
Hospiz Österreich fordert bessere Bedingungen für Ehrenamt
Rund 3.000 Ehrenamtliche begleiten in Österreich als Ergänzung zu den Angestellten in diesem Bereich schwerkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. Zum Welthospiztag am 10. Oktober hebt der Dachverband "Hospiz Österreich" die Bedeutung des freiwilligen Engagements hervor und fordert zugleich bessere Rahmenbedingungen. "Ehrenamtlich heißt nicht unprofessionell. Ehrenamt ist Profession", sagte Geschäftsführerin Sonja Thalinger am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien.
Im Jahr 2023 waren laut einem Monitoringbericht 2.970 Hospizbegleiterinnen und -begleiter tätig und leisteten mehr als 335.000 Stunden. Neue Zahlen für 2024 und 2025 sollen noch veröffentlicht werden. "Hospiz ohne Ehrenamt wäre sehr arm", betonte Thalinger, die auf die Ursprünge der Hospizbewegung aus einer Bürgerbewegung in England verwies. Angesichts des demografischen Wandels steige heute der Bedarf an Ehrenamtlichen. "Wenn wir je 4.000 erreichen, würde ich groß feiern", so die Geschäftsführerin.
Für die Palliativmedizinerin Eva Masel vom AKH Wien ist die freiwillige Mitarbeit auch im klinischen Alltag ein wichtiger Bestandteil der Betreuung. Hauptamtliche in den Teams wie Ärzte und Pflegekräfte hätten häufig nicht ausreichend Zeit, länger bei Patienten zu sitzen, zuzuhören, sich auszutauschen oder persönliche Wünsche zu ermöglichen. Gerade am Lebensende brauche der Mensch aber "Zuwendung und Dasein und Verständnis", was Ehrenamtliche sehr wohl bieten könnten. Sie seien daher "keine Lückenfüller und keine günstige Entlastung für das Hauptamt", unterstrich Masel.
Nach Einschätzung von Hospiz Österreich entspricht der Umfang des Ehrenamts etwa 15 bis 20 Prozent der praktischen Arbeit in den Teams, wobei dies je nach Einrichtung unterschiedlich ist. Rund zwei Drittel der Ehrenamtlichen sind älter als 60 Jahre, wobei der Verband gezielt auch jüngere Menschen gewinnen will. Ehrenamtliche Begleitung soll zudem stärker in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Hauskrankenpflege eingebunden werden, und auch die Primärversorgung und Schulen sollten darüber Bescheid wissen und informieren.
Einsatz mit viel Benefit
"Hospiz Österreich"-Präsidentin Barbara Schwarz verwies auf die besondere Motivation der Ehrenamtlichen. Diese seien "sehr empathische Menschen", die ihr "Zeit und Zuwendung Schenken" selbst als sehr bereichernd erlebten: "Ich habe noch keine Ehrenamtlichen getroffen im Hospizbereich, die nicht gesagt hätten: Ich habe sehr, sehr viel zurückbekommen", sagte Schwarz im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress. Damit dies möglich werde, seien eine "sehr gute Ausbildung" von mindestens 80 Stunden sowie ein 40-stündiges Praktikum verpflichtend. Wichtig seien zudem Supervision, Versicherungsschutz und verlässliche Ansprechpartner.
Hospiz Österreich fordert daher finanzierte Koordinationsstellen, eine verlässliche Finanzierung der Aus- und Weiterbildung, Spesenersatz und praktische Erleichterungen. Auch der Hospiz- und Palliativfonds müsse verlässlich umgesetzt und ausgebaut werden. "Wir müssen das Ehrenamt politisch absichern - nicht nur mit Worten, sondern mit verlässlichen Strukturen und konkreten Rahmenbedingungen", sagte Schwarz. Ein weiteres Ziel sei, dass Ehrenamtliche Menschen möglichst über Einrichtungsgrenzen hinweg begleiten können; etwa vom Krankenhaus nach Hause oder in ein Hospiz.
"Caritas Österreich"-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler konnte krankheitsbedingt nicht an dem Pressegespräch teilnehmen. In einem schriftlichen Statement bezeichnete sie ehrenamtliche Hospizbegleitung als Beitrag zur "sozialen Nachhaltigkeit" und zur Vermeidung von Vereinsamung in einer alternden Gesellschaft. "Wir gestalten das Leben bis zuletzt, wir wickeln nicht das Sterben ab", erklärte Tödtling-Musenbichler.
Caritas: Bedarf an Hospizbegleitung steigt
In einer gesonderten Aussendung zum Welthospiztag verwies auch die Caritas der Erzdiözese Wien am Donnerstag auf den wachsenden Bedarf an Hospiz- und Palliativversorgung. Im vergangenen Jahr hat die Hilfsorganisation mit ihren mobilen Hospiz- und Palliativteams allein in Wien und dem östlichen Niederösterreich rund 2.440 schwerkranke Menschen sowie deren An- und Zugehörige begleitet. Das Tageshospiz in Wien-Liesing verzeichnete 167 Besuche Schwerkranker, das stationäre Caritas Hospiz begleitete 93 Menschen.
Im stationären Hospiz stehen 16 Plätze zur Verfügung. Das multiprofessionelle Team umfasst Pflege, Medizin, Sozialarbeit, Therapien, Seelsorge und ehrenamtliche Hospizbegleiter. "Eine schwere, lebensverkürzende Erkrankung kann Menschen unterschiedlichen Alters treffen", sagte Harald Weikl, Leiter des Hospizbereichs der Caritas Wien. Der jüngste 2026 betreute Hospizgast sei 42 Jahre alt gewesen, der älteste 100. Gemeinsam sei den Betroffenen der Bedarf an professioneller Betreuung und Unterstützung.
Die ehrenamtliche Arbeit ist auch bei der Wiener Caritas ein wichtiger Teil des Angebots, 262 Freiwillige leisten im Hospizbereich knapp 16.000 Stunden pro Jahr und ermöglichen u.a. Gespräche, psychosoziale Begleitung und Entlastung für Angehörige. Caritasdirektor Klaus Schwertner verwies zugleich auf die Finanzierung: Das 2022 beschlossene Hospiz- und Palliativfondsgesetz sei ein wichtiger Schritt gewesen, "doch der Bedarf bleibt höher als das Angebot". Auch die Caritas sei deshalb weiterhin auf Spenden und freiwilliges Engagement angewiesen.
(Infos: www.hospiz.at bzw. www.caritas-wien.at/hilfe-angebote/hospiz/)
Quelle: kathpress