt sei, dass dies nicht immer gelinge, verwies Schönborn auf seine eigene Biografie: "Ich komme selbst aus so einer Familie." Dennoch könne es auch im Leben von wiederverheirateten Geschiedenen sowie auch unverheirateten Zusammenlebenden "sehr viel Edles geben".

Schönborn hatte im Vorfeld darauf hingewiesen, dass auch in irregulären Verbindungen viele Elemente von Wahrheit und Heiligkeit seien, sofern Paare liebevolle Verantwortung füreinander übernehmen. Dies gelte für alle Beziehungen, auch für homosexuelle Partnerschaften, präzisierte er nun. "Das erste ist nicht die Frage, welche sexuelle Ausrichtung du hast, sondern welcher Mensch du bist", so Schönborn. Ein Mensch könne auch als Heterosexueller ein "schrecklicher Partner" sein.

Zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften habe die Bibel freilich eine klare Lehre, bemerkte der Kardinal - "dass sie nicht der ursprüngliche Schöpfungsplan sind. Es heißt hier: Als Mann und Frau schuf er sie, und die zwei sollen eins sein."

Fragen und Antworten zur Familiensynode

Warum gibt es im Oktober eine zweite Bischofssynode über Ehe und Familie?

Die Bischofssynode im vergangenen Herbst diente lediglich der Vorbereitung und ersten Orientierung. Es handelte sich um eine sogenannte Außerordentliche Bischofssynode. Die Ortskirchen waren daher nur durch die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen vertreten. Die Ordentliche Bischofssynode soll hingegen nach dem Willen des Papstes "konkrete Lösungen" für Probleme im kirchlichen Umgang mit Personen finden, deren Lebenssituation nicht im Einklang mit der kirchlichen Morallehre steht. Ihr Teilnehmerkreis ist größer. Die nationalen Bischofskonferenzen entsenden je nach Zahl der Katholiken bis zu vier Delegierte.

Worum geht es?

In der Debatte geht es jenseits aller Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen darum, ob man die kirchliche Lehre in bestimmten Punkten ändern darf. Im Kern geht es um die Frage: Welche Konsequenzen zieht die Kirche aus dem Befund, dass die Kluft zwischen kirchlicher Lehre und Lebenswirklichkeit und persönlichen Überzeugungen von Katholiken immer größer wird? Besonders kontrovers diskutiert wurden während der vergangenen Synode der kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen.

Könnte die Bischofssynode die kirchliche Morallehre ändern?

Nein. Die Bischofssynode kann debattieren, vorschlagen und empfehlen; doch die kirchliche Lehre kann sie nicht ändern. Die Vollmacht dazu haben allein der Papst oder ein Konzil. Die Bischofssynode ist ein reines Beratungsgremium. Beschlüsse fassen darf sie nicht. Ihre Ergebnisse fließen jedoch in ein Abschlussdokument ein, das vom Papst erstellt wird. Die Einberufung eines Konzils, einer Versammlung aller Bischöfe der Weltkirche, durch Franziskus gilt als nahezu ausgeschlossen. Deshalb dürfte der Papst nach dem Ende der Synode das letzte Wort in Sachen Ehe und Familie sprechen.

Was sagen die Befürworter einer Reform?

Die Befürworter einer Reform der Ehe- und Sexualmoral sagen, die kirchliche Lehre müsse angesichts einer veränderten Ausgangslage nicht grundsätzlich verändert, aber "weiterentwickelt" werden. Solche Vorgänge habe es in der Kirchengeschichte immer wieder gegeben. Im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die nach offizieller kirchlicher Praxis vom Kommunionempfang ausgeschlossen sind, argumentieren sie etwa, die pauschale Bewertung einer solchen zweiten Verbindung als fortwährender Ehebruch werde der heutigen Lebenswirklichkeit nicht mehr gerecht.

Was sagen die Gegner von Veränderungen?

Die Gegner von Reformen sagen, dass es grundsätzlich keine Veränderungen in der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie geben könne. Sie sehen etwa durch eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion die Unauflöslichkeit der Ehe infrage gestellt. Möglich sind aus ihrer Sicht allenfalls geringfügige Änderungen im konkreten Umgang mit den betroffenen Personen.

Warum äußert sich die katholische Kirche überhaupt ausführlich zu "privaten" Themen wie Familie, Ehe und Sexualität?

