Wednesday 28. September 2016

Familiensynode

Veränderte Lebensrealitäten und die Antwort der Kirche standen im Mittelpunkt der bisher dritten außerordentlichen Bischofssynode seit deren Einführung, die zugleich die erste im Pontifikat von Papst Franziskus war. Bei ihrem Treffen vom 5. bis 19. Oktober sammelten die Bischöfe Vorschläge, während konkrete Leitlinien für die Seelsorge erst im Herbst 2015 folgen, wenn eine weitere, ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode an das nunmehrige Treffen im Vatikan anschließen wird.

 

Österreichs Kirche war bei der Synode durch Kardinal Christoph Schönborn vertreten. Aus dem deutschsprachigen Raum kamen zudem auch die Kardinal Reinhard Marx (München) und Bischof Markus Büchel (St. Gallen), die Kurienkardinäle Gerhard Ludwig Müller und Kurt Koch sowie die deutsche Familienreferentin Ute Eberl. Bereits im Vorfeld beteiligten sich zudem zahlreiche österreichische Gläubige an den Vorbereitungen – mit 34.000 nationalen Rückmeldungen auf die Vatikan-Befragung, auf Grundlage deren Ergebnis die Bischöfe diskutieren werden.


Quick-Infos

Zur Vorgeschichte

Ins Rollen gebracht hat die Synode Papst Franziskus vor knapp einem Jahr. Anfang Oktober 2013 hatte er mit seinen Berater-Kardinälen über eine künftige Aufwertung und bessere Struktur der Synode in Sinne von mehr Kollegialität in der Kirchenführung gesprochen. Überraschend traf er am 8. Oktober die Entscheidung, eine Sondersynode ("Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode") einzuberufen. Angesetzt wurde diese vom 5. bis 19. Oktober 2014, sowie eine weitere "ordentliche" Bischofssynode zum gleichen Thema für den Herbst 2015.

 

Erster Vorbereitungsschritt war die Aussendung von Fragebögen durch das Synoden-Generalsekretariat. Dessen Leiter Baldisseri, und Sekretär Erzbischof Bruno Forte als "Chef-Theologe", hatten den Fragenkatalog erstellt, der dann im November 2013 an die Bischofskonferenzen erging.

 

Neu war die klare Vorgabe an die Bischöfe, die Frage an die kirchliche Basis und Laienorganisationen weiterzugeben. Die Umsetzung dieser Vorgabe ließ je nach den ortskirchlichen Verhältnissen eine Bandbreite zu und reichte von der Befassung kirchlicher Gremien bis zur aktiven Nutzung via Internet. Im Endeffekt beteiligten sich somit Hunderttausende Menschen daran.

 

Die Antworten auf diese "Familienumfrage" - der Ausdruck ist allerdings nicht exakt, weil ja die Bischöfe die eigentlichen Adressaten waren - wurden in einem 85-seitigen Arbeitspapier, dem bei Bischofssynoden üblichen "Instrumentum laboris", zusammengefasst. Auch die österreichischen Ergebnisse von mehr als 30.000 Rückmeldungen, die im Jänner 2014 von den Bischöfen beim Ad-limina-Besuch im römischen Synoden-Sekretariat abgegeben wurden, flossen hier ein.

 

Inhaltlich bestätigte das Dokument, das für die Synode Diskussionsbasis und Leitfaden bilden soll, eine "Kluft zwischen Lehre und Leben". Die Kenntnis der kirchlichen Position zu Familie sei allgemein eher spärlich und es gelinge der Kirche heute vielerorts nicht mehr, ihre Haltung zu Familie, Ehe und Scheidung, Empfängnisverhütung oder In-vitro-Befruchtung verständlich zu machen.

Stichwort: Bischofssynode

Die katholische Bischofssynode soll die Weltkirche repräsentieren und die Kollegialität von Papst und Bischöfen unterstreichen. Als ständige Einrichtung wurde sie 1965 von Papst Paul VI. auf Anregung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) geschaffen. Sie hat keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur beratende Funktion. Einberufen wird sie vom Papst. Dieser nimmt in der Regel auch persönlich an den Sitzungen teil. In den vergangenen Jahrzehnten gaben Bischofssynoden wichtige Impulse für die Weltkirche, etwa die Anregung zum Katechismus der Katholischen Kirche.

 

Ordentliche Synoden finden alle drei bis vier Jahre statt. Zuletzt tagte 2012 die 13. Ordentliche Generalversammlung im Vatikan; Thema war die Neuevangelisierung. Seltener sind Außerordentliche Synoden. Die am Sonntag im Vatikan beginnende Bischofsversammlung zu Fragen der Familie ist das dritte Treffen dieser Art. Daneben gibt es Spezialversammlungen, die einzelne Weltregionen betreffen.

 

Im Unterschied zu einem Konzil nehmen an einer Bischofssynode nicht alle rund 5.000 Bischöfe der Weltkirche teil. Die Außerordentliche Versammlung umfasst Patriarchen und sonstige Oberhäupter der katholischen Ostkirchen, die Vorsitzenden der nationalen und überregionalen Bischofskonferenzen sowie Vertreter von Ordensgemeinschaften und Kurienkardinäle. Zudem hat Papst Franziskus weitere Mitglieder, Experten, Gasthörer und - mit Blick auf das Thema - 13 Ehepaare nominiert.

