Tuesday 31. May 2016

Heiligsprechung

Bei einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz hat Papst Franziskus am Sonntagmorgen seine beiden Vorgänger Johannes XXIII. (1958-63) und Johannes Paul II. (1978-2005) zur höchsten Ehre der Altäre erhoben. Nach einer dreifachen Bitte des für Heiligsprechungen zuständigen Kurienkardinals Angelo Amato erklärte Franziskus die beiden offiziell zu Heiligen. Die Erhebungsformel des Papstes wurde von den Anwesenden auf dem Petersplatz mit lautem und langem Applaus begrüßt.

 

An der Fassade des Petersdoms hingen bereits große Porträts der beiden neuen Heiligen. Nach der offiziellen Erklärung durch Papst Franziskus wurden Reliquiare der beiden Heiligen auf den Altar gestellt. Getragen wurde die Blutampulle von Johannes Paul II. durch die Costaricanerin Floribeth Mora Diaz, die auf dessen Fürbitte von einem unheilbaren Hirn-Aneurysma genesen war. Das Reliquiar von Johannes XXII. mit Hautpartikeln des neuen Heiligen wurde von vier Neffen des Roncalli-Papstes gebracht.

 

Ein Million Menschen nehmen nach Angaben der römischen Quästur an der Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. teil. Das meldete das staatliche italienische Fernsehen an Sonntag kurz vor Beginn der feierlichen Messe. Nicht nur der Petersplatz selbst ist längst gefüllt, auch auf der anschließenden breiten Via della Conciliazione zur Engelsburg und zu den Tiberbrücken drängen sich die Menschen so, dass es kein Durchkommen mehr gibt.

 


 

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Wortlaut der Predigt von Papst Franziskus

Im Mittelpunkt dieses Sonntags, der die Osteroktav beschließt und den Johannes Paul II. der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht hat, stehen die glorreichen Wunden des auferstandenen Jesus. Schon beim ersten Mal, als Jesus am Abend des Tages nach dem Sabbat, am Tag der Auferstehung, den Aposteln erschien, zeigte er ihnen seine Wunden. An jenem Abend war aber Thomas nicht dabei. Und als die anderen ihm sagten, dass sie den Herrn gesehen hatten, antwortete er, er werde nicht glauben, bevor er jene Wunden nicht gesehen und berührt habe.

 

Acht Tage darauf erschien Jesus erneut im Abendmahlssaal inmitten der Jünger, und auch Thomas war da. Jesus wandte sich an ihn und forderte ihn auf, seine Wunden zu berühren. Und da kniete dieser ehrliche Mann, der daran gewöhnt war, alles selbst zu überprüfen, vor Jesus nieder und sagte: "Mein Herr und mein Gott!" (Joh 20,28).

 

Die Wunden Jesu sind ein Ärgernis für den Glauben, aber sie sind auch ein Nachweis für den Glauben. Darum verschwinden die Wunden am Leib des auferstandenen Christus nicht; sie bleiben, denn diese Wunden sind das ständige Zeichen der Liebe Gottes zu uns, und sie sind unerlässlich für den Glauben an Gott. Nicht um zu glauben, dass Gott existiert, sondern um zu glauben, dass Gott Liebe, Barmherzigkeit und Treue ist. Der heilige Petrus nimmt die Worte des Propheten Jesaja auf und schreibt an die Christen: "Durch seine Wunden seid ihr geheilt" (1 Petr 2,24; vgl. Jes 53,5).

 

Johannes XXIII. und Johannes Paul II. hatten den Mut, die Wundmale Jesu anzuschauen, seine verwundeten Hände und seine durchbohrte Seite zu berühren. Sie haben sich der Leiblichkeit Christi nicht geschämt, haben an ihm, an seinem Kreuz keinen Anstoß genommen; sie haben die Leiblichkeit des Mitmenschen nicht gescheut (vgl. Jes 58,7), denn in jedem leidenden Menschen sahen sie Jesus. Sie waren zwei mutige Männer, erfüllt vom Freimut des Heiligen Geistes, und haben der Kirche und der Welt Zeugnis gegeben von der Güte Gottes und von seiner Barmherzigkeit.

