
Graz-Seckau: Neues Leitungsduo setzt auf "synodalen Erfahrungsraum"
Die Kirche müsse angesichts gesellschaftlicher Veränderungen nahe bei den Menschen bleiben und Orte der Gemeinschaft schaffen. Das betonen Weihbischof Johannes Freitag und Diözesandirektor Lukas Grangl im Interview mit dem steirischen "Sonntagsblatt" (aktuelle Ausgabe). Im kommenden Jahr wollen die beiden daher alle Seelsorgeräume der Diözese Graz-Seckau besuchen und sich vor Ort ein Bild von den pastoralen und organisatorischen Bedürfnissen machen. "Das ist unsere Stärke. Gegen den Trend des Rückzugs ins Private bleiben wir eine Institution, die Gemeinschaft stiftet und das Zusammenkommen großschreibt", betonte Freitag.
Hintergrund ist die seit 1. September geltende neue Leitungsstruktur des Generalvikariats, nach vollzogener Emeritierung des bisherigen Generalvikars Erich Linhardt. Weihbischof Freitag trägt nunmehr als Generalvikar die pastorale Verantwortung, während Grangl als Direktor der Diözese im Generalvikariat für Ressourcen, Steuerung, Organisation und Verwaltung zuständig ist. Die beiden verantworten damit unterschiedliche Bereiche der Leitung.
Die Zusammenarbeit verstehen Freitag und Grangl als Verbindung pastoraler und organisatorischer Verantwortung. "Führung hat für mich die Aufgabe, Probleme zu lösen. Das verstehe ich als eine Art Dienst, einen der wertvollsten, den wir an unseren KollegInnen tun können", so Grangl. Die Kirche habe einerseits eine göttliche Sendung und zugleich eine menschliche Gestalt, die sich auch in der neuen Leitungsstruktur widerspiegeln solle. "Bischof Johannes hält als Generalvikar den pastoralen Bereich im Blick. Meine Tätigkeit als Diözesandirektor für Ressourcen, Steuerung und Organisation betrifft die organisatorische und wirtschaftliche Seite."
In der Zusammenarbeit entstehe in der Diözese ein "synodaler Erfahrungsraum", und zwar im täglichen Austausch der Führungsspitze wie auch in der Begegnung mit Menschen in den Seelsorgeräumen. Im kommenden Jahr wollen die beiden alle Seelsorgeräume in der Steiermark besuchen. "Wir schauen uns an, wo in den Seelsorgeräumen Kirche lebendig ist. Wir wollen Erfahrungen miteinander teilen und herausfinden, was die Menschen brauchen, damit sie gut arbeiten können", erklärte Freitag. Schließlich sei die Kirche auch eine große Arbeitgeberin und damit großer Wirtschaftsfaktor.
Auch im pastoralen Bereich sei die Begegnung wichtig, so Freitag: "In einer Zeit der stärkeren Vereinsamung müssen wir dranbleiben, Räume zu schaffen, wo Menschen andocken können, die sich nach anderen Menschen sehnen - für Jung und Alt." Zudem müsse ein Rahmen geschaffen werden, "in dem Priester und alle Frauen und Männer, die von Gott berufen sind im haupt- und ehrenamtlichen Bereich der Seelsorge, ihre Berufung so leben können, dass sie eine Freude daran haben".
Kirche und Pastoral entstehen in den Begegnungen von Menschen, so Grangl. Die gesammelten Erfahrungen in den Seelsorgeräumen bzw. im "synodalen Erfahrungsraum" sollen direkt in die Arbeit des Generalvikariats fließen. Für die vielen Vorhaben der Diözese brauche es aber gute Rahmenbedingungen. "Wir versuchen den Balanceakt zwischen dem, was wir an Möglichkeiten haben und was wir tun wollen", sagte Grangl. Ziel sei, dass die Kirche auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch handlungsfähig bleibe.
Quelle: kathpress