
Erzbischof Lackner zieht Bilanz zu "Amoris laetitia"-Treffen in Rom
Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner hat eine erste Bilanz zu den am Mittwoch zu Ende gehenden einwöchigen Beratungen der weltweiten Bischofskonferenz-Vorsitzenden im Vatikan über die kirchliche Ehe- und Familienpastoral gezogen. In einem Interview mit Radio Vatikan zeigte er sich grundsätzlich angetan von den Gesprächen in Rom, die "wirklich sehr gut" gelaufen seien. Die Probleme beim Thema Ehe und Familie freilich seien überall in der Weltkirche "ziemlich gleich". Lackner wörtlich: "Es herrscht eine große Übereinstimmung, und zwar, ich habe das so noch nie erlebt: Es geht uns auf der ganzen Welt gleich schlecht."
Ratlosigkeit allerdings herrsche unter den Teilnehmenden der Versammlung nicht, fügte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz hinzu: "Im Gegenteil, ich erlebe einen Ansporn, dass wir uns in diesen Bereichen mehr engagieren und es besser machen in Zukunft! Denn - was ebenfalls von allen Seiten gesagt wird: Die Sehnsucht auch bei jungen Menschen nach einer fixen Beziehung, nach einer lebenslangen Beziehung, nach einer Beziehung in Liebe und Respekt ist ja groß. Das berichten auch alle."
Das Bischofstreffen bekräftige auch durchaus die geltende kirchliche Lehre im Bereich von Ehe und Familie, so Lackner. "Doch genauso kräftig sagen wir: Die Kirche schließt niemanden aus. Sie will den Leuten dort begegnen, wo sie sind."
Für das Treffen zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Schreibens "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) hatte Papst Leo XIV. seit 7. Oktober Bischöfe aus aller Welt zusammengerufen und auch Familien, Eheleute sowie weitere Experten zum Thema in den Vatikan geladen. Bei den Beratungen wurde unter anderem betont, dass sich die gelebte Wirklichkeit in menschlichen Beziehungen oft stark von dem unterscheide, was die Kirche als Ideal verkünde, und dass dies eine Herausforderung für die Kirche sei.
"Amoris laetitia" nach wie vor "ein tolles Dokument"
Mit "Amoris laetitia" hatte Papst Franziskus (2013-2025) im Jahr 2016 die Lehren aus einem mehrjährigen synodalen Prozess des Nachdenkens über Ehe und Familie gezogen. Das Dokument sei durchaus rezipiert worden und er glaube, dass man diesbezüglich etwa in Österreich "vorne mit dabei" sei, sagte Erzbischof Lackner zu Radio Vatikan: "Aber das ist noch nicht ausgeschöpft! Es ist ein tolles Dokument, dass an Aktualität mitnichten etwas eingebüßt hat."
Ganz neue Spuren hätten sich bei den Debatten in diesen Tagen zwar nicht aufgetan, so der Salzburger Erzbischof weiter. Aber es gebe einige neue Einflüsse wie die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die so vor zehn Jahren noch nicht da gewesen seien. "Da konnte es natürlich neue Impulse und neue Hinweise geben."
Papst fehlt, aber: "Die Gesundheit geht vor"
Das Bischofstreffen wird seine Schlussfolgerungen dem Papst in Form eines Syntheseberichts zukommen lassen; dieser soll auch veröffentlicht werden. Wegen der kurzfristig angesetzten Lungenoperation, bei dem ihm am Dienstagabend in der römischen Gemelli-Klink ein bösartiger Tumor entfernt wurde, kann Leo XIV. aber am Mittwoch nicht wie geplant den Schlussgottesdienst auf dem Petersplatz mit den Teilnehmern feiern und auch nicht bei der abschließenden Sitzung in der vatikanischen Audienzhalle dabei sein.
Dass der Papst jetzt fehlt, ist für Erzbischof Lackner durchaus ein Manko für die Arbeiten des Bischofstreffens, wie er in dem am Dienstag noch vor der Papst-Operation geführten Radio-Vatikan-Interview zum Ausdruck brachte. "Er war am Anfang dabei, und da hat nichts darauf hingedeutet, dass er dann nicht mehr kommt. Das fehlt schon - er ist der Petrus-Nachfolger, und von dort erwarten wir uns Impulse. Aber wir verstehen: Die Gesundheit geht vor."
Quelle: kathpress