 

Sie waren Priester, Bischöfe und Päpste des 20. Jahrhunderts. Dessen Tragödien haben sie erfahren, sind davon aber nicht überwältigt worden. Stärker war in ihnen Gott; stärker war der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser des Menschen und Herrn der Geschichte; stärker war in ihnen die Barmherzigkeit Gottes, die sich in diesen fünf Wunden offenbart; stärker war die mütterliche Liebe Marias.

 

In diesen beiden Männern, die in der Betrachtung der Wunden Christi lebten und Zeugen seiner Barmherzigkeit waren, wohnte "eine lebendige Hoffnung" vereint mit "unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude" (1 Petr 1,3.8) - die Hoffnung und die Freude, die der auferstandene Christus seinen Jüngern schenkt und die nichts und niemand ihnen nehmen kann. Die österliche Hoffnung und die österliche Freude, die den Schmelztiegel der Entäußerung und der inneren Leere, der Nähe zu den Sündern bis zum Letzten, bis zum Überdruss angesichts der Bitterkeit dieses Kelches durchschritten haben: Das sind die Hoffnung und die Freude, mit denen die beiden heiligen Päpste vom auferstandenen Herrn beschenkt wurden und die sie ihrerseits in Fülle an das Volk Gottes verschenkt haben, wofür sie ewigen Dank empfangen.

 

Diese Hoffnung und diese Freude bildeten das Klima, in dem die Urgemeinde der Gläubigen in Jerusalem lebte, von der uns die Apostelgeschichte berichtet (vgl. 2,42-47). Es ist eine Gemeinde, in der das Wesentliche des Evangeliums gelebt wird, nämlich die Liebe und die Barmherzigkeit in Einfachheit und Brüderlichkeit.

 

Und das ist das Bild der Kirche, das dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorschwebte. Johannes XXIII. und Johannes Paul II. haben mit dem Heiligen Geist zusammengearbeitet, um die Kirche entsprechend ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen und zu aktualisieren, entsprechend der Gestalt, die ihr im Laufe der Jahrhunderte die Heiligen verliehen haben. Vergessen wir nicht, dass es gerade die Heiligen sind, die die Kirche voranbringen und wachsen lassen. In der Einberufung des Konzils hat Johannes XXIII. eine feinfühlige Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist bewiesen, hat sich führen lassen und war für die Kirche ein Hirte, ein geführter Führer. Das war sein großer Dienst an der Kirche; er war der Papst der Folgsamkeit gegenüber dem Geist.

 

In diesem Dienst am Volk Gottes ist Johannes Paul II. der Papst der Familie gewesen. So wollte er, wie er einmal sagte, in die Erinnerung eingehen: als Papst der Familie. Ich hebe das gerne hervor, da wir gerade einen Weg zur Synode über die Familie und mit den Familien beschreiten, den er vom Himmel her sicher begleitet und unterstützt.

 

Mögen diese beiden neuen heiligen Hirten des Gottesvolkes mit ihrer Fürsprache für die Kirche eintreten, damit sie in diesen zwei Jahren des Synodenweges fügsam sei gegenüber dem Heiligen Geist in ihrem pastoralen Dienst an der Familie. Mögen beide uns lehren, keinen Anstoß zu nehmen an den Wunden Christi und in das Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit einzudringen, die immer hofft und immer verzeiht, weil sie immer liebt.

Biografie Johannes Paul II (1978-2005)

Der künftige größte Heilige Polens, Papst Johannes Paul II. (1978-2005), leitete die Weltkirche 26 Jahre, 5 Monate und 16 Tage. Es war das zweitlängste Pontifikat der 2.000-jährigen Kirchengeschichte. Der Pole Karol Wojtyla war der erste nichtitalienische Papst nach 455 Jahren. Er trug entscheidend zur politischen Wende von 1989 bei. Zudem setzte er sich mit Nachdruck für die Ökumene, für eine Aussöhnung mit dem Judentum und für einen Dialog mit dem Islam ein. Wegen seiner 104 Auslandsreisen, spektakulärer Initiativen und Gesten sowie seines Einsatzes für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit verschaffte er der katholischen Kirche und dem Papsttum weltweites Ansehen. So galt Johannes Paul II. als einer der schärfsten Kritiker des Irak-Krieges.

