
Burgenland: Zukunftsgespräche mit Ruf nach Freiheit fortgesetzt
Mit einem Gespräch über Freiheit, Demokratie und gesellschaftlichen Wandel sind die "Literarischen Zukunftsgespräche" der Diözese Eisenstadt in die dritte Runde gegangen. Die Religionspädagogin und Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Andrea Lehner-Hartmann, diskutierte mit dem Literaturwissenschaftler, Theologen und Religionspädagogen Lukas Pallitsch anhand von Lea Ypis Roman "Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte" über die Voraussetzungen von Freiheit und die Zukunft der Demokratie. Das von Pallitsch initiierte Bildungsformat wurde Anfang 2026 von der Diözese Eisenstadt gemeinsam mit dem Forum Katholischer Erwachsenenbildung gestartet und wird im Dezember mit einem Gespräch über das Weihnachtsevangelium fortgesetzt.
Im Mittelpunkt der Reihe stehen literarische Texte, die zum Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, religiösen und ethischen Fragen werden. Angesichts gegenwärtiger Krisen und zunehmender religiöser und kultureller Vielfalt soll das Format dazu beitragen, Orientierung zu fördern, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und Denkhorizonte zu öffnen. Pallitsch führt dabei die Gespräche mit den jeweiligen Gästen. Gefördert wird das Projekt durch die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB).
Freiheit mehr als Abwesenheit von Diktatur
Beim jüngsten Abend vergangenen Donnerstag im Weinwerk Burgenland in Neusiedl am See stand Ypis autobiografischer Roman "Frei" im Mittelpunkt. Darin schildert die albanische Autorin ihre Kindheit in der kommunistischen Diktatur und die Ernüchterung nach deren Ende 1990. "Das Buch zeigt eindrücklich, dass das Ende einer Diktatur nicht automatisch im Paradies mündet. Freiheit kam für viele Menschen wie ein gefroren serviertes Gericht: Man kaute hastig, wurde aber nicht satt", fasste Pallitsch die historische Wende zusammen, die in Albanien rasch von Arbeitslosigkeit, Massenflucht und Chaos abgelöst wurde.
Dekanin Lehner-Hartmann, die Albanien vor Kurzem selbst bereiste, knüpfte daran eine deutliche Warnung für die Gegenwart an: "Freiheit bedeutet mehr als nur die Abwesenheit staatlicher Regeln. Sie braucht soziale Bedingungen und Gerechtigkeit, damit Menschen ihr Leben tatsächlich gestalten können." Mit Blick auf weltweite Krisen und politische Polarisierungen mahnte die Universitätsprofessorin zur Wachsamkeit: "Demokratie ist kein Besitzstand, den man einmal erreicht und für immer behält. Sie kann mit ihren eigenen demokratischen Mitteln abgeschafft werden. Demokratie muss jeden Tag neu gelernt, ausgehandelt und gelebt werden."
Lukasevangelium, Stavarics und Trojanow
Die Reihe wird am 3. Dezember mit einem Gespräch über das Weihnachtsevangelium nach Lukas fortgesetzt. Zu Gast bei Pallitsch ist der Theologe und Bibelwissenschaftler Martin Stowasser. Für 2027 stehen bereits zwei weitere Termine fest: Am 4. Februar geht es mit dem Literaturwissenschaftler Wynfrid Kriegleder um Michael Stavarics "Gotland", am 9. April spricht die Theologin und Religionssoziologin Regina Polak über Ilija Trojanows "Nach der Flucht". Die Gespräche beginnen jeweils um 19 Uhr im Weinwerk Burgenland in Neusiedl am See. (Infos: www.martinus.at/literatur)
Quelle: kathpress