Samstag 24. Juni 2017

Suche  nach  Einheit

"Wo führen wir ehrliche Gespräche auch über das, was uns trennt?" Ganz unverfänglich steht es in den Vorschlägen für die biblische Meditation am ersten Tag der diesjährigen Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Immerhin sind diese Texte vom Weltkirchenrat und vom Vatikan gemeinsam approbiert und abgesegnet. Aber was heißt der schöne Satz eigentlich? Ist er vielleicht nur gewohnheitsmäßig über die Schreibtische in Genf und in Rom gehuscht, ohne dass sich jemand besonders viel dabei gedacht hat?

 

Ja, "wo führen wir ehrliche Gespräche auch über das, was uns trennt?" Ökumene ist in den letzten Jahrzehnten zu einer mehr oder minder ritualisierten Alltagsbeschäftigung geworden. Keiner willl dem anderen etwas zuleide tun. Gott sei Dank! Ältere werden sich zurück erinnern, welche absurden wechselseitigen "Aburteilungen" noch vor 50 oder 60 Jahren auch in Österreich unter Christen üblich waren.

 


 

Weltgebetswoche 2017

Informationen zur Weltgebetswoche 2017
Einen Weckruf, sich der frühchristlichen Einheit ihres Glaubens zu erinnern, richtet die "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" alljährlich an Gläubige in aller Welt. Die Weltgebetswoche wird traditionell vom 18. bis 25. Jänner (in der nördlichen Hemisphäre) oder zu Pfingsten (in der südlichen Hemisphäre) begangen. Während dieser Woche kommen Christen aus verschiedenen Konfessionen zusammen, um gemeinsam für die Einheit der Christenheit zu beten. Auch in Österreich sind in den acht Tagen zahlreiche Veranstaltungen in den einzelnen Diözesen vorgesehen. Die Weltgebetswoche steht heuer - national wie international - inhaltlich vor allem auch unter dem Zeichen des Reformationsjubiläums 2017, das einen starken ökumenischen Akzent hat.

Im Vorfeld der Weltgebetswoche findet seit vielen Jahren am 17. Jänner der "Tag des Judentums" statt. Das Christentum ist in seinem Selbstverständnis wesentlich mit dem Judentum verbunden; damit dies den Christen immer deutlicher bewusst wird, hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Jahr 2000 den "17. Jänner - Tag des Judentums" als Gedenktag im Kirchenjahr eingeführt. Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden und zugleich des von ihnen an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte gedenken. Den Geist dieses Tages sollen die Kirchen anschließend in die weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" weiter tragen.

 

Seither ist viel geschehen. Im Zeichen des 50-Jahr-Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils muss man daran erinnern, dass sich damals endlich auch die katholische Kirche in die ökumenische Bewegung eingeklinkt hat. Entstanden war diese Bewegung im reformatorischen Bereich – vor mehr als 100 Jahren. Aber es schadet auch nicht, daran zu erinnern, dass das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel 1920 eine Enzyklika veröffentlichte, in der alle Christen zur Wiedervereinigung aufgerufen wurden.

 

Vielleicht ist die Ökumene, auf die wir heute so stolz sind, auch eine Frucht der Leiden der orthodoxen Christen zwischen Konstantinopel und Moskau im 20. Jahrhundert, jener Leiden, an die heute niemand so gern denkt, weil sie als nicht "passend" empfunden werden?

 

Man muss sich bewusst machen, was 1920 in den Kernbereichen der Orthodoxie - im Russischen Reich und im Osmanischen Reich - im Gang war: In beiden Staatsgebilden war 1920 schon fühlbar, aber noch nicht entschieden, dass die gesamte kirchliche Struktur zerstört werden würde. Drei, vier Jahre später war die Zerstörung der Orthodoxie in beiden Fällen mehr oder minder vollzogene Tatsache. Vielleicht ist die Ökumene, auf die wir heute so stolz sind, auch eine Frucht der Leiden der orthodoxen Christen zwischen Konstantinopel und Moskau im 20. Jahrhundert, jener Leiden, an die heute niemand so gern denkt, weil sie als nicht "passend" empfunden werden?

 

Vieles ist aufgearbeitet worden, aber immer noch trennt so manches die katholischen, reformatorischen, orthodoxen Christen. Wird wirklich darüber geredet, offen und mit "dem Freimut des Evangeliums"? Viele haben den Eindruck, dass der ökumenische Dialog "schwächelt". Man blendet aus, was erreicht worden ist, schiebt beiseite, was noch trennt, und stürzt sich lieber auf die "konfessionelle Profilierung", die nur den ohnehin schon "Hundertprozentigen" der eigenen Herde Freude macht.

 

Wenn es tatsächlich um diese eine, katholische oder allgemeine Kirche geht, dann muss man auch ernsthaft darüber reden, was noch trennt.

 

Bei den ökumenischen Gottesdiensten in der Weltgebetswoche hat es sich eingebürgert, das "große" (nicaeno-constantinopolitanische) Glaubensbekenntnis zu rezitieren, in dem von der "einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche" die Rede ist (die evangelischen Freunde behelfen sich damit, statt von der "katholischen" von der "allgemeinen" Kirche zu sprechen, aber für den, der sich auskennt, kommt es auf das nämliche heraus).

 

Wenn es tatsächlich um diese eine, katholische oder allgemeine Kirche geht, dann muss man auch ernsthaft darüber reden, was noch trennt – ob es ernsthafte Konsequenzen aus dem Evangelium oder einfach nur Belastungen aus der historischen Entwicklung sind. Sonst wird die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen von Jahr zu Jahr mehr zur schönen Gewohnheit, die niemand kratzt …
 

Prof. Erich Leitenberger

Pressesprecher Stiftung "Pro Oriente" | ÖRKÖ

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