Friday 1. July 2016

Bischof Benno Elbs

Benno Elbs ist am Sonntagnachmittag zum vierten Bischof der Diözese Feldkirch geweiht worden. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser stand dem feierlichen Gottesdienst im vollbesetzten Feldkircher Dom vor und nahm die Weihe vor. Rund 20 Bischöfe aus dem In- und Ausland legten Elbs nach Kothgasser die Hände zur Weihe auf; u.a. Kardinal Christoph Schönborn, der Apostolische Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, die Bischöfe Manfred Scheuer, Elmar Fischer, Klaus Küng, Ludwig Schwarz, Ägidius Zsifkovics und Christian Werner. Aus dem Ausland waren u.a. Erzbischof Wolfgang Haas (Vaduz) und die Bischöfe Ivo Muser (Bozen-Brixen), Felix Gmür (Basel) und Markus Büchel (St. Gallen) gekommen. Die längste Anreise hatten Weihbischof Donal McKeown (Irland) und Bischof Moses Prakasam (Indien).

 

In seiner Predigt nahm Kardinal Christoph Schönborn den von Elbs gewählten Bischofsspruch "Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue Ihm, er wird es fügen" als Ausgang. Das Vertrauen an Gott und die Vorsehung sei im von eigenem Fleiß, Tun und Schaffen geprägten Vorarlberg "eine Herausforderung", bemerkte der Wiener Erzbischof, der auch selbst in Vorarlberg aufgewachsen ist.

 

Man könne den Spruch auch als "kritische Anfrage an so manche unserer kirchlichen Überaktivitäten" sehen, in denen alles geplant, strukturiert, organisiert sein solle. Wichtig sei etwa bei den neuen Pastoralplänen, die es derzeit überall in Österreich zu machen gelte, dass sie Pläne Gottes statt nur äußere Reorganisation seien.

 

Als "erste Aufgabe" des neuen Bischofs bezeichnete es Schönborn, Jesus ohne jede Überheblichkeit zu den Menschen zu bringen. Wichtig sei es dabei, ein "Auge und ein Herz für die Armen" zu haben, zerbrochene Herzen heilen zu helfen und mit Gefangenen aller Art - "ob eingesperrt im Gefängnis oder Gefangen im Kerker von Drogen, Alkohol oder anderer Sucht" - mitzufühlen und den Weg der Befreiung zu zeigen.

 

Elbs solle weiterhin jene Freude ausstrahlen, die in ihm ohnehin deutlich sichtbar sei, doch ströme ihm ohnehin auch "viel Liebe, viel Freude, viel Hoffnung" entgegen, bemerkte der Kardinal. Vertraue Bischof Elbs so auf Gott, würden ihn viele bei den Reformschritten begleiten und diese auch in die richtige Richtung gehen und Gottes Fügung werde ersichtlich, prophezeite Schönborn.

 

Päpstliches Ernennungsschreiben

 

Den Anfang der Zeremonie bildete der Vortrag des von Papst Franziskus geschriebenen Ernennungsbriefes. Dem Papst sei bekannt, dass Elbs "mit dem geistlichen Leben vertraut" und auch die notwendige Erfahrung "in göttlichen und menschlichen Angelegenheiten" besitze, weshalb die Wahl des Nachfolgers von Altbischof Elmar Fischer als Leiter der Diözese Feldkirch auf ihn gefallen sei, hieß es. Die Gläubigen sollen, so der Wortlaut des Briefes, "dich, wie es recht ist, als ihren geistlichen Leiter anerkennen, auf dich in angemessener Weise hören und in allen guten Dingen, die du in Angriff nimmst, tatkräftig unterstützen."

 

Der Papst empfahl Elbs und die Diözese weiters der Fürbitte der Jungfrau Maria und des seligen Carl Lampert an, der "sich um das geistliche Wohl der Menschen sehr angenommen" und nicht gezögert habe, sein Leben für Jesus, den Herrn, und die Kirche zu opfern.

 

Nuntius: Hirte nahe beim Volk

 

Der apostolische Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen sah es in seiner Grußbotschaft als "eine der wesentlichen Herausforderungen" der kommenden Jahre, "den Menschen die unverkürzte Frohbotschaft Christi in Einheit mit dem Nachfolger des Apostels Petrus zu verkünden". Auch er hob die Freude vieler bei der Bischofsernennung von Elbs hervor; Elbs sei bemüht, so der Nuntius, am Aufbau der Kirche mitzuwirken. Zurbriggen erinnerte zudem an die Worte von Papst Franziskus, demnach Bischöfe "Väter und Brüder, bescheiden, geduldig und barmherzig" sowie auch "Hirten, die nahe beim Volk sind" sein sollten.

