"Ungehorsam": Theologe Tück fordert "Hörbereitschaft"
Wiener Dogmatiker in "Zeit"-Beilage "Christ&Welt": "Es wäre ein Zeichen episkopaler Arroganz, sich durch die Anliegen der Pfarrerinitiative nicht befragen zu lassen"
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Bonn, 16.05.2012 (KAP) Mit einer Bilanz der bisherigen "Ungehorsams-Debatte" hat sich der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück zu Wort gemeldet. Auf der einen Seite sei das offizielle Gespräch zwischen Pfarrerinitiative und Bischöfen mittlerweile ins Stocken geraten, auf der anderen Seite laufe die internationale Vernetzung der Initiative weiter. In dieser Situation brauche es einen "Blickwechsel": Wolle die Kirche ihrem Auftrag gerecht werden, "Licht für die Welt zu sein", und zugleich einer "sanften Verblödung gegensteuern", so müsse sie die Fragen auf die tatsächlichen pastoralen Probleme lenken, so Tück in der aktuellen "Zeit"-Beilage "Christ&Welt".
In diese Richtung weise auch der zweite Aufruf der Pfarrerinitiative: "Protest für eine glaubwürdigere Kirche". Dort könnten Bischöfe und Pfarrer an einem Strang ziehen. Es bringe nichts, der Initiative um Helmut Schüller "den Mund zu verbieten". Ein Gespräch sei nur dann aussichtsreich, "wenn beide Seiten hörbereit sind".
Die Unnachgiebigkeit der Pfarrerinitiative schade einem solchen Gespräch ebenso, wie ein bischöfliches "Nein" zu jeglichen Reformforderungen. So wäre es geradezu "ein Zeichen episkopaler Arroganz, sich durch die Anliegen der Pfarrerinitiative nicht befragen (ar-rogare) zu lassen" - etwa im Blick auf die dringenden Probleme mit geschiedenen Wiederverheirateten oder der Erneuerung der Pfarrstrukturen.
"Möglicherweise ist der Vorstoß der Pfarrerinitiative zu eng gefasst, um eine wirksame Glaubenserneuerung zu befördern", so die Befürchtung des Theologen. Die Anfragen an die Bischöfe bleiben jedoch beachtenswert: "Haben sie angemessen und kreativ genug reagiert auf die anhaltende Erosion der Volkskirche? Ist der österreichweite Dialog über Kirchenreformen, der seit den Skandalen um Kardinal Groer und Bischof Krenn gefordert wurde, nicht einfach ausgesessen worden? Hat man den 'Ungehorsam' nicht stillschweigend geduldet, ohne das Gespräch mit der Pfarrerinitiative zu suchen?"