Sonntag 26. März 2017
Glauben | erklärt

Kirche

Wie wurde aus der kleinen jesuanischen Bewegung in 2.000 Jahren eine Weltkirche? Ist diese Kirche heute noch ihren biblischen und urchristlichen Wurzeln treu?

"Grenzüberschreitungen" in der Kirche sind Zeichen ihrer Identität. Zur Kirche - dem Volk Gottes - gehören Menschen aus allen Völkern und Nationen, Generationen und gesellschaftlichen Schichten. In ihr sind Große und Kleine, Reiche und Arme, Kluge und Unbegabte, Nervensägen und „rettende Engel", Sünder und Heilige (Menschen, in denen Gott erfahrbar wird), Lebende und Verstorbene anzutreffen. Sie alle sind mit Jesus Christus verbunden und in ihm eins.

 

Wie alles begann ...

  

Die Begegnung mit dem auferweckten Jesus ist der entscheidende Impuls zur Entwicklung der Kirche. Die Erfahrung der Auferstehung ermutigt die Männer und Frauen um Jesus, sich öffentlich zu ihm zu bekennen und seine Botschaft in alle Welt hinauszutragen.

  

Wie wir uns unsere Mitmenschen nicht aussuchen können, so auch nicht jene, mit denen wir gemeinsam Kirche sind. Wir gehören zusammen mit all unseren Stärken und Schwächen, unserer Weisheit und unseren Irrtümern. Gemeinsam bauen wir im Auftrag Gottes diese Kirche - mit all unseren menschlichen und all zu menschlichen Eigenschaften. Doch wir haben ein tragfähiges Fundament: Jesus Christus und in ihm unsere gemeinsame göttliche Berufung, Töchter und Söhne eines Vaters zu sein.

 

Der Sinn von Kirche

 

Der Sinn der Kirche besteht darin, Jesus Christus in Wort und Tat zu verkünden, d.h. ihn als Sohn Gottes zu begreifen, seine Botschaft zu leben und von ihm zu erzählen. Die Kirche will zu ihm hinführen: Jesus lebt als Auferstandener mitten unter den Menschen. Man könnte dies mit Sonne und Mond vergleichen: Die Kirche ist der Mond, Jesus die Sonne. Wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert, so erhält die Kirche ihre Strahlkraft durch Jesus Christus.

 

Die Kirche ist kein Selbstzweck, sie ist für Gott und die Menschen da: In ihren Gottesdiensten ("Liturgie") feiert sie die Gegenwart Gottes. Letztlich begegnet Gott selbst den Menschen in dieser Feier. In der Nächstenliebe ("Caritas" bzw "Diakonie") erhält jeder vorbehaltlos die Hilfe, die er braucht. Das schließt Menschen auf anderen Kontinenten und Angehörige anderer Religionen ein. Die Verkündigung ("Martyrie") bringt die Botschaft Jesu den Menschen von heute nahe. Sie ist eine Einladung, "mit ihm" den Lebensweg zu gehen. Ein "Markenzeichen" ist die Gemeinschaft mit Christus und untereinander ("Communio"). - "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20).

 

Und was habe ich davon?

 

 
   

Menschen stellen diese Frage immer wieder. Darauf können viele Antworten gegeben werden, z.B.: Die Kirche bewahrt, überliefert und verkündet das Wort Gottes. Ohne Kirche würde es das nicht geben. Hier kann ich es kennen lernen. Und ich kann jederzeit prüfen, ob die Art, wie es weiter gegeben wird, der Wahrheit des gemeinsamen Glaubens entspricht oder nicht. Kirchliche Feste gehören in Österreich zur Lebenskultur (Taufe, Erstkommunion, Firmung, Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Fronleichnam). Sie sind auch ein gesellschaftlicher Reichtum. Der kirchliche Lebensrhythmus (das Kirchenjahr) entspricht einer inneren Uhr im Menschen, d.h. dass die Beachtung des kirchlichen Jahreskreises zutiefst menschlich, gesund, wohltuend und heilsam ist.

 

Durch die Kirche erhalten Menschen vielfältig Hilfe. Gerade Menschen, die am Rand stehen. Gerade Menschen, die am Rand stehen und anderswo durch das soziale Netz unserer Gesellschaft fallen, finden hier Unterstützung: Einsame, Flüchtlinge und Asylanten in ungeregelten Verhältnissen, Kranke, um die sich sonst niemand kümmert, Obdachlose usw. Die Kirche hält die Hoffnung und den Trost wach, dass Menschen als einzigartige und einmalige Persönlichkeiten nach ihrem Tod in Gemeinschaft mit Gott leben werden. Sie versinken in kein Nichts, ihr Leben steht nicht unter dem Zwang irgendeiner Selbsterlösung.

 

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