 

Nach der kommenden Synode legen die Teilnehmer dem Papst ein Schlussdokument mit Beratungsergebnissen vor. Der Papst entscheidet, ob und in welcher Form das Schreiben veröffentlicht wird. 2015 soll sich eine Ordentliche Synode mit den gleichen Themen befassen. Üblicherweise erstellt der Papst im Anschluss an eine Generalversammlung ein sogenanntes "Nachsynodales Apostolisches Schreiben".

Erwartungen von Kardinal Schönborn

Die nahende Bischofssynode zur Familienpastoral soll den Blick der Kirche auf Ehe und Familie erweitern, ohne dass dabei eine Änderung ihrer Lehre zu erwarten ist. Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien erklärt. Der Wiener Erzbischof wird bei der am 5. Oktober beginnenden Versammlung der Synode im Vatikan die österreichische Bischofskonferenz vertreten und gehört zudem dem Synodenrat an, der das Treffen vorbereitet hat.

 

Für Papst Franziskus sei Ehe und Familie "ein zentrales Thema des Pontifikats, ähnlich wie es dies auch für Johannes Paul II. war", erklärte Schönborn. "Erwarten Sie aber nicht, dass der Papst die Lehre über die Ehe ändert", so die Aufforderung des Kardinals. Schließlich habe die Kirche in ihrer ganzen Geschichte ihre Lehre "nie verändert, sondern stets erweitert und vertieft". Verändern wolle Franziskus ähnlich wie zuvor der Konzilspapst Johannes XXIII. vor allem den Umgang und den Blick der Kirche auf bestimmte Themen. Die Richtung dazu sei die der "pastoralen Bekehrung" - "weg vom Denken in Schubladen, hin zu einem Hinsehen, zu Wertschätzung und zu einem Begleiten".


In seinem eigenen Redebeitrag zur Synode werde er eintreten für wertschätzenden Umgang "mit jenen Situationen, die nicht der vollen Realität es sakramentalen christlichen Ehe entsprechen", kündigte Schönborn an. Diesen Zugang zu Ehe vertrete auch Papst Franziskus, der sich gegenüber Österreichs Bischöfe bei ihrem Ad-limina-Besuch zu Jahresbeginn dahingehend geäußert und dazu aufgefordert habe, die Menschen in der Realität ihrer Beziehungssituation zu begleiten. Die Synode solle für dieses Anliegen des Papstes einen "hermeneutischen Schlüssel" schaffen, so die Hoffnung des Wiener Erzbischofs.

 

Konkret müsse die Kirche Antworten finden auf die Tatsache, dass viele Paare ohne Trauschein zusammenleben und oft erst beim Auftreten von Kindern die Eheschließung überlegen, betonte Schönborn. Innerhalb der Theologie werde darüber diskutiert, "dass es auch außerhalb der vollen Verwirklichung der sakramentalen Gestalt der Ehe vielfältige Elemente der Wahrheit und Heiligung gibt. Eine Teilverwirklichung ist auch hier da - zwar nicht als Vollgestalt, aber doch als eine Wegetappe, bei der es dann manchmal bleibt", so der Kardinal. Einen ähnlichen "theologischen Schlüssel" habe die Kirche schon beim Konzil in ihren Aussagen über das Verhältnis zu den anderen christlichen Konfessionen verwendet. So habe man damals festgehalten, dass die Vollgestalt von Kirche in der katholischen Kirche verwirklicht sei und gleichzeitig Elemente der Wahrheit und Heiligung in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften anerkannt, führte Schönborn in Analogie aus.

 

Er wolle in der Synode weiters die Aufmerksamkeit auf den Blick von Kindern lenken, die in Trennungen und Scheidungen zurückbleiben, fuhr Schönborn fort. Im Arbeitspapier der Synode, dem "Instrumentum laboris", wie auch zuvor in den einfließenden Rückmeldungen habe er dazu "fast völliges Schweigen" vorgefunden, beklagte der Kardinal. Die Kirche laufe Gefahr, "pharisäisch zu werden", wenn sie bei der Diskussion über Geschiedene den vom Evangelium gebotenen Blick "vor allem auf die Kleinen" verabsäume. Wenn Eltern einen Rosenkrieg auf den Rücken der Kinder austragen, sei dies "ein schweres Vergehen".


 

Thematisch ging es durchaus um "heiße Eisen". Darunter waren Fragen wie der kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, Patchwork-Familien, homosexuellen Partnerschaften, die Sexualmoral, die Gefahren für die Stabilität von Familien - etwa materielle Armut und Migration -, die Situation älterer und verwitweter Menschen. Aber es ging auch um die Weitergabe des Glaubens in einem immer stärker säkularisiertem Umfeld. Eine weltweite Befragung zu diesen Themen hatte eine große Kluft zwischen dem Leben der katholischen Gläubigen und der kirchlichen Lehre offenbart.

 

Eine Fortsetzung des Familien-Themas im Vatikan wird es gleich im nächsten Jahr geben, wenn es im Herbst 2015 bei einem weiteren noch größerem Bischofstreffen erneut aufgegriffen wird. Erst nach Abschluss dieser "ordentlichen" Synode wird es - wahrscheinlich 2016 - ein abschließendes Dokument geben. Unmittelbar vor diesem Ereignis findet im September 2015 im amerikanischen Philadelphia das "Welttreffen der Familien" statt.

 

zuletzt bearbeitet von 

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