Wednesday 28. September 2016
Glauben | erklärt

Jesus von Nazaret

Wer war Jesus von Nazaret historisch betrachtet? Wie dachten Zeitgenossen über ihn - und wie wurde er zum Christus, zum Zentrum des christlichen Glaubens?

Geschichtlich ist folgendes erwiesen: Jesus wurde um das Jahr 6 vor unserer Zeitrechnung geboren, einige Jahre vor dem Tod von Herodes dem Großen. Er wuchs in Nazaret auf. Seine Mutter hieß Maria, als sein Vater galt der Zimmermann Josef. Als Jesus ca. 30 Jahre alt war, trat er mit seiner Botschaft vom nahen Reich Gottes an die Öffentlichkeit. Sein öffentliches Auftreten dauerte höchstens drei Jahre.

 

Aufgrund der Anschuldigungen des Hohen Rats verurteilten ihn die römischen Behörden zum Tod. Er wurde vor der Stadtmauer Jerusalems gekreuzigt und noch am gleichen Tag begraben. Doch kurze Zeit später verkündeten seine Jünger überall, sie hätten ihn nach seinem Tod als Lebenden erfahren.

 

Berichte von Nicht-Christen über Jesus

 

Jesus von Nazaret ist eine historisch erfassbare Persönlichkeit. Den ältesten Hinweis liefert der syrische Philosoph Mara bar Sarapion (im Jahr 73), der Jesus als "weisen König" bezeichnet, der hingerichtet wurde und in seinen neuen Gesetzen weiterlebt. Die römische Schriftsteller Plinius der Jüngere, Tacitus und Sueton verstehen die Christen (in Zeiten 80-120) als jüdische Sekte, deren Name von Christus stammt. Dieser wurde unter Pontius Pilatus seinerzeit hingerichtet.

 

Schließlich berichtet der jüdische Historiker Flavius Josephus in seiner "Weltgeschichte des jüdischen Volkes" (93) von dem weisen Lehrer, den Taten und dem gewaltsamen Tod von Jesus, der "Christus" genannt wurde.

 

 
   

Zwiegespräch

  

"Don Camillo!"

"Herr, du sprichts ja wieder mit mir!"

"Ich habe immer zu dir gesprochen, aber du hast mich nicht gehört."

"Und ich dachte schon, dieser Ort wäre von dir ganz verlassen."

"Don Camillo, wo bist du gewesen? Warum bist du nicht gekommen?"

"Ich war so beschäftigt und die Menschen sind so undankbar."

"Don Camillo, denkst du nicht zu sehr an dich in letzter Zeit?"

"Das ist mir gar nicht aufgefallen, aber wenn es so ist, verzeih mir, Herr."

"Ist schon gut, Don Camillo. Aber jetzt... "

  

(aus: Giovanni Guareschi, Die Rückkehr des Don Camillo)

  

Jesus spricht zu den Menschen. Heute. Aber wie kann das gehen? Er ist doch vor ca. 2000 Jahren gestorben. Ist ein Gespräch mit ihm nicht bloß Fantasie, so wie man manchmal mit einem Romanhelden "redet", oder eben eine gute Idee in einem Film? Was macht es glaubwürdig, dass dieser Jesus von Nazaret der Sohn Gottes war, der nach seinem Tod auferstanden ist und heute als Lebender erfahren wird?

    

Mit Jesus auf dem Weg

  

Die zentrale Botschaft Jesu lautet: Das Reich Gottes ist nahe. Gott liebt die Menschen bedingungslos. Jesus lebt diese Botschaft, ja er ist selbst diese Botschaft "in Person". Die Liebe Gottes wird offenbar durch Jesu Zuwendung zu den Menschen. Er begegnet auch denen mit Respekt und Liebe, die am Rand der Gesellschaft stehen: dem Zöllner, der Ehebrecherin, den Sündern, den Kranken und Ausgestoßenen. Er heilt, er integriert, er vegibt Sünden und lässt dabei aufblitzen, dass er mehr ist als ein freundlicher Zeitgenosse. Durch Jesus erfahren Menschen die Menschenfreundlichkeit Gottes. Gott kommt ihnen in Jesus nahe und durch Jesus kommen sie Gott näher.