 

In den letzten Jahren seines Lebens war er durch Krankheiten zunehmend beeinträchtigt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Dennoch mutete er sich bis zuletzt ein enormes Arbeitspensum zu.

 

Karol Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 im südpolnischen Wadowice als Sohn eines Offiziers geboren. In den Kriegsjahren und während der deutschen Besatzungszeit arbeitete er als Werksstudent in einer Fabrik und studierte im Untergrundseminar in Krakau Theologie. 1946 wurde er zum Priester, 1958 - noch unter Pius XII. - zum Bischof geweiht. 1964 machte Paul VI. ihn zum Erzbischof von Krakau und drei Jahre später zum Kardinal.

 

Am 16. Oktober 1978 wurde Karol Wojtyla als dritter Pontifex des damaligen "Drei-Päpste-Jahres" an die Spitze der Weltkirche gewählt, sechs Tage später trat er sein Amt offiziell an. Wie bereits seine unmittelbaren Vorgänger verzichtete er auf eine Inthronisation oder Krönung. Johannes Paul II. war der 265. Nachfolger des Apostels Petrus.

 

Zu den herausragenden Ereignissen seines Pontifikats zählten die 104 Auslandsreisen in 129 Länder der Welt. Dreimal besuchte Johannes Paul II. auch Österreich: 1983, 1988 und zuletzt 1998.

 

Johannes Paul II. veröffentlichte 14 Enzykliken und zahlreiche andere Lehrschreiben. Große Beachtung fanden seine Dokumente zur katholischen Soziallehre und zur Einheit der Christen. Er berief 15 Bischofssynoden ein; zudem proklamierte er rund 1.800 Heilige und Selige, mehr als all seine Vorgänger zusammen. Zu den Höhepunkten seines Pontifikats zählte das Heilige Jahr 2000, zu dem rund 30 Millionen Pilger nach Rom kamen.

 

Bei einem Attentat des Türken Ali Agca wurde Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 durch Schüsse schwer verletzt, überlebte aber dank seiner robusten Konstitution. Nach einem Sturz und einer Hüftoperation 1994 war er zunehmend gehbehindert. Als Spätfolgen des Attentats musste er sich mehreren Darmoperationen unterziehen. Im Alter von 74 Jahren machte sich zudem erstmals die Parkinsonsche Krankheit bemerkbar. Sie sollte später seine Sprechfähigkeit immer stärker einschränken.

 

In seinem Pontifikat führte Johannes Paul II. zahlreiche Neuerungen in der Kirchenleitung und der päpstlichen Amtsführung ein. Er setzte sich auch über das Protokoll und die Normen der römischen Kurie hinweg.

Biografie Johannes XXIII. (1958-1963)
Papst Johannes XXIII. (1958-1963) hat die Kirchengeschichte vor allem durch die Ankündigung und Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt. Der Papst eröffnete es im Oktober 1962 nach dreijähriger Vorbereitung, konnte es aber nicht mehr zu Ende führen. Mit seiner Forderung nach einem "Aggiornamento" ("Verheutigung") in der Kirche gab er das Leitmotiv für eine neue Ära vor. Durch seine Menschenfreundlichkeit und Bescheidenheit wurde er zu einer weit über Kirchengrenzen hinaus anerkannten und beliebten Persönlichkeit.

Weltweite Anerkennung errang der "gütige Papst" auch als Vorkämpfer für friedliche Konfliktlösungen, insbesondere während der bedrohlichen Kuba-Krise zwischen den USA und der Sowjetunion.


Toleranz und Gesprächsbereitschaft des Papstes waren Ergebnis einer harten Lebensschule. Aus seiner Herkunft aus einem armen Bauernhaus in Sotto il Monte in der Gegend von Bergamo machte er nie ein Hehl. Hier wurde Johannes XXIII. wurde am 25. November 1881 als Angelo Giuseppe Roncalli geboren.


Der Sohn einer einfachen Bauernfamilie wurde 1904 zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe förderte sein damaliger Bischof die soziale Ader Angelo Roncallis; für seinen Einsatz für Arbeiter und Gewerkschaften und wegen seiner aufgeschlossenen Haltung wurde er bald in Rom angeschwärzt, in seinen Akten fand sich der Vermerk "des Modernismus verdächtig".


