Freitag 24. März 2017

Bischofskonferenz 2017

Bei den Beratungen der österreichischen Bischöfe vom 13. Bis 16. März in der Propstei St. Gerold ging es u.a. um die Themen Integration, die Pfarrgemeinderatswahlen, Hilfe für Christen im Irak und Nachhaltigkeit.

Pfarrgemeinderatswahl 2017

Alle fünf Jahre haben in der Katholischen Kirche die Gläubigen das Wort: Dann wählen 4,57 Millionen stimmberechtigte Katholiken in 3.000 Pfarren ihre rund 30.000 Vertreter auf Pfarrgemeinde-Ebene. Nächster Wahltermin ist der 19. März 2017. Die diesjährige Wahl steht unter dem Motto "Ich bin da.für". Wahlberechtigt sind am 19. März alle Katholiken, die das 14. bzw. 16. Lebensjahr vollendet haben. Anders als bei politischen Wahlen sind bei der Pfarrgemeinderats-Wahl (PGR-Wahl) auch jene Katholiken stimmberechtigt, die keinen österreichischen Pass haben. Das passive Wahlalter liegt bei 16 Jahren.

Die Wahlbeteiligung liegt seit der ersten österreichweiten Wahl 1987 konstant zwischen rund 20 und 30 Prozent. Bei den letzten Wahlen 2012 lag sie bei 19,18 Prozent: 892.616 der 4.654.015 Wahlberechtigten haben 2012 28.615 Pfarrgemeinderäte - davon waren 57 Prozent Frauen - gewählt. Im März 2007 machte rund jeder fünfte wahlberechtigte Katholik (20,32 Prozent) von seinem Stimmrecht Gebrauch. Insgesamt wurden mehr als 945.000 Stimmen von katholischen Inländern und in Österreich lebenden katholischen Ausländer gezählt und exakt 28.806 Mandate vergeben.

Unterschiedliche Wahlmodelle
Gewählt wird in den einzelnen Pfarren nach unterschiedlichsten Modellen. Die PGR-Wahlordnungen der Diözesen sehen als Varianten u. a. Wahlmodelle mit Namenslisten oder die Möglichkeit einer Urwahl vor; bei letzterer benennen die Wahlberechtigten am Tag der Wahl Personen, die ihnen geeignet erscheinen. Erwartet wird, dass sich heuer der schon 2012 beobachtete Trend zur Briefwahl fortsetzt. Für jene Pfarren, in denen per Briefwahl abgestimmt wird, wurden rund eine Million Briefwahlkuverts gedruckt.

Die Pfarrgemeinderäte in der heutigen Form wurden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt, um der Mitverantwortung der Laien in der Kirche Ausdruck zu geben. Die ersten Pfarrgemeinderäte wählten die Katholiken 1969 in der Erzdiözese Salzburg und in der Diözese Graz-Seckau.

Insgesamt gehören den Pfarrgemeinderäten österreichweit rund 45.000 Personen an. Neben den gewählten Mitgliedern setzen sich die Räte auch aus amtlichen, entsandten und berufenen Mitgliedern zusammen. Rund zwei Drittel der Mitglieder werden aber durch die Wahl ermittelt.

Tag des geweihten Lebens

Am 2. Februar begeht die katholische Kirche traditionell ihren "Tag des geweihten Lebens". Papst Johannes Paul II. hatte den Tag am Kirchenfest "Mariä Lichtmess" im Jahr 1997 eingeführt, um die Wertschätzung von Orden und anderen Gemeinschaften geistlichen Lebens zu fördern. Erinnert wird dabei daran, dass Maria und Josef ihren Erstgeborenen im Tempel Gott geweiht hatten.

 

In ganz Österreich laden die regionalen Diözesankonferenzen der Männer- und Frauenorden gemeinsam mit den Bischöfen zu Gottesdiensten, Gebetszeiten und weiteren Veranstaltungen rund um den "Tag des geweihten Lebens" ein. Die Feiern sollen es ermöglichen, mit Ordensleuten in einen Dialog zu kommen und ihre Arbeit und Anliegen kennenzulernen, heißt es in einer Mitteilung des Medienbüros der Orden.

 

Der Tag des geweihten Lebens" soll bewusst machen, "was das Ordensleben in Hingabe an Gott und die Menschen in der Kirche bedeutet - in seiner Vielfältigkeit, in seiner Ausrichtung auf Gott, im Leben im Dienst und im Gebet", sagte Sr. Beatrix Mayrhofer, die Präsidentin der österreichischen Frauenorden. Ordensleute seien vor allem in unzähligen "Einzeldiensten" und in vielen Einrichtungen tätig.

