
Spies: Theologie gegen ideologisch-politische Vereinnahmung stärken
Die Salzburger Dogmatikerin Prof. Franca Spies appelliert an die eigene theologische Zunft, sich stärker gegen ideologische bzw. politische Vereinnahmungen zur Wehr zu setzen. Beispiele seien etwa die Rückgriffe auf theologische Figuren wie den "Antichrist", den "Katechon" oder die Apokalypse durch US-Tech-Milliardär Peter Thiel. Verhindern könne man solche Vereinnahmungen religiöser Begriffe für politische Zwecke zwar nicht, "aber der Widerspruch ist natürlich unbedingt geboten", sagte Spies im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Samstag). "Zumal viele der Begriffe in völliger Entleerung ihres religiösen Sinns als symbolisch aufgeladene Identitätsmarker gesetzt werden, die vielleicht noch ein bisschen im christlichen Milieu nach Anhängern fischen sollen".
Dagegen müssten Theologie und Kirchen "differenzierte Interpretationen der Glaubensinhalte in Stellung bringen". Hilfreich sei außerdem eine "gute theologische Ausbildung" - "Die scheint mir auch heute wichtig", so Spies, die sich zuletzt als Eröffnungsrednerin bei den heurigen "Salzburger Hochschulwochen" gegen ein ideologisch verbrämtes Freund-Feind-Denken und für eine Neubestimmung katholischer Identität als dialogische Offenheit ausgesprochen hatte.
In dem "SN"-Interview zeichnete Spies die thielsche Verwendung der Begriffe Apokalyptik, Antichrist und Katechon nach. Auch wenn es sich tatsächlich um biblische Begriffe handelt, so greife Thiel dabei jedoch auf Deutungen u.a. des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt (1888-1985) zurück, dem es um eine Legitimation einer Politik des Ausnahmezustands und des antidemokratischen Autoritarismus gehe. Für Thiel sei US-Präsident Donald Trump eben jener Souverän, der über den Ausnahmezustand entscheide.
Auch die Rede von der Apokalypse diene letztlich der "Stabilisierung politischer Herrschaftsansprüche". Dagegen hielt Spies fest, dass die biblische Apokalyptik die Perspektive der Unterdrückten einspiele und das Gericht keine katastrophisches Drohszenario meine, sondern eine befreiende Hoffnungsperspektive.
Quelle: kathpress