 

Applaus für neuen Bischof

 

Zum Beginn des Gottesdienstes zog Elbs unter Applaus in den Feldkircher Dom ein. Er ging zuvor durch ein Spalier von Ministranten aus jeder Pfarre Vorarlbergs. Im Dom fanden knapp 600 geladene Gäste Platz, darunter Vertreter aus Politik und Kirche sowie die Familienangehörigen des neuen Bischofs. Vor dem Dom verfolgten rund 500 Menschen auf dem engen Domplatz auf einer Video-Leinwand den Gottesdienst mit.

 

Musikalisch wurde der Gottesdienst unter anderem vom Ensemble Lindenthal, der Kantorinnenschola der Pfarre Nüziders sowie der Veeh-Harfengruppe Saitenklinger gestaltet.

 

Mit dem Gottesdienst sollte - gemäß dem Wunsch des neuen Bischofs - auch ein Zeichen der Solidarität gesetzt werden. Die Kirchensammlung kommt der Caritas-Inlandshilfe zugute. Zudem unterstützt die Diözese ein Schulprojekt der Mariannhiller Missionsschwestern in Südafrika mit einer Spende von 20.000 Euro.

 

Wallner: Richtige Person für die Aufgabe

 

Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner verlieh in seiner Ansprache seiner Freude über die Bestellung von Benno Elbs zum Vorarlberger Bischof Ausdruck. Elbs habe in zahlreichen kirchlichen Funktionen und Ämtern - zuletzt als "umsichtiger und geduldiger Diözesanadministrator" - längst bewiesen, "dass er die richtige Person für diese große Aufgabe" sei, zudem kenne der neue Bischof die Diözese ausgezeichnet und sei auch hier geboren, aufgewachsen und verwurzelt, so der Landeshauptmann.

 

Elbs sei laut Wallner ein "begabter Seelsorger mit hohen menschlichen Qualitäten" und habe schon vor der Wahl von Franziskus zum Papst den Wunsch gezeigt, durch einfache Lebensweise den Menschen nahe zu sein. Der neue Bischof löse Konflikte, statt sie zu suchen, sei ein Mann des Dialogs und des Miteinanders, attestierte ihm der Landeshauptmann und wünschte für die Zukunft weiterhin "gute Zusammenarbeit".

 

Für seine Empfehlung von Elbs dankte Wallner namentlich Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, da dieser somit "der Meinung der Vorarlberger Gläubigen Gehör verschafft" habe. Erfreulich sei auch, dass sich Papst Franziskus bei der ersten Bischofsernennung im deutschsprachigen Raum um die Diözese Feldkirch gekümmert habe, sagte der Landeshauptmann.

 

Im Anschluss an den Gottesdienst folgte eine Agape auf dem Domplatz, wo die Gläubigen Gelegenheit hatten, ihrem neuen Bischof persönlich zu gratulieren.

 

 

 


 

Quick-Info

Was ist ein Bischof?
Nach katholischem Kirchenrecht ist das Bischofsamt für alle Ebenen der Kirchenverfassung konstitutiv. Der Diözesanbischof steht an der Spitze einer Teilkirche (Diözese). Damit ist er Mitlied des Bischofskollegiums und trägt gemeinsam mit dem Papst Sorge für die gesamte Kirche. Bischöfe - so auch der Bischof von Feldkirch - werden vom Papst ernannt, bei abweichenden Bestellungsmodalitäten werden sie vom Papst bestätigt. Das Bischofsamt ist die höchste Stufe des Weihesakramentes. Zuvor muss ein Bischof immer zum Diakon und dann zum Priester geweiht worden sein. Die Weihe zum Bischof erfolgt durch einen anderen Bischof.

Mit dem Empfang des Weihesakraments treten die Bischöfe an die Stelle der Apostel und werden in der Kirche zu Hirten bestellt. Durch das Bischofsamt wird die Lehr- und Leitungsvollmacht, die Jesus den zwölf Aposteln übertragen hat, fortgesetzt. Die Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Sakramente und der Leitungsdienst sind Kernaufgaben des bischöflichen Dienstes. Ein Diözesanbischof besitzt in jener Diözese, der er vorsteht, die volle Leitungs- und Weihegewalt.

In der Verwaltung der Diözese stützt sich der Bischof auf den Generalvikar (seinen Ständigen Vertreter), den Offizial (als Vorsteher des Kirchengerichts) und den Kanzler (als Vorsteher der bischöflichen Registratur). Das Kanzleramt ist in der Diözese Feldkirch derzeit nicht besetzt.