 

Schönborn: Alle Christen zur Heiligkeit berufen

 

Alle Christen sind zur Nachfolge Jesu und zur Heiligkeit berufen, nicht nur Priester oder Ordensangehörige: Das hat Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt in der Vesper zum "Tag des Geweihten Lebens" im Wiener Stephansdom betont. Vor jeder speziellen Berufung gebe es die gemeinsame Berufung im Christsein, so Schönborn: "Wenn eine Ordensschwester oder ein Ordensgründer, ein Mönch oder eine Nonne heiliggesprochen werden, dann werden sie nicht wegen ihrem Stand heiliggesprochen, sondern wegen ihrer Nachfolge." Im Heiligenkalender gebe es keine Stände mehr, sondern nur mehr die Heiligen, "ob Hausfrau oder Universitätsprofessor, ob Papst oder einfache Küchenmagd". Heilig werde man nur durch die Heiligkeit und nicht durch den Stand.

 

Der Kardinal ermutigte die Ordensangehörigen, auf "Spuren der Heiligkeit" in ihrer Umgebung zu achten. Schönborn: "Bei uns im Kloster war es oft der Blick auf die Laienbrüder. Hier die Studierten, da die einfachen Laienbrüder. Das waren oft ganz besondere Schätze. Sie hatten ein ganz feines Gespür, ob wir, die Studierten, auch ein bescheidenes und demütiges Herz haben oder nicht."

 

Sr. Mayrhofer: Deutlicher Schwund bei Mitgliederzahl

 

Deutlich spürbar sei aber auch die schwindende Mitgliederzahl. "Wir müssen viele Dienste und Häuser verlassen und wissen nicht, ob wir in unserem Land eine Zukunft haben und wenn ja, welche", so Mayrhofer. Im Hintergrund stünden "verschiedene Zeitumstände, Strömungen in Gesellschaft und Kirche". Untergangstimmung wolle sie aber keine verbreiten, betonte die Ordensschweseter und verwies auf ein Schreiben der Religiosenkongregation, das die "Geweihten dazu anregt, sich mit den dringlichen Problemen dieser Zeit auseinanderzusetzen".

 

Der "Prozess des Loslassens" sei aber nicht nur auf die Ordensgemeinschaften beschränkt. "Auch unsere katholische Kirche muss lieb gewordene Pfarrgrenzen ändern und Kirchengebäude verlassen. Da ist es geradezu ein Gebot der Stunde, an die Menschen zu denken, die ihre Heimat verlassen müssen, die vertrieben werden und wissen, dass sie ein ganzes Land verlassen, in dem Christen nicht nur seit Jahrzehnten sondern seit zwei Jahrtausenden gelebt haben".

 

In Österreich gibt es derzeit 110 weibliche und 80 männliche Ordensgemeinschaften. Rund 3.900 Ordensfrauen, 1.450 Ordenspriester und 420 Ordensbrüder wirken im Land. Die 234 Ordensschulen werden von rund 50.000 Schülerinnen und Schülern besucht, in den 30 Ordensspitälern werden jährlich rund 515.000 Patienten betreut. Darüber hinaus gibt es derzeit zehn Säkularinstitute in Österreich, denen 236 Frauen und ein Mann angehören.

 

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Marlies Mostögl am 2. Februar 2017

Tag des Judentums

Das Alte Testament dient im gesellschaftlichen und kirchlichen Alltag zu oft als eine Art Negativfolie des Neuen Testamentes, ja es wird sogar ein Gegensatz zwischen dem Testament des Gesetzes und dem Testament der Liebe konstruiert, und als "alttestamentarisch" werden besondere Unmenschlichkeiten, Grausamkeiten und Grauslichkeiten bezeichnet.

 

Dabei sind das Gebot der Nächstenliebe und die Sorge um die Feinde im Alten Testament fest verankert, das Neue Testament erinnert daran. Und "Aug um Aug" war keine Strafformel, sondern eine Regelung für den zu leistenden Schadenersatz und das Schmerzensgeld, usw. Das negative Vorzeichen, mit dem das Alte Testament versehen ist, fördert, ja festigt die Ablehnung des Judentums. Zu bedenken, wie das Christentum mit seinem Antijudaismus die Shoa vorbreitet und ermöglicht hat, würde die Rede vom christlichen Europa mit jener Scham verbinden, die zur Reinigung des Gedächtnisses und zur Erneuerung christlichen Glaubens führt.

