Wednesday 27. July 2016

Ukraine|Krise

Fast 1,3 Millionen Menschen haben bisher vor dem Krieg in der Ostukraine flüchten müssen. Ein Drittel davon, rund 400.000, sind Kinder. Die kriegerischen Auseinandersetzungen haben bereits mehr als 4.800 Todesopfer gefordert.

 

Landau besuchte dieser Tage Caritas-Hilfsprojekte in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und in Charkiv. Die Ukraine ist Schwerpunktland der diesjährigen Caritas-Kinderkampagne, die dieser Tage startet. Laut Angaben von UNICEF sind insgesamt an die 1,7 Millionen Kinder vom Konflikt in der Ostukraine betroffen.

 

Die Zahl der Flüchtlinge, die aus den umkämpften Gebieten um Donezk und Luhansk fliehen, wird weiter steigen - und damit wird auch der Bedarf an Lebensmitteln, Wasser, Decken, Medikamenten, winterfester Kleidung und Hygieneartikeln weiter zunehmen.

 

Die Versorgungslage werde immer schlechter und mittlerweile würden die Menschen nicht nur vor den Gefechten fliehen, sondern auch vor der Armut und der Kälte. Viele Häuser seien zerstört. Die Flüchtlinge seien dann aber zum Teil in behelfsmäßigen, schlecht beheizten Sommerlagern untergebracht, so Landau: "Im Winter kann es bis zu minus 30 Grad erreichen."

 

Wie der ukrainische Caritaspräsident Andrij Waskowycz sagte, seien die knapp 1,3 Millionen Flüchtlinge nur die offizielle Zahl der Registrierten. Die Caritas Ukraine rechne mit einer fast doppelt so hohen Dunkelziffer. Mehr als fünf Millionen Menschen in den ostukrainischen Regionen von Donezk und Luhansk müssten unter unvorstellbaren Bedingungen leben. 60 bis 80 Prozent der Kinder in diesen Regionen seien Zeugen von Gewalt. "Diese Kinder sind schwer traumatisiert", so Waskowycz. Das sei ein langfristiges Probleme, mit dem die Ukraine noch lange kämpfen werde, warnte der Caritaspräsident.

 


Ukrainischer Caritas-Präsident Waskowcz


 

Die ukrainische Bevölkerung würde große Solidarität mit den Binnenflüchtlingen zeigen, doch die Kapazitäten des Landes seien erschöpft, sagte Waskowycz weiter. Die Ukraine sei inzwischen mit der Krise völlig überfordert, auch wenn die gegenwärtige Regierung wachsendes soziales Bewusstsein zeige. "Das Land wurde von der letzten Regierung unter Janukowitsch ausgeraubt. Die Staatskasse ist leer." Das korrupte System der letzten Regierung wirke noch nach, betonte der Caritaspräsident. Waskowycz forderte die internationale Staatengemeinschaft zu mehr politischem und humanitärem Engagement auf, um die Krise zu meistern.

 

Landau nahm die österreichische Bundesregierung in die Pflicht: Diese habe bisher 700.000 Euro für Nothilfe in der Ukraine zur Verfügung gestellt. Das sei aber, angesichts des Ausmaßes der humanitären Tragödie, nicht genug. Daher rufe er die Bundesregierung auf, "angesichts der vielen, aktuellen Katastrophen und vor allem der verzweifelten Lage der Menschen in der Ukraine eine Sonderdotierung für den Auslandskatastrophenfonds zu genehmigen". Landau sprach von 20 Millionen Euro, mit denen dieser Fonds 2015 gefüllt werden solle.

 

100.000 Kinder ohne Eltern


Die aktuelle Krise erschüttere ein Land, "das bereits seit Jahren am sozialen Abgrund steht", so Landau weiter. Die Ukraine zähle heute zu den ärmsten und strukturschwächsten Ländern Europas. Laut UNICEF müssen jedes Jahr knapp 20.000 Kinder in der Ukraine in die Betreuung durch staatliche oder sonstige Einrichtungen übernommen werden. Insgesamt schätzt die Organisation die Zahl der Kinder, die ohne ihre Eltern aufwachsen, auf über 100.000.

 

Die Ukraine gehört seit Mitte der 1990er-Jahre zu den Schwerpunktländern der Auslandshilfe der Caritas Österreich. Derzeit kann die Caritas in der Ukraine in knapp 50 Projekten ca. 6.600 Menschen jährlich unterstützen. Um die soziale Krise in den Griff zu bekommen, fließen jährlich mehr als zwei Millionen Euro aus Österreich in Hilfsprojekte in der Ukraine. In der Nothilfe für die Ukraine wurden im Jahr 2014 über die Caritas Österreich zusätzlich knapp 400.000 Euro zur Verfügung gestellt.

 

Landau betonte, dass Kiew nicht weiter von Wien entfernt ist als Paris, Bregenz gleich nah wie die ukrainische Grenze:

 

Die Menschen in der Ukraine brauchen jetzt unsere Hilfe. Sie benötigen unsere Aufmerksamkeit und unsere Solidarität. Wir sind Nachbarn und sollten uns daher auch wie solche im besten Sinn des Wortes verhalten. Lassen wir unsere Nachbarn in der Ukraine nicht im Stich.

 

 

(Caritas-Spendenkonten: Erste Bank: IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, BIC: GIBAATWWXXX, PSK: IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004, BIC: OPSKATWW, Kennwort: Kinder in Not)

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"...dass der Krieg aufhört"
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"Flüchtlingszahl wird steigen"
Landau zur Ukraine-Krise
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