In diesem Punkt sind sich Befürworter wie Gegner einer Reform der Ehe- und Sexualmoral einig: Aus christlicher Sicht können Ehe, Familie und Sexualität nie reine Privatangelegenheit sein. Wer Christ ist, muss das auch in allen Lebensbereichen zum Ausdruck bringen - bis in die Intimsphäre hinein. Deshalb hat die Kirche nach eigener Auffassung die Pflicht und das Recht, auch für die Intimsphäre ethische Vorgaben aufzustellen. Strittig ist lediglich die Art und Weise und in welchem Umfang sie das tun soll. Papst Franziskus hat mehrfach dazu ermahnt, über der Beschäftigung mit moralischen Fragen die Verkündigung des Glaubens nicht zu vernachlässigen.

 

Warum sind wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche von der Kommunion ausgeschlossen?

Nach katholischer Lehre ist Sex außerhalb der Ehe von Mann und Frau Sünde. Da die erste Ehe aus Sicht der Kirche unauflöslich ist, lebt jemand, der nach einer Scheidung zum zweiten Mal heiratet und mit dem neuen Partner regelmäßig Geschlechtsverkehr hat, in permanentem Ehebruch. Wer nicht bereit ist, darauf in der neuen Verbindung zu verzichten, kann - anders als bei einem Seitensprung - keine sakramentale Vergebung finden, denn das Sakrament der Beichte setzt den Willen voraus, den Weg der Sünde zu verlassen. Es bleibt daher den dauerhaft in Ehebruch Lebenden verwehrt. Folglich sind sie auch nicht zur Kommunion zugelassen.

 

Warum ist die katholische Kirche in dieser Frage strenger als viele protestantische Kirchen?

Die meisten evangelischen Kirchen sehen die Ehe als ein «weltlich Ding» und nicht als Sakrament. Daher hat sie - anders als in der katholischen Kirche - keine unauslöschlich bindende Wirkung. Die Worte Jesu über die Ehe («Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen») werden von Protestanten als sittliches Ideal und nicht als Gesetz gedeutet.

Kann der Weg der orthodoxen Kirchen ein Vorbild sein?

Einige orthodoxe Kirchen bieten für Geschiedene nach einem «Weg der Reue» eine zweite oder dritte Eheschließung im kirchlichen Rahmen an. Anders als die katholische Kirche kennt die Orthodoxie für die Ehe keine klare Sakramentenlehre und kein kirchliches Eherecht. Sie unterscheidet nicht genau zwischen Segnung und Sakrament. In der Praxis wird der «Weg der Reue» von den Betroffenen oft abgekürzt und als kirchliche Erlaubnis für eine neue Ehe umgedeutet. Nur wenige katholische Theologen sehen darin ein Vorbild, das auf die römische Kirche übertragbar wäre.

Ist die nachträgliche Erklärung der Ehenichtigkeit eine Lösung?

Die Ehe ist nach katholischer Lehre nur unter bestimmten Voraussetzungen gültig. Wenn sie etwa unter Zwang geschlossen wird oder der Wille zum Kind fehlt, ist sie ungültig. Zerbricht diese Beziehung später, kann die Kirche im Nachhinein feststellen, dass von Anfang an etwas Wesentliches fehlte. Die Ehe war dann «nichtig», die Ex-Partner sind also frei, erneut zu heiraten. Papst Franziskus hat das Verfahren zur Feststellung der Nichtigkeit stark vereinfacht. In Asien, Afrika und Lateinamerika werden viele Ehen unter familiärem Druck geschlossen, hier ist das Nichtigkeitsverfahren wichtig. Auch in USA, Polen und Italien, wo viele junge, unreife Menschen heiraten, werden später Nichtigkeitsverfahren häufig gesucht. Im deutschsprachigen Raum ist die Nachfrage vergleichsweise gering.

Kann es regional unterschiedliche Lösungen beim Zugang zu den Sakramenten geben?

Die Praxis beim Sakramentenempfang ist uneinheitlich. In vielen Ländern Osteuropas und Südamerikas beichten Katholiken nach einer Sünde, bevor sie die Kommunion empfangen, denn nach katholischer Lehre ist der Kommunionempfang ohne vorherige Sündenvergebung nicht erlaubt. Im deutschsprachigen Raum beichten nur wenige Katholiken, aber fast alle Kirchgänger empfangen die Kommunion. Sie übertreten damit, oft geduldet von den Seelsorgern, die kirchlichen Regeln oder haben eine andere Auffassung von dem, was Sünde ist. Menschen in zweiter Zivilehe werden nicht selten von Priestern zur Kommunion zugelassen, da ihr Zustand nicht als sündhaft empfunden wird. Diese Praxis offiziell zu erlauben, würde nach Meinung der Konservativen die Einheitlichkeit des katholischen Eherechts und der Sakramententheologie aufs Spiel setzen und letztlich die Unauflöslichkeit der Ehe in Frage stellen.


 

 

 

 

zuletzt bearbeitet von 

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