
Innsbruck: Konzilstagebücher von P. Andreas Jungmann online
Die Konzilstagebücher des Innsbrucker Liturgie-Professors und Ordensmannes P. Josef Andreas Jungmann (1889-1975) liegen ab sofort in einer digitalen Edition online erschlossen vor. Jungmann gilt als einer der einflussreichsten Wegbereiter der liturgischen Erneuerung, die bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) begann und mit der Liturgiereform des Konzils an Fahrt aufnahm. Die am 30. September an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck präsentierte Quellenedition, über die die Universität am Dienstag in einer Aussendung berichtete, ist unter www.jungmann-portal.net abrufbar.
Josef Andreas Jungmann lehrte von 1930 bis 1956 als Professor für Pastoraltheologie an der Universität Innsbruck. Bekannt wurde er u.a. durch seine liturgiehistorischen Studien, allen voran das zweibändige Werk "Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe". Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg beriet er die römische Ritenkongregation, beim Zweiten Vatikanischen Konzil wirkte der gebürtige Südtiroler als Experte mit und prägte sowohl die Entstehung der Liturgiekonstitution als auch die vom Konzil eingeleitete Liturgiereform maßgeblich.
Zwischen 1962 und 1971 führte Jungmann ein eigenes Tagebuch mit dem Titel "Liturgie auf dem Vaticanum II". Verfasst ist es, wie viele seiner Texte, in Gabelsberger-Kurzschrift. Es dokumentiert die Vorbereitungsphase des Konzils mit den ersten Entwürfen von Konzilstexten, die Konzilszeit selbst sowie die anschließende Arbeit im Rat zur Durchführung der Liturgiekonstitution. Jungmann tritt darin sowohl als Mitgestalter als auch als kritischer Zeitzeuge auf: Er berichtet von Plenumssitzungen, von der Zusammenarbeit zwischen Experten und Konzilsvätern, von Allianzen unter reformfreundlichen Bischöfen, aber auch von Konflikten unter den Fachleuten.
Einträge zeugen von kontroversen persönlichen Diskussionen
Wie offen Jungmann dabei auch Spannungen unter Fachkollegen festhielt, zeigt ein Eintrag vom 5. Oktober 1963. Über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem französischen Liturgiewissenschaftler Aimé-Georges Martimort schreibt er: "[Er ist] in allzu vielen Dingen einfach mein Antipode. Das ist deswegen für mich umso schlimmer, weil er ein unheimlicher Diplomat und ein gewiegter Kanonist ist, und außerdem fast unbekehrbar." Solche Passagen, die in offiziellen Protokollen fehlen, zeigen, wie kontrovers selbst unter den Experten um Positionen gerungen wurde.
"Als naturgemäß subjektiv gefärbtes Zeitdokument ergänzt das Tagebuch die offiziellen Konzilsakten und eröffnet neue Perspektiven für die historische Forschung", wird der emeritierte Salzburger Liturgiewissenschaftler Rudolf Pacik in der Aussendung zitiert. "Zugleich gewährt es einen unverstellten Einblick in Jungmanns Denken, da er sich privat freier äußerte als in seinen Publikationen." Nicht zuletzt sei es ein wichtiges Dokument zur Geschichte der Universität Innsbruck: Neben Jungmann war mit Karl Rahner nur ein weiterer Professor der Theologischen Fakultät als Konzilsberater tätig.
Umgesetzt und begleitet wurde die Online-Edition von den Editionsexperten des Forschungsinstituts Brenner-Archiv der Uni Innsbruck, Markus Ender und Joseph Wang-Kathrein. Neben den Abschriften und Übertragungen aus der Original Gabelsberger-Kurzschrift werden die Texte mit einem begleitenden Kommentar editiert, der auch auf weiteres Aktenmaterial aus dem Jungmann-Nachlass verweist. Dieser befindet sich seit dem heurigen Sommer als Dauerleihgabe im Brenner-Archiv. (Link https://www.jungmann-portal.net)
Quelle: kathpress