 

Zeichen und Wunder

  

Die Bibel berichtet von außergewöhnlichen Taten Jesu, von Heilungen und anderen unerklärlichen Ereignissen. Dies sind Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen, Zeichen, wie nahe das Reich Gottes ist, Zeichen de Wirkens des Vaters in seinem Sohn Jesus Christus. Den tieferen Sinn verstehen aber nur jene, die glauben. Denn manchmal beobachten Menschen die außergewöhnlichen Ereignisse, sie sehen und hören - aber sie begreifen nicht. Sie stellen zwar fest, dass ein Mensch geheilt wird, aber sie regen sich auf, dass das am Sabbat geschehen musste. Sie bleiben völlig unberührt von den Wundern der Liebe, die in ihrer unmittelbaren Umgebung stattfinden.

  

 

An Jesus scheiden sich die Geister

  

Jesus stieß mit seiner Liebe nicht nur auf Gegenliebe. Sein Leben war zwar von Verständnis, Zärtlichkeit und heilender Zuwendung geprägt, aber auch von Konflikten. Viele Menschen folgten ihm, andere lehnten ihn ab. Seine Botschaft und sein Tun waren spannend, spannungsgeladen, spannungsreich. Er erfuhr Begeisterung und Widerstand, Nachfolge und Verrat. Das kann allen so gehen, die nach seinem Vorbild leben. Zwangsläufig kommt die Liebe dort in Konflikte, wo Menschen durch Ungerechtigkeit, Arroganz und Ähnliches ihre Ziele erreichen wollen, wo also "Sünde" ist. Dann sind Auseinandersetzungen unausweichlich. Aber der Einsatz lohnt sich, denn es gibt nichts Wertvolleres und Schöneres im Leben als zu lieben und an einer Welt zu arbeiten, in der es mehr Liebe gibt.

  

Das Ende ...

  

Der Anspruch Jesu, in der Vollmacht Gottes zu handeln, wird von den Mächtigen seiner Zeit als Gotteslästerung aufgefasst. In einem Schauprozess wird er zum Tod verurteilt. Der römische Statthalter Pontius Pilatus findet zwar keine Schuld, aber um einer fanatisierten Menge den Gefallen zu tun und aus politischer Rücksicht lässt er Jesus hinrichten. Jesus stirbt am Kreuz als Verachteter: ein Ende unter größten Qual. Zuletzt nur noch ein Schrei. - Ein Schrei des Todes? Ein Schrei des Sieges über den Tod? - Zurecht fragt man: Kann dieser Mensch der Sohn Gottes sein? Sieht so ein Retter und Erlöser aus? Der römische Hauptmann, der Jesus am Kreuz sterben sieht, sagt: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn. (Mt 27,54)

 

... und dann die Wende

  

Die Hinrichtung Jesu löste für seine Freunde eine große Krise aus. Sie versteckten sich oder flohen. Sie zweifelten an all ihren Hoffnungen, die zunichte gemacht waren. Eigentlich hätte jetzt alles vorbeisein müssen. Dass es dennoch weiterging, grenzt an ein Wunder.

  

Die Bibel berichtet von Begegnungen mit dem auferweckten Jesus, die Männer und Frauen zu Osterzeugen verwandeln. Weiters berichten die Evangelien vom leeren Grab Jesu. Es war bewacht worden. Sein Leichnam konnte also nicht einfach gestohlen worden sein. Was war geschehen? Und dann tritt Jesus in die Mitte seiner Jünger. Diese Erfahrung fassen Sie in die Worte: Er ist auferstanden, er lebt!

  

Durch die Auferstehung bestätigt Gott, dass Jesus von Nazaret sein geliebter Sohn ist. Seine Botschaft vom grenzenlos liebenden Gott erweist sich dem glaubenden Auge in der Auferstehung als wahr. Die Ablehnung der Menschen hindert ihn nicht, über alles menschliche Ermessen hinaus Sünde und Tod zu überwinden.

 

 

Auferstehung

  

Die Auferstehung ist das Fundament des christlichen Glaubens. So formuliert Paulus im Ersten Korintherbrief: "Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dass ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos" (1 Kor 15,13-14).

  

Bei Jesus Christus hat der Tod zum ersten Mal einen Menschen nicht festhalten können. Christen glauben, dass damit die Macht des Todes prinzipiell durchbrochen wurde. Der Tod hat auch für uns nicht mehr das letzte Wort. Die Auferstehung Jesu ist das Vorzeichen für unsere eigene Auferstehung und zugleich Vorzeichen für die Zukunft der Menschheit und der Schöpfung: Leben in Ewigkeit in Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Wie kann man sich Auferstehung vorstellen? Zwei bildhafte Vergleiche sind dabei hilfreich:

 

Keimen und Aufblühen

 

Ein Weizenkorn fällt in die Erde. Es "stirbt". Doch dann keimt es und blüht auf in einer überraschend neuen Gestalt. In ähnlicher Weise wird der Mensch, der gestorben ist,

in einer neuen Gestalt auferstehen und leben.