Weitere Priester- und Laiengremien nehmen eine beratende Funktionen ein, während sich die Bischöfe über die Diözesangrenzen hinweg in der - meist national organisierten - Bischofskonferenz zusammenarbeiten.

Der Bischof ist erster Spender der Sakramente. Ihm allein vorbehalten ist das Spenden der Weihesakramente (Bischofsweihe, Priesterweihe und Diakonenweihe) und die Firmung (diese ist an Priester delegierbar). Auch die Spendung bestimmter Sakramentalien - wie etwa die Weihe der Heiligen Öle im Rahmen der Chrisammesse und die Kirch- und Altarweihe - bleiben dem Bischof vorbehalten.

Die Bischofweihe ist eine Weihe auf Lebenszeit. Mit Vollendung des 75. Lebensjahres sind jedoch alle Diözesanbischöfe gemäß Kirchenrecht verpflichtet, dem Papst ihren Rücktritt aus dem Amt des Bischofs anzubieten.

Die Diözese Feldkirch im Überblick

Die Diözese Feldkirch ist die jüngste Diözese Österreichs. Paul VI. vollzog nach diplomatischen Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Wien die Diözesanerhebung mit der auf 8. Dezember 1968 datierten Bulle "Christi Caritas". Die feierliche Proklamation erfolgte am 14. Dezember 1968.

Ursprünglich hatte das heutige Vorarlberg zu drei auswärtigen Diözesen gehört: Der Bischof von Chur war zuständig für die Rätoromanen im südlichen Teil, während die deutschsprachigen Alemannen im nördlichen Teil zu Konstanz gehörten. Kleine Gebiete im Bereich des Tannbergs und das Kleine Walsertal gehörten zur Diözese Augsburg. Um den Einfluss auswärtiger Bischöfe auf sein Herrschaftsgebiet einzuschränken, versuchte schon Kaiser Joseph II. (1780-90), eine eigene Diözese für das Land vor dem Arlberg zu errichten.

Diese Idee lies sich freilich nicht verwirklichen, dafür wurde das Gebiet von Vorarlberg Anfang des 19. Jahrhunderts als Generalvikariat mit einem eigenen Weihbischof der Diözese Brixen unterstellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde als Provisorium die Apostolische Administratur Innsbruck errichtet, zu der auch das Generalvikariat Feldkirch gehörte. 1935 wurde der bisherige Provikar Franziskus Tschann zum Generalvikar in Feldkirch ernannt, seine Bischofsweihe erfolgte 1936. Er erlangte Berühmtheit, weil er 1938 das Empfehlungsschreiben der österreichischen Bischöfe für den "Anschluss" nicht mitunterzeichnen wollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die alte Idee einer eigenen Diözese für Vorarlberg wieder aufgegriffen. Nach schwierigen Verhandlungen kam es schließlich 1968 zur Errichtung der Diözese Feldkirch.

Zum ersten Diözesanbischof wurde Bruno Wechner ernannt. Er war bereits seit 1955 als Weihbischof und Generalvikar für Vorarlberg zuständig. Wechner wurde 1989 kurz vor seinem 81. Geburtstag von Klaus Küng abgelöst und verstarb 1999 im Alter von 91 Jahren. Küng leitete die Diözese bis zu seinem Wechsel nach St. Pölten 2004. Auf Küng folgte Bischof Elmar Fischer, der die Diözese bis 2011 leitete und von Benno Elbs als Diözesanadministrator abgelöst wurde. Benno Elbs ist demnach der vierte Bischof der Diözese Feldkirch.


» Portrait der Diözese Feldkirch

 


 

Elbs wurde 1960 in Bregenz geboren, 1986 zum Priester geweiht und war seither in vielen führenden kirchlichen Positionen in der Diözese, aber auch als Seelsorger und Religionslehrer an der kirchlichen Basis sowie als Psychotherapeut tätig.

 

Der Termin für die Bischofsweihe steht derzeit noch nicht fest. Das Kirchenrecht sieht vor, dass die Weihe binnen drei Monaten nach der Ernennung zu erfolgen hat.

 

Die Diözese Feldkirch ist die jüngste Diözese Österreichs. Sie wurde im Dezember 1968 errichtet. Zur Diözese Feldkirch gehören rund 250.000 Katholiken. Das sind rund 66 Prozent der Vorarlberger Gesamtbevölkerung. Feldkirch ist damit nach Eisenstadt die zweitkleinste Diözese Österreichs.

 

 

zuletzt bearbeitet am 30.Juni 2013

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