
Wien: Caritas und Freiwillige bilden "Rote Linie für Menschlichkeit"
Als Zeichen der Solidarität mit Menschen auf der Flucht haben die Caritas Wien, Freiwillige und die Schauspielerin Valerie Huber am Freitag entlang der Kärntner Straße mit einer 200 Meter langen Stoffbahn eine "Rote Linie für Menschlichkeit" gebildet. Am "Langen Tag der Flucht" warnte die Hilfsorganisation vor einem zunehmend raueren Ton gegenüber Geflüchteten und einer Aushöhlung von Menschenrechten 75 Jahre nach der Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention. Die Caritas richtete auch einen Appell an die Politik: "Menschenrechte sind keine politische Verhandlungsmasse, sondern das Fundament einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft. Wer die Rechte einzelner angreift, setzt letztlich die Rechte aller aufs Spiel", so Initiator David Preukschat-Himler, Caritas-Bereichsleiter für Asyl und Integration.
"Wir erleben derzeit täglich, welche Auswirkungen politische Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen auf das Leben geflüchteter Menschen haben", erläuterte Preukschat-Himler. Immer wieder würden rote Linien überschritten. "Dieser Prozess vollzieht sich nicht laut, sondern schleichend und leise." Umso wichtiger sei es, für Grundrechte einzutreten und gemeinsam daran zu erinnern, "dass ein starkes Miteinander die stärkste Antwort auf Ausgrenzung und gesellschaftliche Spaltung ist."
Bei der Kundgebung appellierte die Caritas auch an die politischen Verantwortlichen in Österreich. Die jüngste Reform des Europäischen Asyl- und Migrationspakts drohe den Zugang zu Schutz für Menschen auf der Flucht weiter zu erschweren. Dass beim EU-Innenministertreffen in Luxemburg weitere Verschärfungen - hin zu einem teilweisen Aussetzen des Asylrechts an den EU-Außengrenzen - diskutiert wurden, sei besorgniserregend. Die aktuellen Regelungen an den EU-Außengrenzen, haftähnliche Unterbringungsformen und Pläne für Abschiebezentren in Drittstaaten setzten diesen Anspruch jedoch unter Druck. Umso wichtiger seien sichere Korridore, gezielte Resettlement-Programme und ausreichende Mittel für humanitäre Hilfe, so Preukschat-Himler.
Huber, die sich seit Jahren für Menschenrechtsanliegen engagiert, rief Passantinnen und Passanten zur Teilnahme an der Aktion auf. "Umso wichtiger ist es, Menschlichkeit und Solidarität wieder in den Mittelpunkt zu stellen", betonte sie. Menschen flüchteten vor Krieg, Verfolgung und Leid, weil sie Schutz und Sicherheit suchten. Es liege in der Verantwortung der Gesellschaft, Menschen in Not Schutz zu gewähren und sich für das Recht aller auf ein Leben in Würde einzusetzen. "Kein Mensch ist illegal", betonte Huber.
In einer Aussendung meldete sich auch der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner zu Wort: "Dieser neue, populistische Sound der Härte kennt selbst keine Grenzen mehr: Heute richtet er sich gegen geflüchtete Menschen, morgen gegen armutsbetroffene Menschen oder Personen, die keine Arbeit finden", warnte Schwertner. Das Prinzip sei klar: Wer Menschenrechte für einzelne Gruppen infrage stelle, höhle sie letztlich für alle aus.
Im "wirhelfen.shop" der Caritas Wien kann gezielt für geflüchtete Menschen gespendet werden - etwa für Lebensmittel für Familien im Haus Espera oder für die rechtliche Beratung im Caritas-Asylzentrum. (Info: https://wirhelfen.shop/schenk-rechtliche-beratung/; https://wirhelfen.shop/lebensmittel-haus-espera/)
Quelle: kathpress