Montag 5. Dezember 2016
Glauben | erklärt

Warum überhaupt glauben?

Warum eigentlich glauben in einer durchrationalisierten Welt? Wo soll in meinem oft so gehetzten Alltag noch Platz für Gott sein?

"Das Leben ist ein Hit" - Dieser Slogan spiegelt die eine Seite heutigen Lebensgefühls wider: ein reiches Angebot an Konsumgütern, abwechslungsreiche Freizeitangebote, neue berufliche Betätigungsfelder. In unserem Land geht es vielen Menschen so gut wie nie zuvor.

  

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung gibt es allerdings auch großen Druck, nervöse Hektik, Fadesse und Frust, Einsamkeit, Aggressives und Depressives, Unzufriedenheit. Zum Leben gehört beides: Erfüllung und Leerlauf, Abwechslung und Gleichförmigkeit, Licht und Dunkel... Gerade im Alltag mit seinen Ereignissen - mit Festen und Mühen, mit Freundschaften und Entfremdungen, mit Erfolgen und Enttäuschungen - sollen Menschen wachsen, reifen und Profil gewinnen, zu Persönlichkeiten werden. Das geht nicht ohne Fehler, Rückschritte und Leerläufe.

  

Vom Leben zum Glauben

  

So wie die ganze Persönlichkeit kennt auch der Glaube Entwicklung und Reifung: Je "kindlicher" die Lebenserfahrung, desto "kindlicher" der Glaube, je reicher die Lebenserfahrung, desto weiter, tiefer und hilfreicher der Glaube.

  

Glaube in christlicher Sicht schränkt das Leben nicht ein. Echter Glaube verhilft zu eigenständigem, authentischem und ehrlichem Leben. Glaube ist eine Grundhaltung, mit der ich die Wirklichkeit wahrnehme: was mich im Tiefsten bewegt, was mich herausfordert, was möglich und was nötig ist. Glauben heißt zu allererst Vertrauen: sich auf den lebendigen Gott verlassen, sein Leben auf Gott hin und von ihm her gestalten.

 

Eine Zu-Mutung!

 

Letztlich ist Glaube eine "Zu-Mutung": Gott mehr zuzutrauen als allen anderen Mächten, Kräften, Einflüssen und Instanzen. Mit dieser Zumutung ist eine zweite verbunden: zu einem Leben, das sich den Mitmenschen öffnet - wir brauchen und können dabei nicht "perfekt" sein.

 

 

  

Der Glaube kann helfen: 

  • gelassener zu leben, weil letztlich nicht alles von mir selbst abhängt;
  • Weitherzigkeit und Weitblick zu haben, weil ein größerer Horizont als das eigene Ich da ist;
  • meine Mitmenschen wahrzunehmen und mich für andere einzusetzen, weil Jesus Christus Vorbild ist und langen Atem gibt;
  • eigene Fehler und Schuld zuzugeben und zu versuchen, es besser zu machen, weil ich mich von Gott trotzdem geliebt weiß;
  • mein Gewissen zu bilden, weil es mir umso verlässlicher Orientierung geben wird;
  • Hoffnung zu wagen und Humor zu haben, weil ich weiß, wem ich vertraue, auf wen ich setzte;
  • Meditation und Gebet zu pflegen, weil Gott hier nahe kommen und Entlastung von manchen Problemen schenken kann.

   

  

Krisen des Glaubens

  

Im Glauben gibt es auch Krisen: z.B. wenn sich der Kinderglaube als nicht mehr hilfreich für die Fragen und die Lebensgestaltung eines Jugendlichen oder Erwachsenen erweist. Oder wenn Schicksalsschläge und Enttäuschungen an der Liebe Gottes zweifeln lassen oder gar zum Verlust des Glaubens führen.

  

Wenn man eine "Krise" rechtzeitig bemerkt, wird es leichter sein, sie durchzustehen und zu bewältigen. Wenn man ihr ausweicht oder sie nicht wahrhaben will, wird eine Lösung immer schwieriger. Man soll sich deshalb nie scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man soll und darf in einer "Krise" nicht allein sein! In Krisen steckt jedoch eine Chance: sie können zu Reifestadien werden, die den Glauben vertiefen und wachsen lassen.

  

Bewährungstest

  

Es gibt ein gutes Kriterium für den Wert von Glaubensüberzeugungen: Helfen sie zu leben und sich den Herausforderungen zu stellen? Oder fördern sie eher ein Wegträumen von den Anforderungen des Lebens, so dass sich erst recht nichts ändert?

 

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