Tuesday 26. July 2016

Armenhaus Europas

Ich komme soeben aus der Republik Moldau und Transnistrien zurück und möchte Ihnen die Geschichte eines Mädchens erzählen, die beispielhaft für die von tausenden Kindern in der Gegend dort ist:

 

Marina ist 8 Jahre alt und lebt in der Republik Moldau. Ihre Mutter versucht, sie und ihre 4 Geschwister irgendwie durchzubringen, der Vater ist im Gefängnis. Ihr eigentliches Zuhause ist ein Zimmer ohne Heizung, Toilette und Waschraum im Hof. Im Tageszentrum Petrushka der Caritas findet Marina Geborgenheit und Sicherheit.

 

Es ist mir bei dieser Reise extrem an die Nieren gegangen, dass ich erfahren musste, dass laut Auskunft des moldawischen Sozialministeriums die Suizidrate unter Kindern gestiegen ist.

 

Die Lebenssituation der Bevölkerung in der Republik Moldau ist von großer Armut gekennzeichnet. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die verarmten Bevölkerungsschichten sind mit niedrigen Einkommen, einer hohen Sterberate, erschwertem Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Trotz intakter Familie müssen manche Kinder in staatlichen Heimen aufwachsen, weil ihre Eltern sie nicht ernähren können.

 

 
Caritas-Präsident Küberl  

Vergangene Woche konnte ich mir selbst einen Eindruck von der Lage vor Ort machen. Es ist mir bei dieser Reise extrem an die Nieren gegangen, dass ich erfahren musste, dass laut Auskunft des moldawischen Sozialministeriums die Suizidrate unter Kindern gestiegen ist. In den Krisenzentren der Caritas, finden alleingelassene Kinder Unterschlupf. Hier bekommen sie zu essen, haben Ansprache, Hilfe bei Hausaufgaben. Sie werden dabei unterstützt, einen Schulabschluss zu machen.

 

Im Februar ruft die Caritas die Menschen Jahr für Jahr um Unterstützung für Kinder auf. Konkret für Kinder in den ärmsten Ländern Europas. Kinder sind übrigens auch ein eigener Schwerpunkt der Caritas-Auslandshilfe insgesamt. Warum ein eigener Schwerpunkt? Warum eine eigene „Kinderkampagne"?

 

Kinder sind von Armut, Hunger, Katastrophen und Obdachlosigkeit besonders stark betroffen und solchen Einflüssen fast schutzlos ausgeliefert:  Kinder können sich kaum gegen Gewalt wehren. Sie werden bei Unterernährung rascher krank. Sie können kaum etwas gegen Armut unternehmen. Damit brauchen Kinder unseren besonderen Schutz und unsere besondere Hilfe.

 

In Osteuropa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion leben 18 Millionen Kinder in extremer Armut. Viele Kinder haben keinen Zugang zu Wasser, Bildung oder ausgewogener Ernährung. Um dies zu ändern, betreibt die Caritas in den ärmsten Ländern Europas insgesamt 205 Projekte. Davon sind 158 Kinderprojekte (darunter 34 Waisenhäuser, 28 Tageszentren, 31 Schulprojekte).

 

Aus unserer Sicht ist Bildung die beste Hilfe zur Selbsthilfe. Neben einer liebevollen Betreuung und Bildung ist es ebenso wichtig, einen kindgerechten Alltag zu bieten.

 

In der Republik Moldau betreffen die Aktivitäten der Caritas in erster Linie die Betreuung und Begleitung der enorm hohen Zahl von Straßenkindern, sowie die Unterstützung junger Mütter und Förderung der Schulbildung im Allgemeinen. Aus unserer Sicht ist Bildung die beste Hilfe zur Selbsthilfe. Zunächst geht es aber darum, die elementaren Bedürfnisse sicherzustellen: Essen, Obdach, saubere Kleidung und den Zugang zu sanitären Einrichtungen. Neben einer liebevollen Betreuung und Bildung ist es ebenso wichtig, einen kindgerechten Alltag zu bieten.

 

Aber egal ob in Albanien, Weißrussland, Rumänien, in der Republik Moldau oder in der Ukraine: Überall auf der Welt gibt es Kinder, die völlig auf sich allein gestellt sind, überall müssen Kinder in entsetzlichen Verhältnissen leben. Sie sehnen sich nach Wärme und Geborgenheit, nach einem sicheren Ort und danach, sich endlich einmal satt essen zu können.

 

Sie können diesen Kindern das geben, was sie jetzt am dringendsten brauchen: einen Platz in einem Waisenhaus, liebevolle Betreuung in einem Straßenkinderzentrum, ausreichend zu essen. Nächstenliebe beginnt ganz leise. Und das sind die ersten Schritte, damit diese Kinder wieder Kraft und Hoffnung tanken können.

 

Franz Küberl

Präsident der Caritas Österreich

 

 

Caritas-Spendenkonto

Erste Bank 012-34560

BLZ 20.111

KW: Kinder in den ärmsten Ländern Europas

Online-Spenden: www.caritas.at

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