 

   
   

Prof. Martin Jäggle, Religionspädagoge,

Präsident des "Koordinierungsausschusses

für christlich-jüdische Zusammenarbeit"

"Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas 'Äußerliches', sondern gehört in gewisser Weise zum 'Inneren' unserer Religion. Ihr seid unsere bevorzugten Brüder, und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder", betonte schon Johannes Paul II. Es geht darum, das Judentum als Teil der christlichen Identität wertzuschätzen, es aber dennoch in seiner Andersheit wahrzunehmen und nicht für die christliche Selbstfindung zu vereinnahmen. In dieser Spannung stehen wir.

 

Das auszubalancieren ist eine Aufgabe des christlich-jüdischen Dialogs. Papst Franziskus schrieb in 'Evangelii gaudium': "Als Christen können wir das Judentum nicht als eine fremde Religion ansehen, noch rechnen wir die Juden zu denen, die berufen sind, sich von den Götzen abzuwenden und sich zum wahren Gott zu bekehren." Und schon in seinem offenen Brief an Scalfari sagte er: "Gott ist dem Bund mit Israel immer treu geblieben, und die Juden haben trotz aller furchtbaren Geschehnisse dieser Jahrhunderte ihren Glauben an Gott bewahrt. Dafür werden wir ihnen als Kirche, aber auch als Menschheit, niemals genug danken können."

 

Jesus hat sein ganzes Leben als Jude gelebt, er hat das Gesetz erfüllt, er ist als gläubiger, thoratreuer Jude gestorben. Müsste der Satz "Gott ist Mensch geworden" da nicht konkreter formuliert werden? Etwa: "Gott ist Jude geworden?"

 

Das Christentum gewinnt sein Eigenes, indem es sich der Bedeutung seiner jüdischen Quellen bewusst wird und sich die spirituelle Bedeutung des Judesein Jesu erschließt. Jesus ist in eine einfache, thoratreue jüdische Familie in Galiläa hineingeboren worden. Deshalb war er mit der heiligen Schrift und mit dem damaligen religiösen Leben seines Volkes so vertraut: Er selbst war beschnitten, die Psalmen waren sein Gebetbuch, der Sabbat war ihm heilig, die großen Feste hat er gefeiert.

 

Seine Botschaft vom Reich Gottes, das nahe gekommen ist, hat Parallelen im so wichtigen Kadisch-Gebet, das er, wie Juden nicht nur seiner Zeit oftmals am Tag gesprochen hat. Dort heißt es: "…sein Reich erstehe in eurem Leben in euren Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel, schnell und in nächster Zeit, sprecht: Amen! ..."

 

Jesus hat sein ganzes Leben als Jude gelebt, er hat das Gesetz erfüllt, er ist als gläubiger, thoratreuer Jude gestorben. Müsste der Satz "Gott ist Mensch geworden" da nicht konkreter formuliert werden? Etwa: "Gott ist Jude geworden?"

 

Als Katholik weiß ich um meine Wurzeln im Judentum. Jesus selbst war praktizierender Jude und viele Traditionen und Gebete stammen von unseren jüdischen Müttern und Vätern. Ohne das Judentum hätte das Christentum niemals entstehen können.

 

Alle haben die Möglichkeit und Verpflichtung, sich die Bedeutung des bleibenden Judeseins Jesu auch persönlich, existentiell anzueignen. Dies vertieft den christlichen Glauben, schafft einen fruchtbaren Boden für die Freundschaft mit dem jüdischen Volk heute und macht immun gegenüber den teuflischen Versuchungen jeglichen Antisemitismus und der Judenfeindschaft.