Nach kurzer Tätigkeit in Rom wurde Roncalli auf die unbedeutendsten und entlegendsten Posten der damaligen päpstlichen Diplomatie abgeschoben, nach Bulgarien und Istanbul. Er selbst fühlte sich "kaltgestellt", lernte aber zugleich den Katholizismus in einer Situation der Minderheit, in einem laizistischen Staat sowie den Überlebenskampf der von den Nazis geflohenen Juden kennen.


Roncalli wurde in dieser "Verbannung" 63 Jahre alt, bis er 1944 von Pius XII. überraschend zum Nuntius in Paris bestellt wurde - zu dieser Zeit die wichtigste Drehscheibe der vatikanischen Diplomatie. Die Regierung in Paris mockierte sich - wie neue Archivforschungen ergaben - über seinen unkonventionellen Amtsstil und seine vielen Reisen durch das Land, die Christdemokraten warfen ihm seine guten Kontakte zu Sozialisten und "Radikalen" vor.


Nach dem Tod von Pius XII. wurde Roncalli am 28. Oktober 1958 zum Papst gewählt. Als die 51 Kardinäle den Patriarchen von Venedig zum neuen Papst kürten, kam bald das Wort vom "Übergangspapst" auf. Man hatte erwartet, dass der damals fast 77-Jährige seinen Lebensabend kaum mit großen Konflikten belasten würde.


Mit einer Einladung an alle Bischöfe der Weltkirche erfolgte zu Weihnachten 1961 die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils. "Wir hielten die Zeit für reif", schrieb der Papst in seiner Konstitution "Humanae salutis" vom 25. Dezember 1961, "der katholischen Kirche und der Menschheitsfamilie die Möglichkeit eines neuen Ökumenischen Konzils zu schenken".


Am 11. Oktober 1962 eröffnete der Papst die bisher letzte beschlussfassende Versammlung der rund 2.800 katholischen Bischöfe, die nach seinem Tod 1963 durch seinen Nachfolger Papst Paul VI. fortgesetzt und am 8. Dezember 1965 abgeschlossen wurde. Bei der Eröffnung fand der Roncalli-Papst Worte, die zum Leitmotiv einer kirchenhistorisch neuen Ära werden sollten. Er erklärte, er wolle den "Unglückpropheten" der Zeit "entschieden widersprechen" und sich furchtlos an die Aufgaben begeben, die das Jahrhundert an die Kirche stelle.


Zum Pontifikat Johannes' XXIII. gehören aber auch sieben Enzykliken, darunter "Mater et Magistra" (1961) über die katholische Soziallehre sowie "Pacem in Terris" (1963). In letzterer, die er "an alle Menschen guten Willens" richtete, rief er zur internationalen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit auf.


Mit zunehmender Amtsdauer wurde immer deutlicher, dass Johannes XXIII. an einem schweren Krebsleiden litt. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt rund zehn Tage vor seinem Tod sagte er zu den Hunderttausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom: "Sorgt euch doch nicht so sehr um mich. Ich bin bereit, die große Reise anzutreten. Meine Koffer sind gepackt. Ich kann jederzeit abfahren."


Sein letztendlicher Todeskampf dauerte schließlich 91 Stunden, in denen nicht nur die katholische Kirche, sondern die ganze Welt den Atem anhielt. Johannes XXIII. starb schließlich am Pfingstmontag, 3. Juni 1963, um 19.49 Uhr im Apostolischen Palast im Vatikan. Am 3. September 2000 wurde Johannes XXIII. von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Stichwort: Heiligsprechung

Die Heiligsprechung (Kanonisierung) ist in der katholischen Kirche eine feierliche Erklärung des Papstes über das vorbildlich christliche Leben eines Menschen und über seine endgültige Aufnahme zu Gott. Nach dieser sogenannten Kanonisation, die während eines Festgottesdienstes vollzogen wird, darf die betreffende Person als Vorbild und Fürsprecher weltweit verehrt werden.

