
Kirchen: Kein Nachlassen beim Klimaschutz
Die Kirchen in Österreich müssen das Thema Klimaschutz am Laufen halten und stets aufs Neue mit Vehemenz in Gesellschaft und Politik einbringen. Das war Tenor bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) am Donnerstag in Wien. Welche Klimaschutzmaßnahmen und -konzepte es in den einzelnen Kirchen gibt und wie die ökumenische Zusammenarbeit und auch jene mit anderen Religionen und zivilgesellschaftlichen Institutionen noch gestärkt werden kann, stand im Mittelpunkt der Beratungen der ÖRKÖ-Delegierten. Sie tagten unter dem Vorsitz der armenischen Bischofs Tiran Petrosyan in den Räumlichkeiten der Neuapostolischen Kirche in Wien-Penzing.
Der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) eröffnete die Vollversammlung mit einem spirituellen Impuls, in dem er die ökologische Krise zuallererst als geistliche Krise bezeichnete. Es brauche ein fundamentales Umdenken im Blick auf das eigene Menschenbild und das Verhältnis zur Natur, so der Metropolit. Das Bestreben, die Natur als bloße Ressource zu sehen, zu beherrschen, zu instrumentalisieren und auszubeuten, habe in die Krise geführt.
Kardamakis zitierte aus der Charta Oecumenica: "Im Glauben an Gott, der alle Geschöpfe liebt, würdigen wir dankbar das Geschenk der Schöpfung, den Wert und die Schönheit der Natur sowie unsere vollkommene Abhängigkeit von der Schöpfung für unsere gesamte Existenz." - Die "Charta Oecumenica" enthält Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen im 21. Jahrhundert. Das ursprünglich aus dem Jahr 2001 stammende ökumenische Dokument wurde in den vergangenen Jahren überarbeitet und in einer Neufassung 2025 erneut beschlossen.
Wie Metropolit Arsenios ergänzte, sei christliche Spiritualität nie eine "Flucht aus der materiellen Welt". Vielmehr gelte: "Gott rettet uns nicht aus der Schöpfung heraus, sondern mit der Schöpfung."
Ökumenische Umweltarbeit
Über die Aktivitäten in der katholischen und evangelischen Kirche berichteten Axel Isenbart, Umweltbeauftragter der katholischen Diözese St. Pölten, und Jakob Lissy, Klimaschutzreferent der Evangelischen Kirche in Österreich. Lissy stellte u. a. das Klimaschutzkonzept der Evangelischen Kirche vor, das 2023 beschlossen wurde. Darin strebt die Evangelische Kirche an, über den gesetzlich in Österreich und in der EU fixierten Reduktionspfad hinaus bis 2035 klimaneutral zu sein. "Als Evangelische Kirche A. und H.B. verpflichten wir uns, uns auf allen Ebenen aktiv für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und am Globalziel der Klimaneutralität zu arbeiten", heißt es in dem 37 Seiten umfassenden Konzept.
Das Klimaschutzkonzept richte sich an die Gemeinden auf Ebene der Pfarr- und Superintendentialgemeinden wie auch der Gesamtkirche, sowie an die ehren- und hauptamtlich in der Kirche tätigen Menschen. Anhand der vier Themenbereiche Gebäude, Energie, Mobilität und Beschaffungswesen würden konkrete Impulse geliefert, so Lissy.
Neben dem Ziel der Klimaneutralität 2035 werden in dem Klimaschutzkonzept auch zugehörige Etappenziele beschrieben, um die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und Klimaneutralität zu erreichen. Die Etappenziele umfassen etwa die Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom bis 2025, die Umstellung aller Dienstwagen auf E-Autos bis 2030 sowie das Ersetzen aller Heizölkessel und Gasheizungen durch regenerative Heizsysteme bis 2030 bzw. 2035.
Bei Ökostrom habe man bisher 95 Prozent erreicht, so Lissy, beim Heizungswechsel liege man bei 70 Prozent. Auf gesamtkirchlicher Ebene seien alle Dienstautos elektrisch unterwegs, benannte der Umweltexperte einige erreichte Teilziele.
