
Ternberg-Gedenken: Appell für "Mut zum Widerspruch"
Zusammen mit Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Bischof Manfred Scheuer haben mehr als 250 Menschen auf Einladung der Katholischen Jugend (KJ) der Region Ennstal der Opfer des NS-KZ-Außenlagers Ternberg gedacht. Die Gedenkfeier, die heuer zum 18. Mal stattfand, wurde am Freitag in der heutigen Pfarrbaracke Ternberg (Bezirk Steyr-Land) abgehalten, wo früher ein Teil des Konzentrationslagers Mauthausen war. Die Gedenkrede hielt die Musikerin und Sängerin Stefanie Poxrucker, Mitglied des Dialekt-Pop-Trios "Poxrucker Sisters". Die Gedenkfeier stand gemäß dem Jahresschwerpunkt des Mauthausen Komitees Österreich unter dem Motto "Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus".
Widerstand bedeute nicht nur Empörung oder Kritik, sondern vor allem ein positives Eintreten für die Menschenwürde und die Menschenrechte, so Scheuer. In Anlehnung an die Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) erinnerte der Linzer Diözesanbischof an die "Banalität des Bösen", die sich oft nicht in einem offenen Hass, sondern in der Gewöhnlichkeit und Anpassung zeige, nach dem Motto: "Es machen sowieso alle so."
Ebenso warnte Scheuer vor Gleichgültigkeit und Verachtung gegenüber anderen Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung. Diese Haltung sei eine Wurzel von Gewalt und müsse durch Wertschätzung ersetzt werden. Der Bischof appellierte zu "Mut zum Widerstand" nach dem Vorbild des seligen Franz Jägerstätter, der letztlich aus dem Gewissen heraus wachse.
Gedenken als Auftrag
Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus sei "ein Auftrag an uns alle", betonte Landeshauptmann Stelzer. Aus dieser Verantwortung heraus gelte es, "nicht wegzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt oder entrechtet werden", und die Demokratie entschlossen zu schützen. Auch Helmut Edelmayr, Gründungsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich, rief dazu auf, die Demokratie aktiv zu verteidigen und sich gegen Ausgrenzung und menschenfeindliche Tendenzen entschieden einzusetzen. "Wenn wir Demokratie wollen, müssen wir um sie kämpfen", sagte Edelmayr.
Simon Rubasch, ehrenamtlicher kj-oö-Vorsitzender, betonte die enge Verbindung von Erinnerung und Verantwortung. Es gehe darum, "zu erinnern und dann Verantwortung zu übernehmen". Aktive Gedenkkultur, wie sie etwa in Ternberg, Mauthausen oder Wels-Gunskirchen gelebt werde, ermögliche es, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und zu verstehen, wie menschenverachtende Systeme entstehen können, um ihnen rechtzeitig entgegenzutreten.
Stefanie Poxrucker: "Nie wieder" beginnt im Alltag
Sängerin Stefanie Poxrucker trat in ihrer Gedenkrede für ein "Nie wieder" als bewusste Entscheidung in der Gegenwart ein; als solche beginne es dort, "wo aus Menschen plötzlich 'die anderen' werden" und ihnen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder politischen Gesinnung der Wert abgesprochen werde.
Poxrucker machte deutlich, dass Menschen heute Handlungsspielräume hätten und Verantwortung übernehmen könnten. "Wir können widersprechen, ohne dafür unser Leben riskieren zu müssen", betonte sie und rief dazu auf, Menschlichkeit im Alltag zu leben. Das Erinnern sei deshalb nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch eine tägliche Entscheidung für Mitmenschlichkeit und Demokratie.
Gedenkort, von Jugendlichen belebt
Das KZ-Außenlager Ternberg war zwischen 1942 und 1944 Teil des Konzentrationslagers Mauthausen. Es diente vor allem der Zwangsarbeit für Rüstungszwecke. Untergebracht waren die Häftlinge in Baracken, von denen eine - die damalige Küchenbaracke - bis heute erhalten ist und heute als Pfarrbaracke genutzt wird.
Im Rahmen der bundesweiten Jugendsozialaktion "72 Stunden ohne Kompromiss" wurde im Jahr 2008 von 45 Jugendlichen aus den damaligen Dekanaten Weyer und Steyr ein Gedenkraum im Keller der Baracke eingerichtet. Seither finden dort jährlich Gedenkfeiern statt.
Quelle: kathpress