
Neuer Streit ums Klonen
Am Mittwoch meldete ein Forscherteam an der Healt & Science University im US-Bundesstaat Oregon die Gewinnung von Stammzellen aus einem künstlich hergestellten menschlichen Embryo. Dafür wurden Zellkerne aus Hautzellen von Erwachsenen in weibliche Eizellen verpflanzt. Um die sechs Stammzelllinien herstellen zu können, benötigten die Forscher jedoch mehr als 120 Embryonen.
Angesichts dieser Nachricht formiert sich nun auf Seiten der Lebensschützer der Widerstand: So plädiert "aktion leben" für ein ausdrückliches Verbot einer jeden Form des Klonens. Klonen erfülle keinen therapeutischen Zweck, stehe im deutlichen Widerspruch zur Würde des Menschen und sei dank anderer unbedenklicher Möglichkeiten der Stammzellgewinnung auch medizinisch bedeutungslos. Das betonte "Aktion Leben"-Generalsekretärin Martina Kronthaler am Donnerstag in einer Aussendung.
| » | Katholisch.at-Dossier Lebensschutz & Bioethik |
In Österreich sei das Klonen von Menschen nicht eindeutig geregelt, bemängelte Kronthaler. Denn während das Fortpflanzungsmedizingesetz zwar die Erzeugung von Embryonen durch Befruchtung einer Eizelle verbiete, werde das Klonen durch Kerntransfer (wie beim Schaf Dolly) ebenso wenig erfasst wie das Klonen durch Teilung von Embryonen. "Wir fordern die Regierung deshalb erneut auf, ein eindeutiges Verbot jeder Form des Klonens embryonaler Menschen zu beschließen", so Kronthaler. Sie erinnerte daran, dass Österreich im Jahr 2005 zu jenen Staaten gehörte, die für eine mehrheitlich verabschiedete Resolution der UN-Generalversammlung gegen das Klonen stimmten.
Der Vorgang des Klonens, wodurch der "embryonale Mensch zum Rohstoff für Forschung und Medizin" wird, stehe im klaren Widerspruch zur Menschenwürde, "nach der ein Mensch niemals Mittel für einen Zweck sein darf". Klonen könne nicht therapeutisch genannt werden, denn "entweder soll ein Kind durch das Klonen geboren werden, oder der so gezeugte Embryo wird danach für medizinische Forschungszwecke zerstört", erläuterte die Generalsekretärin der "Aktion Leben".
Um einen klonierten Embryo zu erzeugen, bedarf es einer gespendeten Eizelle, in die ein Zellkern eingesetzt werden kann. Dies stelle für Frauen eine unnötige Belastung dar und setze sie durch die Hormonstimulation einem hohen Gesundheitsrisiko aus. Die Technik des Klonierens würde also in erster Linie Frauen ausbeuten, so Kronthaler.
Darüber hinaus sei das Klonen auch aus rein medizinischer und ökonomischer Perspektive abzulehnen: Die Technik des Zellkerntransfers und der Kultivierung der Embryonen sei übermäßig aufwendig und teuer. Und durch die bereits gegebene Möglichkeit, Stammzellen aus den ethisch unbedenklichen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) zu gewinnen, sei das Klonen überflüssig. Denn iPS-Zellen können bereits auf dem Wege einer künstlichen Umwandlung von nicht-pluripotenten Körperzellen gewonnen werden.
Auch US-Bischöfe und EU-Parlamentarier gegen Klonierung
Auch die US-amerikanische Bischofskonferenz (USCCB) hat sich gegen die Klonierung von Menschen ausgesprochen. Auch wenn diese Methode der Forschung dienen solle, werde sie zweifellos von denen aufgegriffen, die einmal geklonte Kinder herstellen wollten, warnte das USCCB-Komitee für Lebensschutz in einer am Mittwoch in Washington veröffentlichten Stellungnahme. Das Klonen von Menschen sei "kein Fortschritt für die Menschheit, sondern das Gegenteil."
Die Forschungen des Wissenschaftlerteams an der Health & Science University in Oregon seien auf mehreren Ebenen bedenklich. So seien mehr als 120 Embryonen erzeugt und zerstört worden, um sechs Stammzelllinien herzustellen. Die Gewinnung der benötigten Eizellen habe "gesunde Frauen Prozeduren unterzogen, die deren Gesundheit und Fruchtbarkeit aufs Spiel setzten". Das von den Wissenschaftlern angegebene Ziel, genetisch passende Stammzellen für Forschung und mögliche Therapien zu erhalten, sei bereits durch andere Methoden "ohne diese schweren moralischen Mängel" erreichbar, so die USCCB.
Auch im Europaparlament formiert sich Widerstand: So bezeichnete etwa der gesundheitspolitische Sprecher der Christdemokraten im Europäischen Parlament, Peter Liese, das Klonen von menschlichen Embryonen als medizinisch und ethisch falschen Weg. Ungelöst seien etwa das Problem unkontrollierten Tumorwachstums. Außerdem gebe es bislang keinen Patienten, der durch Therapien auf der Basis der Klonforschung geheilt worden wäre. Vielversprechend hingegen seien Versuche auf Basis der Forschung an adulten Stammzellen.
Quelle: Katholisch.at | Kathpress