 

Der Heiligsprechung geht die Seligsprechung voraus, die auf Grundlage eines kirchliches Prozess in mehrere Instanzen erfolgt. Dabei muss nachgewiesen werden, dass die Person schon zu Lebzeiten "im Ruf der Heiligkeit" stand und deswegen nach dem Tod von Gläubigen verehrt wird. Schließlich ist weiters gefordert, dass auf Fürsprache des Verstorbenen ein Wunder geschehen ist. Bei Märtyrern, die wegen "Hass auf den Glauben" ermordet wurden, wird auf den gesonderten Nachweis eines nach dem Tod gewirkten Wunders verzichtet.


Wird mit der Seligsprechung die regionale Verehrung des Seligen zugelasse, so ermöglich die Heiligsprechung die weltweite Verehrung. Grundlage dafür ist - mit Ausnahme für Märtyrer - ein weiteres bestätigtes Wunder.


In der Kirche wurden anfangs die Heiligen ohne förmlichen Prozess "zur Ehre der Altäre" erhoben. Weil es dabei zu Übertreibungen und Parteilichkeiten kam, zog der Papst den Vorgang an sich. Der erste von einem Papst Heiliggesprochene war Bischof Ulrich von Augsburg im Jahr 993.


Das Gesamtverzeichnis der Seligen und Heiligen der katholischen Weltkirche ("Martyrologium romanum") nennt rund 7.000 namentlich bekannte Selige und Heilige.


Das Wort "Heiliger" stammt vom griechischen Wort "hagios" ab, was soviel wie "gottgeweiht, heilig, sakral, fromm" bedeutet. Es wird meistens - wie etwa im Apostolischen Glaubensbekenntnis - in der Mehrzahl benutzt, "Heilige".


Heilige von biblischer Zeit bis zur Gegenwart


Im Neuen Testament (Kolosserbrief 1,2) werden alle Mitglieder der christlichen Gemeinde als "Heilige" bezeichnet. In der kirchlichen Verwendung wurde dieses Prädikat jedoch schon sehr früh auf Menschen beschränkt, die in einem besonderen Maß als tugendhaft und glaubensstark galten, so wie die Apostel und die Evangelisten.


Der erste Beleg einer Märtyrerverehrung ist der um 160 geschriebene Bericht über Polykarp von Smyrna, in der westlichen Kirche breitete sich die Märtyrerverehrung wahrscheinlich während der Verfolgungen im 3. Jahrhundert aus und verband sich unter dem Einfluss Tertullians zu einer Verehrung der Märtyrer als Heilige. Der erste Nichtmärtyrer, der als Heiliger galt, war der bis heute in Österreich und vielen Ländern sehr verehrte Martin von Tours, gestorben 397.


Seit dem Frühmittelalter wurden zunehmend entweder große Lichtgestalten der Christenheit (Kirchenlehrer, Könige, sog. "Ritter- und Soldatenheilige" usw.) oder Menschen, die ein Alternativkonzept zum alltäglichen christlichen Leben boten (Franziskus, Benedikt) vom Volk regional als Heilige verehrt. Die kirchliche Anerkennung folgte in der Regel erst später. Um von offizieller Seite Beliebigkeit und Ausufern der Heiligenkulte zu verhindern, bemühten sich die Päpste, das alleinige Recht zur Heiligsprechung und damit die Kontrolle der Heiligenverehrung zu erlangen. Im Jahr 993 fand die erste päpstliche Heiligsprechung (Ulrich von Augsburg) statt, Alexander III. dekretierte 1171 die alleinige Zuständigkeit des Papstes für Heiligsprechungen.


Zwar war die christliche Theologie stets bemüht, die Anbetung (lat. adoratio) allein Gott vorzubehalten und den Heiligen und ihren Reliquien lediglich Verehrung (lat. veneratio) zukommen zu lassen, in der Praxis waren die Ausdrucksformen und Anrufungen jedoch schon seit der Spätantike oft kaum noch unterscheidbar.


