"Frau des Tuns" als Vorbild auch für Frauen von heute
"Kathpress"-Umfrage zeigt Beispielwirkung der Seligen für Gesellschaft von heute - P. Riedlsperger betont "große soziale Sensibilität und organisatorisch-politisches Gespür" Burjans
Image (img2) invalid or missing |
|
Wien, 26.01.2012 (KAP) Hildegard Burjan beeindruckt, "weil es in ihrer Zeit ungewöhnlich war als Frau mit einem Engagement so in den Vordergrund zu kommen und dass sie damals so viel Zustande gebracht hat". Mit diesen Worten hat "VinziRast-CortiHaus"-Leiterin Cecily Corti die künftige Selige gewürdigt. Corti im Gespräch mit "Kathpress": "Es kann auch heute nicht genug Frauen geben, die zum Ausdruck bringen, woran sie glauben und was ihnen wichtig ist, die sich dafür einsetzen - auch mit allen Angriffen, denen man dabei vielleicht ausgesetzt ist."
Gerade Frauen müssten "sich trauen, dafür einzustehen, was einem wichtig ist". Jeder Mensch habe eine Aufgabe, eine Form von Begabung und Stärke. Burjan habe ihre Kraft auch aus dem Glauben erhalten: "Ein sehr persönlicher Glaube, eine sehr persönliche Überzeugung, kann sehr viel bewirken", sagte Corti. Es gehe darum, sich nicht einem Mainstream anzuschließen, sondern jener Sehnsucht zu folgen, die jeder Mensch "ganz tief in sich" habe.
Mernyi: "Eine Frau des Tuns"
"Hildegard Burjan kann kein Vorbild für heute sein, sondern sie muss eines sein", betonte Willi Mernyi, Vorsitzender des "Mauthausen-Komitees", gegenüber "Kathpress": "Sie war eine Frau des Redens und des Verhandelns, aber vor allem war sie eine Frau des Tuns. Und das imponiert."
Riedlsperger: "Mit sozialer Sensibilität und politischem Gespür"
"Hildegard Burjan hat es verstanden, mit einer großen sozialen Sensibilität und organisatorisch-politischem Gespür in schwierigen Situationen initiativ zu werden." Das erklärte der Leiter der Katholischen Sozialakademie, P. Alois Riedlsperger, im "Kathpress"-Gespräch. Sie habe nicht nur das hehre Anliegen gehabt zu helfen, sondern sie hatte auch "den Realitätssinn, entsprechende Initiativen in Kooperationen mit unterschiedlichen Personen und Einrichtungen zu entwickeln". So habe sie im Parlament über Parteigrenzen hinweg Verständnis für gemeinsame Anliegen geweckt: "Das finde ich sehr beachtlich."
Burjan sei auch eine "überzeugende Persönlichkeit, weil an ihrem Leben ganze Spannungsfelder deutlich werden", erklärte P. Riedlsperger auch mit Blick auf das Motto der Seligsprechung. "Sie ist keine Frau, die abgehoben und glatt durchs Leben kommt, sondern sie musste diese Spannungen etwa zwischen politischem Engagement und Familie, Politik und Ordensgemeinschaft bzw. Kirche aushalten." So könne sie auch heute Vorbild sein, um mit Schwierigkeiten und Spannungen zu leben. Dass Burjan in ihrer Sichtweise von der Katholischen Soziallehre geprägt gewesen sei, "ist mir eine Bestätigung, wie wichtig politisch soziale Bildungsarbeit ist".
Badelt: "Braucht Sozialpolitik und soziale Arbeit"
Burjan habe "auf vorbildliche Weise gezeigt, dass es sowohl Sozialpolitik als auch soziale Arbeit braucht, um die Gesellschaft weiterzubringen", erklärte der Rektor der Wiener Wirtschaftsuniversität, Christoph Badelt, gegenüber "Kathpress": "Auf eines zu verzichten ist nicht nachhaltig. Burjan hat in ihrem Leben beides gemacht und daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen."
Greshake: "Prophetische Vorreiter-Rolle"
In der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" betonte der Dogmatiker em.Prof. Gisbert Greshake die "geradezu prophetische Vorreiter-Rolle" Burjans. In einer Zeit "himmelschreiender Ungerechtigkeiten" habe sie Initiativen für eine "neue Weise sozialen Engagements" gesetzt: Sie habe statt Mildtätigkeit in Einzelfällen "strukturelle Hilfe, strukturelle Erneuerung des Sozialwesens" urgiert.
"Dabei griff sie u. a. zu einem Mittel, dass erst 40, 50 Jahre später üblich wurde: zum Boykott-Aufruf für Waren, die unter ungerechten Bedingungen hergestellt wurden", so Greshake. "Als eine der ersten im kirchlichen Raum entdeckte sie die globale Verantwortung für die Welt." Die Aussage Burjans, sie tue alles, "weil ich mich jeden Augenblick irgendwie für das viele Traurige verantwortlich fühle, das auf der Welt geschieht", sei eine wegweisende Aussage gewesen.
Greshake kritisierte, dass politisches Engagement unter aktiven Katholiken nach wie vor eine Ausnahme sei: "Das Feld von Glaube und Kirche umfasst nicht nur 'kirchliche Berufe'." Greshake lebt inzwischen im Pflege- und Sozialzentrum Kalksburg der "Caritas Socialis".