Dienstag 30. Mai 2017

Im Fußball-Fieber

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, die zwischen 12. Juni und 13. Juli 2014 die Welt in Atem hält, ist auch für die Kirche ein besonderes Ereignis: Brasilien ist das größte katholisch geprägte Land, viele Fußballer sind bekennende Katholiken und viele Kirchenvertreter bekennende Fußballfans – angefangen mit Papst Franziskus, der sich in einer Videobotschaft zur WM äußern will und laut FIFA-Chef Joseph Blatter auch beim Eröffnungsspiel in Form eines "Franziskus-Moments" präsent sein wird.

 

Eingefleischte Fußballfreunde gibt es jedoch auch in Österreichs Kirche, mit Frauenordens-Präsidentin Beatrix Mayrhofer oder den Bischöfen Franz Lackner und Ludwig Schwarz als prominenteste Beispiele. Letzterer war selbst von Kindesbeinen an aktiver Fußballer, hat u.a. über den Sport zu seiner Berufung im "Fußballer-Orden" der Salesianer Don Boscos gefunden und muss sich heute noch dafür verteidigen, als Linzer Diözesanbischof Anhänger eines Wiener Fußballklubs zu sein. Den Fußball empfiehlt Schwarz als "gute Ergänzung zur Religion".

 

Am Ende wurden Milliarden in Stadien gesteckt, die nachher nicht ausgelastet sein werden (Bischof Erwin Kräutler)

 

Die Kirche meldet sich im Fußball zu Wort, wenn diesem die Sportlichkeit abhandenkommt. Zu den prominentesten Kritikern der WM zählt der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler: Brasilien wurde von der FIFA enorm unter Druck gesetzt, und man habe auch in Städten ohne große Fußballtradition wie Brasilia oder Manaus insgesamt "Milliarden Euros in Stadien gesteckt, die nachher nicht ausgelastet sein werden", äußerte sich der Bischof der Amazonas-Diözese Xingu. Viele Brasilianer fordern aus diesem Grund – u.a. in Großdemonstrationen - "FIFA-Standards" auch für Spitäler, Bildung und Transportwesen.

 

Um Menschen auch in Österreich einen differenzierten Blick auf das große Sportereignis zu vermitteln, beteiligen sich mehrere katholische Hilfswerke an der NGO-Initiative für globales Fairplay, "Nosso Jogo" – übersetzt "unser Spiel". In zahlreichen Vorträgen und Diskussionen, Kulturveranstaltungen, Fußballturnieren, alternativen Public Viewings und Aktionen wie "Anpfiff für Kinderrechte" kommen politische, soziale und kulturelle Aspekte von Fußball, der Fußball-WM und Brasilien zur Sprache. Zudem wurde eine Online-Petition für die Einhaltung der Menschenrechte im WM-Gastgeberland gestartet.

 

zuletzt bearbeitet am 3. Juni 2014

von Henning Klingen

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