 

Vielleicht wird dann eines Tages die Antwort nicht mehr so außergewöhnlich sein, die mir ein junger Theologiestudent vor drei Tagen auf die Frage geschrieben hat: "Was bedeutet für Sie katholisch sein?" Er begann seine Antwort nämlich folgendermaßen:

 

"Als Katholik weiß ich um meine Wurzeln im Judentum. Jesus selbst war praktizierender Jude und viele Traditionen und Gebete stammen von unseren jüdischen Müttern und Vätern. Ohne das Judentum hätte das Christentum niemals entstehen können. Gleichzeitig bin ich dankbar für die jüdische Tradition und Philosophie, weil ich aus ihr für meinen Glauben wertvolle Impulse annehmen darf. Ich bin den Psalmen – der herausragenden jüdischen Gebetsliteratur sehr verbunden. Sehr bereichernd erfahre ich auch die jüdische Tradition des Sabbats. Ein bewusstes Heraustreten aus der Zeit und Hineingehen in Gottes Ewigkeit. Ewigkeit als immerwährender Augenblick. Eine Einübung im Sabbat. Oder wie es Rabbi Heschel beschreibt: 'Ein Siebentel seines Lebens verbringt der gläubige Jude im Paradies.'"

 

Dass dies vielen Christinnen und Christen möglich wird, ist mein Wunsch am Tag des Judentums.

 

 

Prof. Martin Jäggle


lehrte Religionspädagogik an der Universität Wien

Präsident des "Koordinierungsausschusses

für christlich-jüdische Zusammenarbeit"

 

 

Weltgebetswoche für die Einheit

Buon compleanno!

Papst Franziskus ist ein Familienmensch. Immer wieder etwa zitiert er Lebensweisheiten seiner Großmutter. Rosa Margherita Bergoglio muss eine couragierte Frau gewesen sein: In der Kirche ihres norditalienischen Heimatdorfs stieg sie einmal auf die Kanzel, um Benito Mussolini den Marsch zu blasen. Angeblich war das ein Grund für die Auswanderung nach Argentinien.

 

Jedenfalls lehrte Oma Rosa den Papst das Beten: "Sie hat mir viel beigebracht in Glaubensdingen." Noch mit seinen fast 80 Jahren, heißt es, hat er einen Zettel von ihr im Gebetbuch, ein geistliches Testament an die Enkel.

 

Die Eltern, Jose Mario Francisco Bergoglio und Regina Maria Sivori, lernen sich jung kennen, in der Kirche. Sie heiraten im Dezember 1935 und bekommen fünf Kinder - Jorge ist der Älteste.

 

Feier des Ostergottesdienstes mit Papst Franziskus am Ostersonntag, 31. März 2013, auf dem Petersplatz in Rom.Bild: Papst Franziskus fährt nach dem Gottesdienst mit dem Papamobil durch die Menge der Gläubigen.
Papst Franziskus winkt bei der Begrüßung zur Generalaudienz am 5. August 2015.
Begrüßungszeremonie für Papst Franziskus im South Lawn des Weißen Hauses am 23. September 2015 in Washington. Bild: US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus klatschen.
Papst Franziskus spricht am 24. September 2015 als erster Papst vor dem Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika in Washington. Bild: Papst Franziskus bei seiner Rede vor dem Kongress.
Papst Franziskus besucht die Kirche St. Patrick am 24. September 2015 in Washington. Bild: Papst Franziskus winkt den Anwesenden.
Papst Franziskus streckt den Daumen aus - das Zeichen für "Alles Ok", bei einem Treffen mit asiatischen Jugendlichen am Solmoe Heiligtum in Dagjin am 15. August 2014. REUTERS/Ahn Young-joon/Pool (SOUTH KOREA - Tags: RELIGION PROFILE POLITICS SOCIETY
Papst Franziskus trifft am 24. September 2015 Obdachlose bei der Armenspeisung der Einrichtung Catholic charities, der größten US-amerikanischen Wohlfahrtorganisation in der Erzdiözese Washington. Bild: Papst Franziskus macht Selfies mit Obdachlosen.
Papst Franziskus besucht die Kirche St. Patrick am 24. September 2015 in Washington. Bild: Papst Franziskus begrüßt die Menschen bei seiner Ankunft.
Papst Franziskus eröffnet am 6. Oktober 2014 in der Synodenaula des Vatikan die Familiensynode, zu der Kardinäle und Bischöfe aus der ganzen Welt gekommen sind.
Eröffnung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit durch Papst Franziskus am 8. Dezember 2015 im Vatikan. Bild: Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte im Petersdom.
Eröffnung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit durch Papst Franziskus am 8. Dezember 2015 im Vatikan. Bild: Papst Franziskus betet nach der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom.
Papst Franziskus während der Generalaudienz auf dem Petersplatz am 9. Dezember 2015.
Papstreise nach Mexiko mit einem Zwischenstopp in Kuba. Bild: Papst Franziskus lacht und setzt sich am 12. Februar 2016 auf dem Flug nach Havanna einen Sombrero auf.
Willkommenszeremonie für Papst Franziskus mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Pena Nieto und seiner Frau Angelica Rivera bei der Ankunft in Mexiko-Stadt am 12. Februar 2016.
Papstreise nach Mexiko mit einem Zwischenstopp in Kuba. Bild: Papst Franziskus lässt sich am 12. Februar 2016 auf dem Flug nach Havanna für ein Selfie mit Journalisten fotografieren.
Papst Franziskus während des Einzugs zum Gottesdienst in der Basilika von Guadalupe in Mexiko-Stadt am 13. Februar 2016.
Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. umarmen sich nach der Unterzeichnung der gemeinsame Erklärung am 12. Februar 2016 am Flughafen von Havanna. Es ist das erste Treffen eines römischen Papstes mit dem Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche.
Papst Franziskus hat am 3. April 2016 auf dem Petersplatz in Rom einen Gottesdienst zum "Tag der Göttlichen Barmherzigkeit" (Dies Divinae Misericordia) gefeiert, zu dem tausende Pilger aus aller Welt angereist sind.
Papst Franziskus besucht am 29. Juli 2016 anlässlich des XXXI. Weltjugendtags das Konzentrationslager Auschwitz im polnischen Oswiecim. Er geht durch das Haupttor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei".
Im erzbischöflichen Palais in Krakau hat Papst Franziskus sich am 30. Juli 2016 mit dreizehn Jugendlichen zum Mittagessen getroffen, die sich auf dem XXXI. Weltjugendtag als Helfer engagieren. Hier machen die Teilnehmer mit einem Handy ein Selfie mit