Im Mittelalter trat der Charakter der Heiligen als Vorbilder im christlichen Leben ("imitatio Christi") zugunsten der zugeschriebenen Funktionen als Helfer zurück. Die Gläubigen wählten sich zur Fürbitte gezielt Heilige aus, denen man bestimmte Attribute zuschrieb. Auch die Entwicklung des Kultes der "Vierzehn Nothelfer" fällt in diesen Zusammenhang. Die Reformation lehnte eine Rolle der Heiligen als direkte Heilsvermittler mit Verweis auf die Bibel strikt ab.


Das Zweite Vatikanische Konzil wies darauf hin, dass die Fürbitte der Heiligen bei Gott nicht "heilskonstitutiv" wie die hohepriesterliche Mittlerfunktion Christi sei.


Seit etwa den 1960er Jahren verlieren "Heiliggesprochene" als "Heilige" in weiten Teilen einer säkularisierten ("westlichen") Welt zunehmend an Bedeutung. Historische Legenden und mythische Berichte werden zurückgedrängt zugunsten zeitgeschichtlicher Erfahrungen vorbildhafter Menschen (Gandhi, Mutter Teresa, Martin Luther King), die als Vorbilder für Altruismus und Humanität dienen. Die Verehrung dieser neuen Vorbilder ist für viele nicht mehr an Konfessionen oder Religionen gebunden.


Heiligenregister "Martyrologium Romanum"


Der Katalog, der in der katholischen Kirche die größte Anerkennung genießt, ist das Martyrologium Romanum. Eine neue Ausgabe, durch die vielen Selig- und Heiligsprechungen von Papst Johannes Paul II. auf rund 7000 Einträge angewachsen, erschien im Jahr 2001 und 2004.


Das Deutsche Martyrologium "Zeugen für Christus" erschien in fünfter Auflage im Jahr 2010. Der Autor und Herausgeber im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, der Kölner Prälat Helmut Moll, nahm dafür auch Dutzende Lebensbilder von Märtyrern des 20. Jahrhunderts auf. Die Lebensbilder sind in vier Kategorien unterteilt: die Opfer der NS-Zeit, der kommunistischen Verfolgung, "Blutzeugen" aus Missionsgebieten sowie Schicksale von Mädchen und Ordensschwestern.

839 Heiligsprechungen in der Kirche der Neuzeit

In der katholischen Kirche sind seit dem Jahr 1588 insgesamt 839 Personen heiliggesprochen worden. Das geht aus einer am Samstag im Vatikan verbreiteten Statistik hervor. Die meisten davon nahm Johannes Paul II. in seinem 27-jährigen Pontifikat vor, nämlich 482. Darin sind laut der Statistik auch mehrere Gruppen von Märtyrern enthalten.

 

Mit der Konstitution "Immensa aeterna" hatte Papst Sixtus V. am 22. Januar 1588 die Heiligenverehrung neu geregelt. Die beiden ersten Heiligsprechungen erfolgten im Pontifikat von Klemens VIII. (1592-1605). Die nach Johannes Paul II. größte Zahl von Heiligen proklamierte Paul VI. (1963-78) mit 84, während Pius IX. in den Jahren 1846-78 insgesamt 52 Personen heiligsprach. Im Pontifikat von Johannes XXIII. (1958-63) gelangten 10 Personen zu Ehren der Altäre, unter Benedikt XVI. waren es 45 und unter Papst Franziskus bislang 10. Dabei sind aber auch fünf Heiligsprechungen nach einem parallelen Verfahren enthalten.



Der Heiligsprechung geht ein kirchlicher Prozess über mehrere Instanzen voraus. Dabei muss nachgewiesen werden, dass auf Fürsprache des Verstorbenen ein Wunder geschehen ist. Bei Märtyrern, die wegen "Hass auf den Glauben" ermordet wurden, wird auf den gesonderten Nachweis eines nach dem Tod gewirkten Wunders verzichtet.

Das Gesamtverzeichnis der Seligen und Heiligen der katholischen Weltkirche ("Martyrologium romanum") nennt rund 7.000 namentlich bekannte Selige und Heilige. Das Wort "Heiliger" stammt vom griechischen Wort "hagios" ab, was soviel wie "gottgeweiht, heilig, sakral, fromm" bedeutet. Es wird meistens in der Mehrzahl benutzt, "Heilige".

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Interview mit Hubert Wolf
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