
Dom Museum Wien zeigt ambivalente Beziehungen von Mensch und Tier
Eine profane Stubenfliege im Sarkophag, ein Papagei als Mariensymbol oder Mäuse, die mit menschlichen Körperteilen experimentieren, erzählen in der neuen Ausstellung "tierisch menschlich" im Verbund von den ambivalenten Beziehungen von Mensch und Tier. Die Schau im Dom Museum Wien zeigt von 2. Oktober bis 22. August 2027 Tiere als Begleiter, Nutztiere oder Gegenstand menschlicher Ausbeutung, als Motive in Höhlenmalereien, heiligen Schriften, Mythen und Märchen und nimmt damit die unterschiedlichen kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier in den Blick.
"Vorstellungen von Tier und Mensch sind weder naturgegeben noch unveränderlich", erklärte Museumsdirektorin Johanna Schwanberg, die die Ausstellung gemeinsam mit Vanessa Joan Müller kuratiert hat, bei einer Präsentation am Donnerstag. Sie entstünden in historischen, sozialen und kulturellen Zusammenhängen und spiegelten die jeweiligen Weltbilder einer Epoche wider. Die Schau sei keine reine Tierausstellung, sondern frage vor allem nach der Rolle des Menschen und seiner Verantwortung für andere Lebewesen. "Und sie hinterfragt kritisch die Überlegenheit des Menschen, wie sie schon in der Bibel zu finden ist", so Schwanberg.
Zugleich nehme die Ausstellung den sogenannten "Animal Turn" als Ausblick auf ein anderes Zusammenleben von Mensch und Tier, bei dem Tiere als eigenständige Lebewesen und Mitgeschöpfe betrachtet werden und das Verhältnis nicht allein durch menschliche Interessen und Vorstellungen bestimmt wird, legte Müller dar. So widmet sich ein Raum der "Koexistenz der Kreaturen", in dem etwa "Die Fischpredigt" von Oskar Laske den heiligen Antonius von Padua zeigt, dem Wasserwesen seiner Predigt lauschen. Grafiken aus Kinngait erzählen von der Mythologie der Inuit, in der Mensch und Tier zu einem Wesen werden. Ein weiteres Werk wurde von tierischen Künstlern produziert - ein Bienenstock im Keilrahmen.
350-Kilo-Hund aus dem Stephansdom
Insgesamt ist die Ausstellung in fünf Kapitel gegliedert: "Ambivalente Berührungspunkte", "Gejagt, gequält, gegessen", "Wandelbare Zeichen", "Ausgestellt und eingesperrt" und "Koexistenz der Kreaturen". Sie beschäftigen sich mit unterschiedlichen Formen der Mensch-Tier-Beziehung - von Begegnung und Nutzung über symbolische Bedeutungen und Gewalt bis hin zur Frage nach dem Zusammenleben von Mensch und Tier.
Im Themenbereich "Ambivalente Berührungspunkte" begrüßt die Besucherinnen und Besucher ein 350 Kilogramm schwerer "Hund" - ein Wasserspeier des Stephansdoms aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Hund als meistgemaltes Tiersujet der Kunstgeschichte tritt auch als Schusshund, Jagdgefährte und Statussymbol auf. Das "Porträt eines Jagdhundes" von Michael Wild aus dem Jahr 1789, eine Leihgabe des Stifts Klosterneuburg, zeigt den "Hund des Abtes". Vermutet wird aber, dass es sich nicht nur um ein Porträt des Tieres handelt, sondern dass der Abt sich in Gestalt des Hundes selbst darstellen ließ - mit einem Prunkhalsband.
Gegessen und gegessen werden
Gezeigt werden Tiere, die gegessen werden, und Tiere, die man lieber nicht im Essen haben will. Das "Selbstporträt für die Katz'" - eine Katze, die das aus Katzenfutter bestehende Haupt der Besitzerin frisst - von Luzia Hürzeler lotet Grenzen zwischen Fressen und Gefressen-Werden aus. Laut Schwanberg soll die Ausstellung auch dazu anregen, sich mit Ambivalenzen in der Tier-Mensch-Beziehung im eigenen Leben zu beschäftigen: etwa damit, was es bedeute, "die Katze am Morgen zu füttern, zu Mittag ein Wiener Schnitzel zu essen und am Nachmittag eine Motte zu erschlagen".
Grundsätzlich wolle die Ausstellung eine große Bandbreite an künstlerischen Sujets bereithalten, das für Schulklassen, Touristen und Kunstliebhaber geeignet sei. Ernste Themen stünden neben humorvollen und spielerischen Porträts. So etwa Guadalupe Salgados "Tlacuache" (2024), den die Museumsdirektorin als "Publikumsliebling" vermutet. Das rosa Opossum aus Filz verweist auf einen mesoamerikanischen Schöpfungsmythos: Das listige Tier habe den Menschen das Feuer mit seinem Schwanz gebracht, weshalb ihm dort auch keine Haare wachsen sollen.
Neben Salgado sind in der Ausstellung unter anderem Werke von Oskar Laske, Graciela Iturbide, Maria Lassnig, Alois Mosbacher, Valie Export, Alfred Kubin und Patricia Piccinini zu sehen. Die Schau vereint Arbeiten vom Mittelalter bis zur Gegenwart in unterschiedlichen Medien, darunter Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Video und Installation. Neben Werken aus den Sammlungen des Dom Museum Wien sind auch nationale und internationale Leihgaben sowie eigens für die Ausstellung entstandene Arbeiten vertreten.
(Info: https://dommuseum.at/)
Quelle: kathpress