 

Die Mutter ist eine begnadete Köchin. Den Vater Jose, Buchhalter bei der Eisenbahn, beschreiben Papstbiografen als liebevolles Familienoberhaupt. Den Sonntag begehen Eltern und Kinder mit Messbesuch und großem Mittagessen. Allerdings bringt der Vater manchmal Bürokram mit nach Hause - für Franziskus nach eigenen Worten ein Grund für seine Abneigung gegen Wirtschaftsthemen.

 

Eine der größten Krisen scheint ausgerechnet Jorges Berufung. Nur zögernd kann die so gläubige, 1981 während der Militärdiktatur verstorbene Mutter akzeptieren, dass ihr Ältester Priester werden will. Bis heute freilich lässt Franziskus nichts auf seine Mutter Regina kommen.

 

Liebesbrief als Zwölfjähriger

 

Zwar vom "anderen Ende der Welt", wie sich Bergoglio selbst unmittelbar nach seiner Papstwahl beschrieb, war er doch ein ziemlich normaler Junge, wie es scheint. Als Zwölfjähriger schrieb Jorge einem Nachbarsmädchen von schräg gegenüber, Amalia, einen Liebesbrief: Er werde ihr ein Haus kaufen - das er Amalias Überlieferung zufolge auch aufzeichnete. Ihre Eltern schritten freilich bürgerlich ein; aus dem Immobilien-Deal wurde nichts.

 

Ansonsten hatte der kleine Jorge vor allem drei Dinge im Kopf: Lesen, Religion - und Fußball. Grundstein für seine unverbrüchliche Liebe zu Atletico San Lorenzo de Almagro, dem Club seines Stadtteils Flores, waren Lorenzos Meisterjahr 1946 und ein gemeinsamer Stadionbesuch mit seiner Familie. Das Straßenkicken hat Jorge noch vor der Theologie gelernt: an der Membrillar Nummer 531, seinem Geburtshaus. Der Straßenzug in Flores im Herzen von Buenos Aires ist heute die erste Station jeder päpstlichen Stadtführung.

 

Jorges jüngste Schwester, die heute 69-jährige Maria Elena Bergoglio, ergänzt eine weitere Leidenschaft: Ihr Bruder habe als junger Mann schon immer gern am Herd gestanden: "ein großer Koch" - allerdings mit schwacher Lunge. Im 21. Lebensjahr, kurz vor der Priesterweihe, hätte ihn eine Lungenentzündung fast das Leben gekostet. Die Solidarität seiner Mitseminaristen und die Entfernung eines Teils der Lunge brachten Jorge Mario Bergoglio durch - und die katholische Kirche dorthin, wo sie an der Schwelle zum Jahr 2017 steht.

