
Lackner bei Bischofstreffen in Rom: Kirche muss Familien in allen Lebenslagen begleiten
Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner nimmt derzeit an einem internationalen Bischofstreffen zu Ehe und Familie im Vatikan teil. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz hatte im Vorfeld das vor zehn Jahren veröffentlichte Papst-Schreiben "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) als "wegweisende Schrift" gewürdigt. Darin habe Papst Franziskus Wege aufgezeigt, wie die Kirche ein Ort authentischer Barmherzigkeit sein könne, der sowohl das Ideal als auch die konkrete Lebenswirklichkeit des einzelnen Menschen berücksichtige, erklärte Lackner gegenüber Kathpress. Das von Papst Leo XIV. einberufene Treffen wurde am Mittwoch (7. Oktober) eröffnet und ist inzwischen in die Arbeitsphase eingetreten.
Lackner hatte sich im Vorfeld auf den Austausch und die Begegnungen mit den Teilnehmenden aus aller Welt gefreut. Nun gelte es, "in synodaler Unterscheidung auf dieses Schreiben und sein Vermächtnis zu blicken", betonte der Erzbischof. Die Kirche sei heute mehr denn je gefordert, Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu begleiten – sowohl in freudvollen als auch in schwierigen Zeiten. Die Freude der Liebe sei dabei kein unerreichbares Ideal, sondern könne im konkreten Leben Wirklichkeit werden. An dem bis 14. Oktober dauernden Treffen nehmen die Vorsitzenden der 115 Bischofskonferenzen weltweit, die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen sowie Ehepaare, Familien und Fachleute teil. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Kirche angesichts gesellschaftlicher Veränderungen Familien besser begleiten und die Weitergabe des Glaubens innerhalb der Familien fördern kann.
Gesellschaftliche Veränderungen als Lernaufgabe
Zum Auftakt der Arbeitsphase am Donnerstag rief der italienische Sozialphilosoph Vincenzo Rosito dazu auf, Veränderungen im Familienleben nicht vorrangig als Probleme, sondern als Gelegenheiten zum Lernen zu betrachten. Individualismus, zunehmende Mobilität und digitale Technologien hätten weitreichende Auswirkungen auf Beziehungen, familiäre Gewohnheiten und die Erziehung von Kindern.
Auch der indische Kardinal Filipe Neri Ferrão verwies auf tiefgreifende Veränderungen in Familienstrukturen. Es gebe kein einheitliches Idealbild der Familie, sondern unterschiedliche Lebenswirklichkeiten, die von Freude und Hoffnung ebenso geprägt seien wie von Schwierigkeiten und Verletzungen. Familien seien dabei nicht nur Adressaten der kirchlichen Verkündigung, sondern auch Orte, an denen der Glaube konkret gelebt werde.
Papst Leo XIV. hatte bereits zur Eröffnung dazu aufgerufen, die Veränderungen von Ehe und Familie als Lernaufgabe anzunehmen und die Seelsorge für Paare und Familien weiterzuentwickeln. Dabei sollten die Bischöfe auch Fragen "mutig angehen", die sich aus dem Scheitern von Familienmodellen sowie aus aktuellen Veränderungen in den Bereichen Intimität und Sexualität ergeben, hielt er fest. Die Beratungen sollen im synodalen Stil stattfinden und die Erfahrungen von Familien aus unterschiedlichen Weltregionen einbeziehen. Zum Abschluss am 14. Oktober ist ein Gottesdienst mit dem Papst vorgesehen.
Quelle: kathpress