Isenbart erinnerte an die 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Sozial- und Umwelt-Enzyklika "Laudato si". Die katholische Bischofskonferenz habe sich seit der Veröffentlichung von "Laudato si" intensiv und regelmäßig mit den Themen der Nachhaltigkeit beschäftigt und sich als Kirche in Österreich verpflichtet, ökologische und nachhaltige Entwicklungsziele für die Diözesen umzusetzen. Im Gefolge der wegweisenden Enzyklika habe die Bischofskonferenz ambitionierte Umweltziele zu den Themen Nachhaltigkeit, Energiewende und ökosoziale Beschaffungsordnung beschlossen.
Die beiden Umweltexperten berichteten auch über gemeinsame ökumenische Initiativen wie die "Aktion Autofasten", "Radln in die Kirche" oder über den Kirchlichen Umweltpreis, der nachhaltige innovative Projekte in den Bereichen Energiewende, Beschaffung und Bewirtschaftung auszeichnet. Die katholisch-evangelische Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, man sei freilich jederzeit offen, auch mit anderen Kirchen verstärkt zusammenzuarbeiten, so Isenbart und Lissy.
Auch von orthodoxen und altorientalischen Delegierten wurden bei der Vollversammlung einige Initiativen im Klimaschutzbereich vorgestellt. Unter anderem wurde auch im Blick auf die spirituelle Dimension des Klima- und Umweltschutzes auf die orthodoxe vegane Fastenpraxis verwiesen, die beispielgebend sein könnte, wie es hieß.
Personelle Veränderungen
Im Rahmen der Vollversammlung wurde auch der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen teilweise neu bestellt. Der Linzer Bischof Manfred ist aus dem Vorstand ausgeschieden. Für ihn wählten die Delegierten den Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics neu in den Vorstand. Zsifkovics hat vor Kurzem auch in der katholischen Bischofskonferenz die Ökumene-Agenden übernommen. Die evangelische Bischöfin Cornelia Richter wurde ebenfalls neu in den ÖRKÖ-Vorstand gewählt. Sie folgt auf die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler. Der ÖRKÖ-Vorsitzende Bischof Petrosyan bedankte sich bei den beiden ausscheidenden Vorstandsmitgliedern für ihren langjährigen unermüdlichen Einsatz für die Ökumene in Österreich.
Sorge um das Heilige Land
Ein weiteres Thema der Vollversammlung war das Heilige Land. Der ÖRKÖ beteiligt sich seit 2010 am "Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel" (EAPPI). Im Rahmen dieses Programms werden vom Weltkirchenrat Freiwillige aus aller Welt entsendet, die sich für ein Ende der Gewalt und ein friedliches Zusammenleben von Palästinensern und Israelis einsetzen. An diesem Engagement wollen die Kirche - trotz oder gerade wegen der aktuellen dramatischen Situation - weiter festhalten, wurde bei der Vollversammlung beschlossen.
Der im ÖRKÖ für das Begleitprogramm zuständige evangelisch-reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld berichtete, dass aus Sicherheitsgründen derzeit die Entsendung von Freiwilligen nicht möglich sei. Man hoffe aber, dass ab Jänner 2027 wieder eine Freiwillige aus Österreich vor Ort ihren Einsatz absolvieren kann.
18 ÖRKÖ-Mitgliedskirchen
Dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) gehören 18 Kirchen an: die Altkatholische Kirche, Anglikanische Kirche, Armenisch-apostolische Kirche, Bulgarisch-Orthodoxe Kirche, Evangelische Kirche A.B., Evangelische Kirche H.B., Evangelisch-methodistische Kirche, Griechisch-Orthodoxe Kirche, Koptisch-Orthodoxe Kirche, Römisch-Katholische Kirche, Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Russisch-Orthodoxe Kirche, Serbisch-Orthodoxe Kirche und Syrisch-Orthodoxe Kirche. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, der Bund der Baptistengemeinden, die Indisch-orthodoxe Kirche und die Neuapostolische Kirche sind "Mitglieder mit beratender Stimme". Weitere Institutionen bzw. Organisationen besitzen Beobachterstatus.
(Infos: www.oekumene.at bzw. www.schoepfung.at)
Quelle: kathpress