
Katholische Arbeitnehmer thematisieren Zukunft der Arbeitswelt mit KI
Die Herausforderungen und Chancen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt standen im Mittelpunkt der Bundeskonferenz der Katholischen Arbeitnehmer:innenbewegung Österreich (KABÖ), die vor wenigen Tagen in Eisenstadt stattfand. Am Mittwoch informierte die KABÖ in einer Aussendung über die Inhalte und Ergebnisse der Tagung. Ausgehend von der jüngst veröffentlichten Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. beschäftigten sich die Delegierten demnach intensiv mit den vielfältigen Auswirkungen technologischer Entwicklungen.
Die Gestaltung einer menschenwürdigen Arbeitswelt sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, hieß es. Die KABÖ rufe daher Religionsgemeinschaften, politische Parteien, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und Unternehmen auf, sich gemeinsam für eine soziale und gerechte Gestaltung des technologischen Wandels einzusetzen.
Im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Haus der Begegnung in Eisenstadt diskutierten die Arbeitsmarktexpertin Manuela Vollmann und Karl Immervoll, Geistlicher Assistent der KABÖ, über die sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Herausforderungen der KI.
Vollmann stellte den großen Chancen der neuen Technologien die ebenso bedeutenden Herausforderungen gegenüber. Künstliche Intelligenz werde zahlreiche Arbeitsbereiche verändern und teilweise auch ganze Berufsbilder verdrängen. Umso wichtiger seien Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie die Begleitung von Beschäftigten bei notwendigen Umschulungen. Derzeit werde in diesem Bereich noch zu wenig getan, so die Expertin.
Besonders wichtig sei es, die Auswirkungen differenziert zu betrachten, da einzelne Berufsgruppen und Branchen sehr unterschiedlich betroffen sein werden. Vollmann verwies zudem auf die demografische Entwicklung, die viele Unternehmen noch nicht ausreichend in ihre strategischen Überlegungen einbeziehen.
lmmervoll hob die Bedeutung der Katholischen Soziallehre als Orientierungsrahmen für die Bewertung der aktuellen Entwicklungen hervor. Papst Leo XIV. warne davor, die technologische Entwicklung ausschließlich privaten Interessen und Gewinnmaximierung zu überlassen. Vielmehr brauche es staatliche und gesellschaftliche Verantwortung sowie wirksame Regulierungen, um die Menschenwürde, gerechte Arbeitsbedingungen und den Schutz der Umwelt sicherzustellen.
"Papst Leo weist uns auf die oft prekären Arbeitsbedingungen von Menschen in ärmeren Regionen der Welt hin, die an den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten der Technologieentwicklung beteiligt sind", so Immervoll wörtlich. In der gesamten KI-Debatte sei dieser ethische Aspekt noch unterbeleuchtet.
Ebenso müssten Ressourcenverbrauch und Energieaufwand der KI-Industrie unter dem Gesichtspunkt der ökologischen Verantwortung betrachtet werden. Regulierung sei deshalb kein Ausdruck von Technikfeindlichkeit, sondern Voraussetzung für eine positive und menschenorientierte Entwicklung.
Initiativen und Veranstaltungen
"Wir sehen uns durch die Impulse des Papstes in unserem Auftrag bestärkt, gesellschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive der Katholischen Soziallehre zu beurteilen und mitzugestalten", resümiert Hubert Gratzer, Vorsitzender der KABÖ. Man wolle "den Herausforderungen der Gegenwart anhand der Grundprinzipien Gemeinwohl, Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Subsidiarität und der allgemeinen Bestimmung der Güter begegnen."
Die diözesanen KAB-Gruppen würden diesen Auftrag auch bereits durch zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen vor Ort umsetzen, hieß es in der Aussendung: von Aktionen für den freien Sonntag und den Tag der menschenwürdigen Arbeit über Schwerpunkte zu Care-Arbeit und Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern bis hin zu Arbeiter:innenwallfahrten, Dialogveranstaltungen und Projekten für arbeitssuchende Menschen.
Die KABÖ werde sich auch an dem für Mai 2027 geplanten Projekt "Frauen*streiken" beteiligen. Und auch das KAB-Magazin "Zeitzeichen" wurde als wichtiges Instrument der gesellschaftspolitischen Bewusstseinsbildung hervorgehoben.
Quelle: kathpress