
Regenbogenpastoral: "a+o"-Prädikat erfreut sich wachsender Beliebtheit
Mit dem Prädikat "akzeptierend und offen" - kurz "a+o" - ermutigt die Regenbogenpastoral Österreich Pfarren und kirchliche Einrichtungen zu einer queerfreundlichen Haltung und Pastoral. Drei Jahre nach Einführung zählt die Initiative 61 Pfarren in sieben von neun österreichischen Diözesen sowie 55 Organisationen in Österreich und der Diözese Bozen-Brixen. "Haltung haben. Haltung zeigen. Haltung leben", erklärt der Leiter der Regenbogenpastoral Österreich, Franz Harant, das Ziel der Initiative, in einer Aussendung. Die Kirche sei angesichts einer gesellschaftlichen Sensibilität für Diskriminierungen bei gleichzeitig lauter werdenden queerfeindlichen Kräften, "angefragt und aufgefordert eigene Diskriminierungen abzubauen", so Harant.
Die Initiative startete am 11. Oktober 2023, dem jährlichen Internationalen Coming out Day. Man wolle "Menschen in ihrer Vielfalt offen begegnen und sie in ihrer Einzigartigkeit mit ihren unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten willkommen heißen", so Harant, der die Queersensibilität als Ausdruck einer Kirche erklärt, die sich vom Evangelium her versteht.
"Eine queersensible Praxis ist keine Anpassung an gesellschaftliche Trends, sondern eine Konsequenz aus dem Kirchenverständnis, das im Zweiten Vatikanischen Konzil grundgelegt ist: Kirche ist da, um Gottes heilende und befreiende Nähe allen Menschen erfahrbar zu machen", so der Seelsorger. Damit seien "getaufte LGBTIQ*Personen nicht nur in der Kirche und haben dort Heimatrecht, sondern sie sind Kirche. Sie sind da, um zu bleiben, um Kirche zu gestalten."
Das Prädikat selbst ist keine katholische Erfindung. So gibt es bereits seit 2014 die Initiative "EvanQueer" - einen Zusammenschluss von queeren Mitgliedern der evangelischen Kirche. Seit dem 11. Oktober 2023, dem internationalen "Coming out Day", wird das Prädikat auch in der katholischen Kirche auf Ansuchen hin verliehen. Das Prädikat verstehe sich auch als eine Konsequenz des nachsynodalen Schreibens "Amoris laetitia" (2016) von Papst Franziskus. Wie Harant in einem Kathpress-Interview betonte, stehe dort, dass "jeder Mensch in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll", und dass "eine respektvolle Begleitung zu gewährleisten ist". Als Konsequenz darauf habe die Konferenz der Regenbogenpastoral Österreich beschlossen, "queer-sensible" Pfarren und kirchliche Organisationen auf Antrag entsprechend der Vergabekriterien das "a+o" Prädikat zu verleihen. Die Wiener Pfarre Franz von Sales in der Krim hat 2024 zudem die erste "a+o"-Regenbogenfahne kreiert und auf dem Kirchturm angebracht.
Die Regenbogenpastoral Österreich ist eine Plattform des Forums Beziehung, Ehe und Familie der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ). Sie dient der Vernetzung queersensibler, regenbogenpastoraler Initiativen in der katholischen Kirche in Österreich. Sie bietet Unterstützung für kirchliche Organisatoren sowie queere Gläubige und ist auch Mitglied des "Global Network of Rainbow Catholics". Im Oktober fand zudem erstmals die "Grundausbildung LGBTIQ*-Kompetenz" im Bildungshaus Schloss Puchberg - ein bundesweiter Qualifizierungskurs für haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeitende - statt. (Info: www.regenbogenpastoral.at)
Quelle: kathpress