Freitag 28. April 2017
Bischofskonferenz

Bei den Beratungen der österreichischen Bischöfe vom 13. Bis 16. März in der Propstei St. Gerold ging es u.a. um die Themen Integration, die Pfarrgemeinderatswahlen, Hilfe für Christen im Irak und Nachhaltigkeit.

Ja zur Integration, aber Nein zu einem generellen Verhüllungsverbot: Diese Positionierung in ihrer Stellungnahme zum geplanten Integrationsgesetz haben die österreichischen Bischöfe im Anschluss an ihre Frühjahrs-Vollversammlung im Stift St. Gerold (Vorarlberg) bekräftigt. Sie kritisieren in ihrer Erklärung zum Thema "Gelungene Integration" gegenwärtige "Engführungen der öffentlichen Debatte auf gesetzliche Bekleidungsvorschriften" betreffend etwa islamisches Kopftuch oder Burka. Demgegenüber brauche es eine "umfassende, differenzierte und realistische Sicht" auf alle Aspekte einer nachhaltigen Integration.

 

Zum geplanten gesetzlichen Verhüllungsverbot begründet die Bischofskonferenz ihre bereits in der Vorwoche geäußerte Kritik: "Im Grunde geht es in dieser Frage um das hohe Gut der persönlichen Freiheit. Ihr ist im Zweifelsfall gerade in unserer Gesellschaftsordnung der Vorzug zu geben." Das Anliegen, dass Integration die Bereitschaft zur Kommunikation voraussetzt, teilen die Bischöfe mit den Worten: "Wir leben in einer Kultur des offenen Gesichts, die nicht zuletzt in diesem Punkt auch christlich geprägt ist." Vollverschleierung im öffentlichen Raum sei daher ein "gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten", betonen die Bischöfe. Statt eines allgemeinen Verbotes schlagen die Bischöfe aber vor, klar zu regeln und zu begründen, in welchen konkreten Fällen das Gesicht zu zeigen ist, beispielsweise in der Schule und im Gericht. Zugleich müsse gewährleistet sein, dass "niemand aus welchen Gründen auch immer zu einer verhüllenden Bekleidung gezwungen" wird, "noch dazu, wenn sich dieser Zwang nur gegen Frauen richtet".

 

"Zentral für eine gelingende Integration ist der Spracherwerb", auch im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe, heißt es in der Erklärung. Zu vermitteln seien weiters auch die Grundsätze der Staats-, Rechts- und Gesellschaftsordnung, zu denen Österreich als demokratischer Rechtsstaat verpflichtet ist: "Wer nach Österreich kommt und hier leben will, muss die unbedingte Geltung der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und der gleichberechtigten Stellung von Mann und Frau anerkennen." In diesem Sinne und als eine Einführung in ein "Land mit christlichen Wurzeln" verstehe sich die für Asylwerber verfasste Broschüre "Grüß Gott in Österreich", die Bischofskonferenz und Integrationsfonds gemeinsam herausgeben. Integration erfordere weiters Rechtssicherheit über den Aufenthaltsstatus, Zugang zur Bildung und zum Arbeitsmarkt, zu leistbarem Wohnen, zu Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung.

 

Pfarrgemeinderatswahl 2017

 

Gegenstand der Beratungen waren außerdem die Pfarrgemeinderatswahlen, die am kommenden Wochenende österreichweit stattfinden: 4,6 Millionen Katholiken sind am 19. März aufgerufen, in 3.000 Pfarren ihre Vertreter auf Gemeindeebene zu wählen. Die Bischöfe ermuntern die Gläubigen ausdrücklich dazu, diese Chance zur Mitbestimmung des Kurses der Kirche vor Ort wahrzunehmen: "Diese Vielfalt der Charismen und Lebensgeschichten bereichert die Kirche und macht sie sensibel und tatkräftig für die Nöte, Anliegen und Hoffnungen der Mitmenschen", betonen die Bischöfe. Mit der Neuwahl der Pfarrgemeinderatsmitglieder "vollzieht sich wieder gleichsam eine frühlinghafte Erneuerung der Kirche in unserem Land", heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz.

 

Hilfen für Menschen mit Down-Syndrom

 

Aus Anlass des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März haben die Bischöfe außerdem zu mehr Wertschätzung und Hilfen für Menschen mit Down-Syndrom aufgerufen. Menschen mit Trisomie 21 sollten "eine vitale Rolle in unserem Leben und unserer Gemeinschaft spielen", erklärten sie am Freitag zum Abschluss ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in der Vorarlberger Propstei St. Gerold. Aus Anlass des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März mahnten die Bischöfe zugleich von bedrohlichen Tendenzen einer "latent vorhandenen eugenischen Grundhaltung" in der Gesellschaft. Diese sei zutiefst abzulehnen. Ausdrücklich loben die Bischöfe die gerade in der Steiermark anlaufenden Wettkämpfe "Special Olympics“ – und sie kritisierten, dass auf der anderen Seite bei pränatalen Diagnostiken immer gezielter nach Menschen mit Down-Syndrom "gefahndet" werde - "vielfach mit subtilem Druck auf die Frauen".

 

Christen im Irak nicht im Stich lassen

 

Der außenpolitische Blick der Bischöfe richtete sich u.a. auf die Situation der Christen im Irak: So unterstützen die Bischöfe den chaldäisch-katholischen Patriarch Louis Sako in seinem eindringlichen Appell an den Westen, die Christen im Irak nicht im Stich zu lassen. Die Lage im Nordirak sei dramatisch und in diesen Tagen entscheidet sich, "ob die Christen in der Region eine Zukunft haben werden, wo sie seit den Anfängen der Kirche beheimatet sind", heißt es wörtlich in einer Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz. Obwohl der IS inzwischen aus der Ninive-Ebene vertrieben wurde und die gänzliche Befreiung von Mossul immer näher rückt, stehe die Existenz der Christen vor Ort noch auf der Kippe. Wenn die Christen in der Ninive-Ebene eine Zukunft haben wollen, müssen sie möglichst rasch zurückkehren und ihre Dörfer und Städte wieder aufbauen, denn nur so können sie vor Ort auch ihre Besitzansprüche und Rechte wahren. Nicht wenige christliche Flüchtlinge haben inzwischen den Irak verlassen und sind in westliche Staaten emigriert. Die meisten Menschen wollen aber zurück in ihre Heimat.

 

Druck auf Duterte

 

Weiters haben die Bischöfe mehrere Menschenrechtsprobleme und Entwicklungsfragen besprochen, so etwa im Blick auf den Nahen Osten, die UN-"Agenda 2030" für nachhaltige Entwicklung und die Lage auf den Philippinen: In der Erklärung über "Nachhaltige Entwicklung" erinnern die Bischöfe, dass sich am 27. März das Erscheinen von "Populorum progressio", der wegweisenden Enzyklika zur kirchlichen Soziallehre und zur Entwicklungszusammenarbeit von Papst Paul VI., zum 50. Mal jährt. Sie erinnern weiter, dass Papst Franziskus im September 2015 die UNO in New York besuchte, als die Staatengemeinschaft den Beschluss zur "Agenda 2030" fasste. Die UN-Agenda sei ein hoffnungsvolles Zeichen, dass "eine positive Veränderung der Welt möglich ist und dass die Weltgemeinschaft Probleme gemeinsam lösen will und muss", betonen die Bischöfe. Die Agenda setze konkrete Ziele für die zentralen Politikbereiche von Gesundheit, Armut, Bildung, Wirtschaft, Infrastrukturen und Arbeitsplätze bis zu Energie und Umweltschutz. "

 

 

 

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