
Steirischer Toleranzpreis soll Polarisierung entgegenwirken
Gesellschaftlicher Polarisierung entgegenwirken und Initiativen für ein friedliches Zusammenleben stärken: Das ist das Ziel des neu geschaffenen Steiermärkischen Toleranzpreises, der am 13. November in der Aula der Universität Graz erstmals verliehen wird. Initiator Michael Axmann, Grazer Rechtsanwalt und ehrenamtlicher Superintendentialkurator der Evangelischen Kirche in der Steiermark, sieht angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spannungen besonderen Handlungsbedarf. Wichtig sei es, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und offen über Ängste und Gefühle zu reden, erklärte Axmann laut dem evangelischen Pressedienst epdö (Dienstag) dem Online-Magazin "Top Leader".
Der mit 25.000 Euro dotierte Hauptpreis der erstmals vergebenen Auszeichnung geht an die ARGE Jugend - Fachstelle für Gewaltprävention für das Projekt "Perspektivenwechsel". Die Initiative arbeitet seit zehn Jahren mit Grazer Schulen zusammen und entwickelt Programme zur Förderung demokratischer Werte, eines respektvollen Miteinanders und des konstruktiven Umgangs mit Vielfalt. Dabei werden neben Jugendlichen auch Lehrkräfte und Eltern eingebunden. Mit dem Preisgeld soll das Projekt auf weitere Regionen der Steiermark ausgeweitet werden.
Einen der beiden Förderpreise zu je 7.500 Euro erhält die Theaterakademie der inklusiven Organisation LebensGroß, die seit 2023 Menschen mit psychischen, kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigungen unter anderem in Schauspiel, Tanz, Musik und kreativem Schreiben ausbildet. Der ebenfalls ausgezeichnete Verein "gemma! GEMEINSAM MACHEN" bringt Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu gemeinsamen Aktivitäten aus den Bereichen Sport, Kultur, Kochen und Sprache zusammen.
Die Auszeichnung ist Teil eines gesellschaftlich breit angelegten Engagements: In der zwölfköpfigen Jury sind unter anderem das Ökumenische Forum und der Interreligiöse Beirat vertreten. Der Preis wird von Persönlichkeiten aus Kirche, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft mitgetragen. Zum Gründungskomitee des künftig alle zwei Jahre an Initiativen mit Steiermark-Bezug vergebenen Preises gehört auch der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl.
Würdigung Zivilcourage
Die Idee des Toleranzpreises sei aus der Beobachtung entstanden, dass Toleranz zunehmend in den Hintergrund trete und sachliche Debatten schwieriger würden, sagte Axmann. Neben Fluchtbewegungen nannte er die Corona-Pandemie und soziale Medien als Faktoren, die gesellschaftliche Polarisierung verstärkt hätten. Toleranz betreffe dabei weit mehr als Migration. Es gehe darum, unterschiedliche Überzeugungen, Eigenheiten und Lebensweisen auszuhalten und die Chancen gesellschaftlicher Vielfalt wahrzunehmen.
Toleranz sei insbesondere dort gefordert, wo das Verhalten anderer den eigenen Vorstellungen widerspreche, sagte Axmann. Sie zeige sich auch im Alltag, etwa wenn Menschen bei Unrecht nicht wegschauten, sondern Zivilcourage bewiesen. Zivilgesellschaftliche Initiativen könnten dabei wichtige Räume für Begegnung und Austausch schaffen. Auch Unternehmen und Führungskräfte trügen Verantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben, die über wirtschaftlichen Erfolg hinausgehe.
Quelle: kathpress