 


 

Stationen eines Lebens
  • 1936: Jorge Mario Bergoglio wird als ältestes von fünf Kindern italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren.
  • März 1958: Eintritt ins Noviziat der Gesellschaft Jesu (Jesuitenorden). Bergoglio studiert in Chile und Argentinien Geisteswissenschaften, Philosophie (Abschluss 1960) sowie Theologie.
  • Dezember 1969: Priesterweihe
  • 1973: Ewiges Gelübde bei den Jesuiten.
  • 1992: Weihbischof von Bueno Aires
  • Sommer 1997: Johannes Paul II. ernennt Bergoglio zum Erzbischof-Koadjutor und im Februar 1998 zum Erzbischof der Hauptstadtdiözese.
  • 2001: Ernennung zum Kardinal. Generalrelator der 10. Weltbischofssynode.
  • April 2005: Schon im Konklave nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. spielt Bergoglio eine wichtige Rolle. Der damals 68-Jährige soll rund 40 Stimmen auf sich vereint haben. Doch er zieht zurück, um den Weg für die Wahl von Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) frei zu machen.
  • November 2005: Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz.
  • 2011: Ende der zweiten Amtszeit als Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz. Zum Dezember bietet er Papst Benedikt XVI. mit Erreichen der kanonischen Altersgrenze von 75 Jahren seinen Amtsverzicht als Erzbischof von Buenos Aires an. Wie für Hauptstadtdiözesen üblich, belässt ihn der Papst noch weiter im Amt.
  • 13. März 2013: Bergoglio wird zum Papst gewählt. Er gibt sich in Anlehnung an den "Heiligen der Armen" den Namen Franziskus - ein Novum in der 2.000-jährigen Kirchengeschichte.
  • Juli 2013: Franziskus besucht die Mittelmeerinsel Lampedusa.
  • November 2013: In seinem ersten Lehrschreiben "Evangelii gaudium" verurteilt Franziskus die "Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht" und Verteilungsungerechtigkeit als "Wurzel der sozialen Übel".
  • Mai 2014: Bei seiner Heilig-Land-Reise nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete mahnt der Papst zu Versöhnung im Nahen Osten.
  • August 2014: Südkorea-Reise. Franziskus ruft zu Aussöhnung mit dem verfeindeten Bruderstaat Nordkorea auf. Den kommunistischen Staaten China und Vietnam bietet er Gespräche an.
  • April 2015: Franziskus bezeichnet die Verfolgung der Armenier während des Ersten Weltkriegs in einer offiziellen Rede als "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts". Die Türkei protestiert scharf und leitet diplomatische Schritte ein.
  • Juni 2015: Die Enzyklika "Laudato si" macht weltweit Schlagzeilen. Darin mahnt Franziskus einen besseren Umgang mit der Umwelt und mit den Menschen an, die in ihr leben.
  • Oktober 2015: Bei der ordentlichen Synode zu Ehe und Familie berät sich der Papst drei Wochen lang mit Bischöfen aus aller Welt. Dabei geht es - wie schon bei der vorbereitenden Synode im Herbst 2014 - unter anderem um strittige Themen wie den Umgang mit homosexuellen Paaren und mit wiederverheirateten Geschiedenen.
  • 8. November 2015: Genau zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Vatikanischen Konzils eröffnet Papst Franziskus am 8. November ein Jubiläumsjahr für die katholische Kirche.
  • November 2015: Zur Weltklimakonferenz in Paris mahnt Franziskus erneut zu ernsthaften Verhandlungen und zu einem schonenderen Umgang mit den Ressourcen.
  • Februar 2016: Beim anschließenden Besuch in Mexiko spricht der Papst über Armut, Drogenhandel, Migration und Unrecht gegenüber der indigenen Bevölkerung.
  • April 2016: Franziskus legt das mit Spannung erwartete Abschlusspapier zur Familiensynode vor. "Amoris laetitia" löst eine lebhafte innerkirchliche Debatte über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen aus. Sie gipfelt im November in einem öffentlich gemachten Brief von vier Kardinälen, die vom Papst eine Klarstellung verlangen.
  • Oktober 2016: Im schwedischen Lund eröffnet der Papst gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund das Gedenkjahr zum 500. Jahrestag der Reformation.
Gebetsmeinungen des Heiligen Vaters

Jänner

 

Februar

 

März

 

April

 

Mai

 

Juni

 

Juli

 

August

 

September

 

Oktober

 

November

 

Dezember

 


 

Die Lunge macht ihm bis heute zu schaffen. Aber sogar den Besuch im bolivianischen La Paz vergangenes Jahr meisterte er anstandslos, trotz der dünnen Luft auf 4.100 Metern Höhe. Dazu macht ihm auch die Wirbelsäule ein wenig Probleme. Trotzdem, grundsätzlich befindet er sich in einer weitgehend guten Verfassung.

