
Theologin warnt vor neo-integralistischem Drängen auf "Regime Change"
Vor einer Unterschätzung des Einflusses und der Ambitionen der numerisch zwar kleinen, zugleich hoch vernetzten und finanziell potenten Gruppe der Neo-Integralisten hat die Innsbrucker Theologin Prof. Michaela Quast-Neulinger gewarnt. Die Vertreter dieser Gruppe, als deren österreichischer Ankerpunkt der Heiligenkreuzer Ordensmann P. Edmund Waldstein gilt, würden strategisch vorgehen und an einem "Regime Change" arbeiten, indem sie eigens ausgebildetes Personal in politischen Schlüsselpositionen platzieren, liberale Gesellschaften systematisch unterwandern und die liberale Demokratie in einen illiberalen autoritären Staat unter kirchlichem bzw. katholischen Kuratel umwandeln wollen, so Quast-Neulinger bei einem Vortrag am Dienstag in Salzburg zur Eröffnung des neuen Studienjahres.
Aus theologischer Sicht sei das Urteil über diesen Neo-Integralismus klar: es handle sich um eine angstgetriebene "antimodernistische Machtideologie", die sich ihre eigene Version eines "wahren katholischen Glaubens" zurechtlege, der der Fundierung eines "totalitären religiösen Regimes" diene, führte die Theologin aus. "Behauptet wird Treue zur Tradition, umgesetzt wird eine eklektische, ahistorische Lesart der Tradition" ohne Rücksicht auf die Pluralität theologischer Positionen und Traditionen. Zugleich gehe diese Ideologie mit einer kruden Vorstellung einer "natürlichen Hierarchie" zwischen Menschen und auch zwischen den Geschlechtern einher.
Die theologische Basis stelle dabei - anders als etwa bei den Piusbrüdern - nicht die Ablehnung der Weichenstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) in Form einer Rückkehr vor das Konzil dar, sondern vielmehr der Versuch, deren zentrale Dokumente wie "Dignitatis humanae", "Nostra aetate" oder "Gaudium et spes" aus dem Kontext einer als unveränderlich erachteten kirchlichen Lehrtradition zu verstehen. Dies stelle letztlich ein "Aushebeln des Konzils" dar, gegen das sich die Kirche und auch die Theologie zur Wehr setzen müsse, so die Theologin. Notwendig sei eine Klarstellung, dass die besagten Konzilsdokumente "kein verhandelbares 'Nice to have' sind, sondern der Kern des konziliaren Aufbruchs".
Winkler: Start ins Wintersemester mit teils neuem Team
Begrüßt wurden die Studierenden zum neuen Semester von Dekan Prof. Dietmar Winkler, der nicht nur einen "erfreulichen Anstieg an neuen Studierenden" vermeldete - allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen -, sondern darüber hinaus auch neue Lehrende an der Fakultät begrüßte. Darunter sind etwa die neue Professorin für Neues Testament, Prof. Veronika Burtz-Tropper, sowie im Bereich Dogmatik die Univ.-Ass. Lisa Baumeister, als Senior-Scientist Elisabeth Höftberger sowie im Bereich Fundamentaltheologie Univ.Ass. Raphael Steinhofer.
Die Fakultät positioniere sich - nicht zuletzt auch mit dem Eröffnungsvortrag von Quast-Neulinger - als "Ort der engagierten Forschung und Lehre, der gesellschaftliche Entwicklungen kritisch reflektiert" und dabei den Austausch mit anderen Wissenschaften suche, so Winkler. Zu diesem Engagement zähle auch der Bereich der sogenannten "Third Mission" und Wissenschaftsvermittlung, betonte Winkler unter Hinweis auf die alljährlichen renommierten "Salzburger Hochschulwochen". (Infos: https://www.plus.ac.at/theologie)
Quelle: kathpress