
Lebenskunst
9./10.6. | 07:05 | Ö1
9. Juni, 07:05
1. Kinderlose Väter – Über „Patres“ und „Wüstenväter“
Sie lebten in der Zeit des frühen Christentums in spartanischen Höhlen oder Mönchszellen ein asketisches – und darum kinderloses - Leben, jene Männer, die heute als „Wüstenväter“ bekannt sind. Was an ihnen und ihren Weisheitsschriften „väterlich“ genannt werden kann, darüber hat Pater Bernhard Eckerstorfer OSB vom Benediktinerstift Kremsmünster anlässlich des Vatertags, der heuer mit dem Pfingstsonntag zusammenfällt, nachgedacht. Und auch darüber, was an seinem eigenen kinderlosen „Pater-Sein“ – Pater heißt auf Lateinisch Vater - väterlich ist.
2. Der Recycling-Pensionist – Ein Besuch im Reich des Peter Cargnelli
Peter Paul Cargnelli ist pensionierter Religionslehrer, aktiv in der katholischen Pfarrgemeinde St. Elisabeth / Zur Frohen Botschaft in Wien-Wieden – und ein Bastler. Er hat sich eine kleine Kellerwerkstatt zugelegt und repariert Dinge, die man nicht gleich wegschmeißen will, oder die einen ideellen Wert für die Besitzer haben. Aufträge nimmt er gerne entgegen. Roberto Talotta ist in das Reich des Peter Cargnelli hinabgestiegen und hat mit ihm über seine Motive gesprochen. Ein Beitrag zum ORF-MUTTER ERDE-Schwerpunkt „Verwenden statt verschwenden“.
3. Eine besondere Frau, eine besondere Kirche – Zum 100. Geburtstag von Margarete Ottillinger, der Stifterin der „Wotruba-Kirche“
Am 6. Juni wäre Margarethe Ottillinger hundert Jahre alt geworden. 1919 im niederösterreichischen Steinbach geboren, wird sie später maßgeblich am wirtschaftlichen Wiederaufbau von Nachkriegs-Österreich und bei der Erarbeitung des Marshallplans beteiligt sein. Ihr Leben war geprägt von Extremen: berufliche Erfolge bereits zu einer Zeit, als Frauen nicht viele Wege offenstanden, aber auch schwierige Zeiten wie Krieg und jahrelange Zwangsarbeit in der Sowjetunion. Zu einem tiefen Glauben gefunden hat die Katholikin Margarethe Ottillinger während ihrer Gefangenschaft, ausgedrückt hat sie ihn schließlich mit der Stiftung einer besonderen Kirche. Sie ließ den Künstler Fritz Wotruba eine moderne Kirche entwerfen, die aufrütteln sollte. Die Gemeinde der Wotruba-Kirche in Wien-Mauer hat der 1992 verstorbenen Kirchenstifterin anlässlich ihres 100. Geburtstags einen Festakt gewidmet. Isabella Ferenci war dabei und hat auch zur Person Margarethe Ottillinger geforscht.
4. Ein Fest der Verwandlung und Vielfalt – Bibelessay zu Apostelgeschichte 2, 1 - 11
Pfingsten ist für viele ein rätselhaftes Fest. Weihnachten und Ostern – Geburt, Sterben – ja vielleicht sogar der Übergang in neues, verwandeltes Leben – sind wohl leichter verständlich. Aber die Herabkunft göttlichen Geistes? Mit Sturm und Feuerzungen wird er in der Bibel in Verbindung gebracht, Brausen und Getöse – ohne deshalb jedoch destruktiv zu sein. Ganz im Gegenteil: er schenkt Gaben, heißt es, Weisheit etwa, Stärke, Erkenntnis… In einem Radioessay widmet sich die katholische Theologin und Religionssoziologin Regina Polak dem komplexen Geschehen. Sie leitet das Institut für Praktische Theologie an der Universität Wien.
10. Juni, 07:05
1. Steinerne Glaubenszeugnisse - Mit der "Marterl-APP" durch Niederösterreich
Sie stehen an einer Grenze oder an einer Gabelung des Weges - sie erinnern an schicksalhafte Begegnungen oder an vergangene Katastrophen: Wegkreuze, Bildstöcke und sonstige Klein- und Flurdenkmäler haben oft eine ganz eigene Geschichte und Funktion. 45.000 "Marterl" (so der landläufige Sammelbegriff, der auf das Wort Martyrium zurückgehen dürfte) gibt es allein in Niederösterreich. Was sie genau darstellen - und wer sie wann und warum gebaut hat, darüber informiert jetzt eine APP fürs Mobiltelefon und eine eigene Datenbank im Internet. Markus Veinfurter war mit der Marterl-APP unterwegs.