 

Sein Geheimnis? Franziskus sagt, das Beten helfe ihm viel: die tägliche Messe, das Stundengebet, der Rosenkranz. Er schlafe sechs Stunden, aber fest wie ein Stein. Als im August das Erdbeben auch in Rom zahllose Menschen nachts aufschreckte, blieb der Fels der Kirche unerschüttert. Mittags pflegt der Papst nach seiner alten argentinischen Gewohnheit eine kleine Siesta zu halten. Er liebt den südamerikanischen Mate-Tee und dessen anregende Wirkung. Vor allem aber weiß Franziskus, dass er mit seinen Kräften haushalten muss: "Ich mache, was ich kann, aber nicht mehr."

 

Dabei hatte er sich für das Heilige Jahr ein beachtliches Programm auferlegt. Zusätzlich zu den wöchentlichen Generalaudienzen hielt er samstags Treffen mit Pilgergruppen. Den Auftakt in Ost- und Zentralafrika mitgerechnet, fielen in das Heilige Jahr sieben Auslandsreisen, darunter eine siebentägige Visite in Mexiko, der Weltjugendtag in Polen und die politisch nicht einfachen Besuche in Armenien sowie in Georgien und Aserbaidschan.

 

Unangekündigte Besuche mit Sozialakzent

 

An je einem Freitag im Monat besuchte Franziskus in Rom unangekündigt eine Sozialeinrichtung oder Menschen in schwierigen Situationen. Diese "Freitage der Barmherzigkeit", wie die Aktion hieß, kosteten nicht viel Zeit; aber allein aus der Erzählung des Papstes merkt man, wie emotional anstrengend diese Begegnungen waren.

 

Franziskus pflegt nach wie vor ein weites Netz von persönlichen Kontakten, telefoniert mit Freunden ebenso wie mit Häftlingen irgendwo in der Welt. Franziskus predigt und hält Ansprachen, führt Beratungen in der Kurie, gibt Interviews, verbreitet Videobotschaften. Er bewahrt sich die Freiheit zur Spontaneität, wenn es ihm dringlich scheint, bei bestimmten Menschen zu sein oder sich sehen zu lassen - sei es in der italienischen Erdbebenregion oder auf der griechischen Flüchtlingsinsel Lesbos.

 

Unterdessen zeigen einige Kardinäle immer unverhohlener Widerstand. Raymond Leo Burke etwa, ehemaliger Leiter des obersten Gerichts des Heiligen Stuhls, hat Franziskus zu einer Klarstellung seiner Aussagen zu einer möglichen Kommunion-Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen aufgefordert. Franziskus vertritt die Haltung, im Leben sei nicht alles nach dem Schwarz-Weiß-Schema zu erklären, nur hätten das einige noch nicht kapiert. Burke und andere Kardinäle verlangen vom Papst ausdrücklich ein unzweideutiges Ja oder Nein zu Fragen "absoluter moralischer Normen". Für den Fall, dass die Antwort ausbleibt, hat Burke einen "förmlichen Akt der Korrektur" angekündigt. Eine Kampfansage - von der sich der Papst freilich nicht beirren lässt.

 

Amtsverzicht erst nach Reformen

 

Benedikt XVI. erklärte mit 85 den Amtsverzicht; Franziskus machte deutlich, dass auch er einen Rücktritt nicht ausschließt. Aber noch sind die Vorhaben, die er angeschoben hat, mitten im Gang: die Reform von Kurie und Seelsorge, die Allianz der Religionen für Frieden und Gerechtigkeit, neue kirchendiplomatische Initiativen in Fernost.

 

"Je weiter wir gehen, desto mehr scheint sich der Schritt zu beschleunigen", sagte Franziskus diese Tage. Er bezog das auf die ökumenische Entwicklung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), aber es trifft auch auf ihn selbst zu.

 

 

 

Alexander Brüggemann und Burkhard Jürgens

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Vom 7. bis 11. November tagten die österreichischen Bischöfe gemeinsam mit Spitzen der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche in Eisenstadt.

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