  

Geburt

 

Vor der Geburt ahnt das Kind nichts von der Welt außerhalb des Mutterleibes. Durch eine gewaltige "Krise" hindurch tritt es in diese neue Wirklichkeit ein. In ähnlicher Weise ahnt auch der Mensch nichts davon, wie das Leben jenseits des Todes, außerhalb seiner zugänglichen und vorstellbaren Welt aussehen wird.

 

Jesus Christus - wahrer Gott und wahrer Mensch

  

Man könnte sagen, die Liebe Jesu offenbart zugleich seine Menschlichkeit und seine Göttlichkeit. Jesus spricht in sehr vertraulicher Weise mit Gott, seinem Vater: "Abba" (Mk 14,26). Er weiß sich eins mit dem Vater (Joh 14). In Jesus offenbart sich Gott. Für seine Jünger wurde im Lauf der Zeit immer deutlicher: Er ist der verheißene Messias. Un dieses immer tiefere Erkennen Jesu gipfelt in dem Bekenntnis, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der Herr, der Gott von den Toten auferweckt hat.

  

Aber damals wie heute stellt man sich das Kommen des Sohnes Gottes anders vor: mit Macht und Herrlichkeit, Durchsetzungsvermögen, alle Not würde ein Ende haben und überall Harmonie ausbrechen. Aber das Reich Gottes, das Jesus verkündet, entspricht nicht paradiesischen Wunschvorstellungen. Es wächst dort, wo Liebe ist. Das hat schon mitten unter uns begonnen.

 

 

Und was geht mich das an?

 

Die Frage lautet eigentlich: Welche Bedeutung hat Jesus Christus für mich? Was ist das "Besondere" an ihm, das auch mich betrifft? Christen Glauben, dass in Jesus Christus die Liebe Gottes offenbar wurde. In Jesus ist Gott den Menschen nahe. In ihm hat Gott die ganze Wirklichkeit des menschlichen Lebens angenommen. In Jesus ist Gott wahrhaft Mensch geworden.

 

Zugleich offenbart Jesus, was Mensch-Sein bedeuten kann: ein Leben in Beziehung, das von einem unbedingten Gottvertrauen getragen wird. Darin liegt die Krfat, sich liebevoll allen Menschen zuzuwenden, auch denen, die es einem schwer machen oder die von anderen ausgegrenzt werden. Die Gemeinschaft mit Jesus und seine Art zu leben eröffnen auch heute die Erfahrung von Lebenssinn. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14,6), auch für dich und für mich.   

 

Ich bin bei euch

  

"Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt" (Mt 28,20), heißt es bei Matthäus. Durch seine Auferstehung tritt Jesus auf neue Art in die Gegenwart der Menschen ein. Er ist uns nahe: Im Wort des Evangeliums, in der Gemeinschaft von Christen, in den Armen und Notleidenden, in den Sakramenten ist Jesus Christus auf reale Art gegenwärtig. Besonders im Gebet ist eine persönliche Nähe zu ihm erfahrbar. Nicht nur für Don Camillo.

 

 

Jesus,

Mensch unter Menschen,

Mann mit einer Geschichte,

mit Geburtsdatum und Todesursache,

mit Hautfarbe und Nationalität,

mit Rednertalent und Zivlcourage

und mit einem Anspruch!

  

Jesus,

engagiert für alle Menschen,

für alle, ausnahmslos, alle,

freundlich zu den Unfreundlichen,

bekümmert über die Bekümmerten,

und unerbittlich gegenüber

moralischen Schwindlern

und religiösen Falschspielern!

  

Jesus,

der seinen Weg geht

von Betlehem bis Jerusalem,

von der Krippe bis zum Kreuz,

der dort den Weg anbahnt,

wo kein Ausweg scheint,

und der die Kluft

zwischen Gott und Mensch

überwindlich macht!

Wem sollen wir glauben,

wem, wenn nicht dir!

Dir glauben wir, wenn du dagst:

"Wer mich sieht, der sieht auch den Vater."

Dir glauben wir, dass du uns zeigst,

welchen Vater wir haben,

weil du unser Bruder geworden bist.

  

(Josef Dirnbeck)

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