2. Spuren einer reichen Vergangenheit – Güssing und seine jüdische Geschichte
In Güssing im südlichen Burgenland gab es einst eine blühende jüdische Gemeinde. Unter dem Schutz der Magnatenfamilie Batthyány stieg der jüdische Bevölkerungsanteil in der südburgenländischen Kleinstadt Mitte des 19. Jahrhunderts auf mehr als 40 Prozent. Fürst Philipp Batthyány ließ damals im Zentrum eine neue Synagoge errichten. Fast genau 100 Jahre später wurde sie von den Nationalsozialisten zunächst in eine Festhalle umgewandelt, wenig später wurde die Synagoge abgerissen. Denn die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 besiegelte auch das Ende der jüdischen Gemeinde in Güssing und tilgte damit ebenso den reichen jüdischen Festkalender aus der allgemeinen Wahrnehmung der Bevölkerung. So beginnt am Abend des 8. Juni das jüdische Wochenfest „Schawuot“, das 50 Tage, also sieben Wochen plus einen Tag nach dem Pessachfest gefeiert wird und heuer bis Pfingstmontagabend, 10. Juni, dauert. (Das in der biblischen Apostelgeschichte überlieferte „Pfingstereignis“ trug sich während des Schawuot-Festes zu, daher der Ausdruck Pfingsten, - vom griechischen Pentecosté, der 50. Tag nach Pessach und Ostern). Schawuot markiert das Ende der Gersten- und den Beginn der Weizenernte; und es erinnert an die Gabe der Thora auf dem Berg Sinai. Maria Harmer hat sich anlässlich des jüdischen Festes mit dem Historiker Karl Heinz Gober auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Güssing gemacht.
3. Kleine Schritte, große Wirkung – Der Verein Vanakkam hilft in Südindien
Es ist eine Geschichte von Freundschaft, von Zusammenarbeit und von Entwicklungshilfe im Kleinen, die funktioniert. In Südindien, im Bundesstaat Tamil Nadu, hat sich vor 25 Jahren eine Gruppe zusammengetan, um Frauen und Kindern zu helfen. Frauen, die es in Indien ohnehin schwer haben, besonders auf dem Land. Und Kinder, die statt in die Schule zu gehen, arbeiten müssen. Heute unterhält diese Gruppe ein Zentrum, zwei Schulen, ein Wohnheim. Und vor fünf Jahren kam Hilfe aus Österreich hinzu. Weil die Töchter nach Indien wollten, sorgten sich Eltern und suchten nach vertrauenswürdigen Adressen. Sie fanden sie, und daraus entstand der Verein Vanakkam (tamilisch für: Willkommen!). Heute helfen eine katholische Pfarre aus Wien und eine aus Linz zusammen, um die Situation von Kindern und Jugendlichen in tausenden Kilometern Entfernung nachhaltig zu verbessern. Und es funktioniert, wie auch eine kleine Delegation aus Indien Roberto Talotta berichtet hat.
4. Zurück zum Ursprung der Sprache – Bibelessay zu Römer 8, 14 - 17
Zu Pfingsten wird im Christentum der „Heilige Geist“ ins Zentrum gerückt. Und wenn Künstlerinnen und Künstler eine zündende Idee haben, dann ist oft von „Inspiration“ die Rede: Malerinnen, Komponisten, Dichterinnen – sie alle werden mit diesem Begriff in Verbindung gebracht, der eigentlich ein zutiefst theologischer ist. Bezeichnet er doch einen geradezu mystischen Moment: wenn ein Anstoß von außen – wenn man so will, durch göttlichen oder heiligen Geist – den Menschen in seinem Schaffen entscheidend voranbringt – oder ihn dazu überhaupt erst anregt. Die Verbindung von Geist und Sprache steht im Mittelpunkt des Bibelessays, den die katholische Theologin und Germanistin Mirja Kutzer, sie lehrt an der theologischen Fakultät der Universität Kassel, für den Pfingstmontag gestaltet hat.